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Niederkrüchten
Kampf um 8300 Stimmen in Niederkrüchten

Niederkrüchten: Kampf um 8300 Stimmen in Niederkrüchten
Der parteilose Karl-Heinz "Kalle" Wassong (l.) und der CDU-Kandidat Bennet Gielen treten am Sonntag gegeneinander an. FOTO: Ahlen
Niederkrüchten. Am Sonntag wählt die Gemeinde Niederkrüchten bei der Stichwahl ihren neuen Bürgermeister. Von Jochen Smets

Bennet Gielen oder Karl-Heinz "Kalle" Wassong? Rund 12.600 Bürger der Gemeinde sind am Sonntag aufgerufen, diese Frage zu beantworten. Von 8 bis 18 Uhr sind die Wahllokale geöffnet, gegen 19 Uhr dürfte dann feststehen, wer neuer Bürgermeister in Niederkrüchten wird. Beide Kandidaten haben im Wahlkampf-Endspurt noch einmal Hausbesuche gemacht, beide werden am Samstag noch einmal mit einem Infostand für sich - und vor allem für eine höhere Wahlbeteiligung - werben. Die war im ersten Wahlgang am 13. September mit 48,4 Prozent zwar dürftig - aber dennoch lag sie deutlich über dem Kreis- und Landesdurchschnitt.

Angesichts des engagierten Wahlkampfs aller fünf Kandidaten dürfte es vor der Stichwahl nicht allzu viele Bürger geben, die noch zwischen den beiden verbliebenen Bewerbern schwanken. Das ist auch Wassongs Eindruck aus seinen letzten Hausbesuchen: "Die Bürger sind gut informiert, und sie wissen, wen sie wählen wollen." Der Parteilose ist Favorit. Er erreichte im ersten Wahlgang 40,4 Prozent der Stimmen und ließ seinen CDU-Konkurrenten, der auf 29,6 Prozent kam, überraschend deutlich hinter sich. Wassong sieht darin allerdings kein sanftes Ruhekissen. Das Ergebnis zeige "eine klare Tendenz, aber ob die sich in der Wahl am Sonntag bestätigt, wage ich nicht zu behaupten".

Beide Kandidaten wissen: 6500 Wahlberechtigte sind vor eineinhalb Wochen gar nicht zur Urne gegangen, und weitere 1800 haben einen der drei ausgeschiedenen Kandidaten gewählt. Insofern sind 8300 Stimmen "auf dem Markt". Darauf gründet Gielen seine Zuversicht. Er erwartet "eine völlig offene Wahl" und verweist auf die Stichwahlen 2004 in Viersen, in denen sich das Ergebnis des ersten Wahlgangs komplett drehte: In der Kreisstadt lag Günter Thönnessen (SPD) damals sogar 18 Prozentpunkte hinter Marina Hammes (CDU), um die Stichwahl dann doch mit 54,6 Prozent zu gewinnen. Und in Niederkrüchten blieb der parteilose Herbert Winzen (31,7 Prozent) zunächst knapp hinter Johannes Wahlenberg (CDU, 35,6 Prozent) und feierte dann in der Stichwahl mit 68,3 Prozent einen Erdrutschsieg.

Anders als 2004 - damals hatte die SPD ihren Wählern zur Stichwahl nahegelegt, für Winzen zu stimmen - gibt es diesmal aus dem Parteienlager keine Wahlempfehlungen. Wassong ist darüber gar nicht undankbar: "Ich bin als überparteilicher Kandidat angetreten." Lediglich Yvonne Jeurißen, die als parteilose Kandidatin 8,7 Prozent (525 Stimmen) geholt hatte, wirbt für Bennet Gielen. Auf den Sieger der Stichwahl kommen aber gigantische Herausforderungen zu - allen voran die Unterbringung von 2500 Flüchtlingen in den Javelin Barracks. Die Konversion des Flughafengeländes, die prekäre Finanzlage der Gemeinde, die Stabilisierung des Schulstandorts und die Bewältigung des demografischen Wandels seien als weitere Stichworte genannt. Die Einarbeitungszeit bis zum offiziellen Dienstantritt am 21. Oktober ist minimal, und die übliche 100-Tage-Schonfrist für neue Amtsinhaber fällt weg. Es wird spannend sein, wem die Bürger die Lösungen zutrauen: dem versierten Verwaltungsfachmann Gielen oder dem kreativen Kommunikationsexperten Wassong?

Quelle: RP
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