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Viersen
Karneval in Viersen, Dülken, Süchteln

Viersen: Karneval in Viersen, Dülken, Süchteln
Seit knapp 500 Jahren Tradition: Der Karnevalsauftakt in Dülken an der Mühle. Vorn das scheidende Kinderprinzenpaar Niels I. und Lilou I. FOTO: Busch Franz-Heinrich sen.
Viersen. In Süchteln wurde das jüngste Prinzenpaar in der Geschichte des Festausschusses proklamiert, in Dülken ritten die Jecken auf Steckenpferden um die Narrenmühle — und in Alt-Viersen gab's ein dreistündiges Bühnenprogramm Von Ingrid Flocken und Paul Offermanns

Regen konnte die Karnevalisten in Alt-Viersen nicht abschrecken, am Elften im Elften in die neue närrische Session zu starten. Sie versammelten sich am Remigiusbrunnen und zogen mit dem Viersener Tambourkorps und klingendem Spiel zum Sparkassenvorplatz unter dem Sessionsmotto: "Mit Föhnfrisur und Dauerwelle - die Vierscher Narren sind zur Stelle".

Frank Schiffers, Senatspräsident des Festausschusses Viersener Karneval, ließ durch Roland Zetzen Schunkellieder spielen. "Hakt euch ein und schunkelt mit." Um 11.11 Uhr ließ die Prinzengarde nach gemeinsamen Abzählen von elf bis auf eins drei laute Bollerschüsse aus der Kanone erschallen. "Hiermit eröffne ich die Viersener Karnevalssession 2017/18 mit einem dreifachen "Viersche Helau... Wir wollen Karneval feiern, Frohsinn und Heiterkeit verbreiten bis Aschermittwoch", rief Schiffers in die Menge. "Wir werden unser Brauchtum pflegen, ohne anderen Menschen weh zu tun."

Er stellte das Kinderprinzenpaar Emmy Schorin und Jan Kaum sowie das große Prinzenpaar der Narrenherrlichkeit Viersen vor (beide aus dem Rahser): Dirk und Betina Mangold. Am 17. und 18. November haben sie ihre Prinzenproklamation. "Sie sind von Herzen Karnevalisten und wahre Brauchtumspfleger", sagte Schiffers. Auch Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller mischte sich unter die Jecken.

Das jüngste Prinzenpaar in Süchtelns Karnevalsgeschichte: Lara I. (18 Jahre alt) und Marc I. (21 Jahre alt). FOTO: Franz-Heinrich Busch

Ein buntes Programm machte den Karnevalsauftakt rund. Die Glühwürmchen und Tanzgarde Alt-Viersen aus der Tanzschule Behneke traten mit erfrischenden Tänzen auf. Es folgten das quirlige Tanzpaar Paul Schroeren und Jenny Glock von den Roahser Jonges, die Tanzgarden der Dülkener de Üüle und aus Süchteln. Ihre ersten Auftritte hatten die Viersener Prinzengarde und Dreistadt-Möhnen.

Auch dabei: das älteste Prinzenpaar der Narrenherrlichkeit Viersen mit insgesamt 188 Lebensjahren: Christoph Fritz und Ehefrau Tini. "4x11 Jahre ist es her, dass sie das Prinzenpaar der Narrenherrlichkeit Viersen waren", berichtete Schiffers. Sie bekamen den ersten Sessionsorden überreicht. Auch das bereits inthronisierte Süchtelner Prinzenpaar Lara I. und Marc I. mit Gefolge kam. "Eure Lieder bei eurer Prinzenproklamation sind mir richtig ans Herz gegangen", meinte Schiffers. Eine außergewöhnliche Band aus dem Rahser Kinderkarneval mit gleich zwei Prinzenpaaren spielte "Loos mer Springe".

Senatspräsident Frank Schiffers begrüßte die Tanzgarde Alt-Viersen auf der Bühne. Trotz des Regens feierten die Karnevalisten vergnügt den Sessionsauftakt. FOTO: Busch Franz-Heinrich sen.

Der Festausschuss Süchtelner Karneval holte im Josefshaus das neue Prinzenpaar auf den närrischen Thron: die 18-jährige Lara I. (Lenßen) und den 21-jährigen Marc I. (Marsollek). Voran zogen die Prinzengarde, die Süchtelner Ex-Prinzen, die Dülkener Trompetenklänge und der Karnevalsverein "Süchteln mit Herz" von 2014. Das neue Prinzenpaar brachte langstielige Rosen und kleine Plüschfrösche unters Narrenvolk.

"Wir sind stolz auf das jüngste in der Geschichte des Süchtelner Karnevals", sagte Nicolai Rattay, Vorsitzender des Festausschusses. Bürgermeisterin Sabine Anemüller versetzte den Prinzen Marc I. in Amt und Würden. Sie setzte ihm die Prinzenmütze auf, legte ihm die Prinzenkette um und übergab ihm den goldenen Schlüssel vom Rathaus: "Keine Macht ohne Schlüssel. Wofür der Schlüssel gut sein soll, verrate ich zu Altweiber." Sie überreichte der zauberhaften Prinzessin Lara I. einen Blumenstrauß.

Ortsbürgermeister Erhard Braun übergab das Zepter, das einst Karnevalsprinz Paul Degroot (1964) gehörte. Braun schwelgte in Erinnerungen: "Ich feiere ein kleines Jubiläum. Vor 20 Jahren machte ich mit meiner Ehefrau das Prinzenpaar." Marc I. dankte für den tollen Einmarsch und wandte sich dabei an die Ex-Prinzen: "Ihr habt mir nicht zu viel versprochen. Es war grandios." Marc I. liebt alles, was mit Fröschen zu tun hat. Das Motto des neuen Prinzenpaares lautet: "Net quaake - möt maake". Sie erfreuten die Narren mit selbstverfassten Liedern. Ihr Elf-Punkte-Programm zur Proklamation fand viel Beifall.

Drei Mal schlug Volker Müller, Rector magnificus der Dülkener Narrenakademie, mit dem Hammer gegen die Tür der Narrenmühle: "Damit eröffne ich die neue Karnevalssession." Zuvor luden das Trommlercorps Dülken und die Musikfreunde Rahser die Dülkener mit fröhlichen Melodien zum Feiern ein. Es waren einige hundert, die sich am Samstagabend rund um die Narrenmühle versammelten.

Seit fast 500 Jahren feiern die Dülkener den Karnevalsauftakt am 11.11. an einer Mühle, wie der Rector erzählte. Bis 1809 war es die Tränkemühle am Mühlenberg. Als sie abbrannte, übernahm die Narrenakademie die Mühle von der Witwe Holtz und machte sie zur heutigen Narrenmühle. Volker Müller stellte auch die Planungen für die notwendige Restauration der Narrenmühle vor, die zurzeit auf einem Gerüst steht. Doch 2019 soll sie wieder ihre Flügel drehen können: "Wir schaffen das." Ein letztes "Gloria tibi Dülken" rief das scheidende Kinderprinzenpaar Niels I. und Lilou I. aus, es bedankte sich herzlich bei allen Dülkenern und besonders den Crazy Kids für die "tolle Session". Ein "großes" Prinzenpaar hatte Dülken in der vergangenen Session nicht - auch in der jetzt steht keines in Aussicht. So wurde auch die vorgesehene Prinzenproklamation abgeblasen. Nachdem er das diesjährige Karnevals-Motto "Lot se maar kalle" bekannt gegeben hatte, forderte der Rector magnificus die Karnevalisten auf, ihre Steckenpferde zu besteigen und drei Mal um die Narrenmühle zu reiten: "Jetzt reiten wir los!" Zum Abschluss zogen alle in einem Fackelzug durch Dülken.

Quelle: RP
 
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