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Brüggen
Junge Talente vertreten NRW in Berlin

Brüggen. Eva Otto aus Brüggen und Julia Nguyen aus Mönchengladbach haben im Carl-Bechstein-Wettbewerb den ersten Platz belegt. Die 13-Jährigen wollen auch künftig gemeinsam musizieren, doch zunächst steht "Jugend musiziert" an. Von Birgit Sroka

Sie gackern wie alle Teenies in diesem Altern. Sind albern, springen gerne auf dem Trampolin, achten auf ihr Aussehen und schmieden Pläne für die Zukunft. Aber wenn es um ihre Musik geht, dann beginnen die Augen zu leuchten. Die Brüggenerin Eva Otto und die Mönchengladbacherin Kha-tu Julia Nguyen lieben klassische Musik und besuchen die Musikschule in Mönchengladbach. Und jetzt haben sie als einzige aus Nordrhein-Westfalen den ersten Platz im Carl-Bechstein-Wettbewerb gewonnen.

Der zweite Carl-Bechstein-Wettbewerb für Kinder und Jugendliche war ausgeschrieben für die Kategorie "Klavier und ein Streichinstrument" und fand im Oktober im Schloss Britz in Berlin-Neukölln statt. "Unsere Lehrer in der Musikschule haben uns darauf aufmerksam gemacht und einen Flyer gezeigt", erzählt die 13-jährige Eva. "Bei 'Jugend musiziert' haben wir uns schon gegenseitig gehört und wollten unbedingt mal zusammen spielen", ergänzt Julia.

Ab Juli probten die beiden Mädchen dann zusammen. Eva spielt seit sechs Jahren Geige, Julia seit sieben Jahren Klavier. Zweimal wöchentlich trafen sie sich und übten ihre Stücke, die sie in Berlin vortragen wollten. Ausgewählt hatten sie die Sonatine Opus 27 von Zdenìk Fibich und die "Rumänischen Volkstänze" von Béla Bartók, beides sehr anspruchsvolle Werke.

Für den deutschlandweiten Wettbewerb mussten sie sich bewerben, denn nur sechs bis acht Musiker pro Altersgruppe wurden ausgewählt. "Uns macht es viel Freude, gemeinsam zu spielen", sagt Julia. "Man kann sein Gefühl in die Lieder rein stecken und sich Geschichten dabei ausdenken." Bei einem Gottesdienst in der evangelischen Kirche spielten sie mit - sozusagen als Vorbereitung auf das Vorspielen in Berlin. "Wir haben gemerkt, dass wir das gut rübergebracht haben, ich habe gesehen, dass eine Frau dabei sogar geweint hat", freut sich Eva - denn das war für sie das Zeichen, dass sie mit ihrer Musik Emotionen geweckt haben. Auch der Vater von Julia gab zu, beim Gottesdienst ein Tränchen verdrückt zu haben.

In der Jury in Berlin befanden sich sechs Professoren aus verschiedenen Ländern. Die beiden 13-Jährigen legten eine sehr gute Präsentation vor und setzten sich gegen ihre Konkurrenten in ihrer Altersklasse durch. Als Gewinner durften sie am Preisträger-Konzert teilnehmen. "Alle waren super nett. Man hat uns viel Zeit zum Einspielen gegeben, es war super organisiert und alle Zeiten stimmten", sagen die Mädchen unisono.

Beide wollen auch weiter zusammen spielen, doch zunächst steht im Januar der regionale Wettbewerb von "Jugend musiziert" an. "Die Lehrer schlagen vor, was wir mitmachen könnten. Wir entscheiden aber selber, ob wir das auch machen", schildert Eva.

Neben der Vorliebe zur Musik sind die Gymnasiastinnen ganz normale Teenager. Eva schwimmt bei Tura Brüggen, Julia liest gerne und betreibt Kampfsport. Berufswunsch der Mönchengladbacherin: "Kinderärztin." Eva möchte als Solo-Künstlerin weiterhin Musik machen. Die Mädchen erhalten viel Unterstützung durch ihre Klassenkameraden - und natürlich stehen auch die Familien hinter ihren Hobbys.

Beide üben täglich ein bis zwei Stunden und geben zu, dass dies manchmal auch stressig sein kann. Es erfordere einen strikten Zeitplan, gibt Evas Mutter Susanne Otto zu bedenken. Julias Mutter My-Huyn Nguyen fügt hinzu: "Die Kinder müssen schon selbständig sein." In beiden Familien sind beide Elternteile berufstätig, beide Mütter haben jeweils drei Kinder. "Man schafft das nur durch eine gute Struktur, und es ist eine riesige Herausforderung", sagen die Mütter.

Quelle: RP
 
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