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Brüggen/Schwalmtal
Keine Strafe wegen Amokdrohung

Brüggen/Schwalmtal: Keine Strafe wegen Amokdrohung
150 Polizeikräfte und Rettungsdienste waren am Schulzentrum Waldniel aufgezogen. Die Folgen des Einsatzes für mehr als 2000 Schüler sowie Lehrer und Eltern arbeitete ein 30-köpfiges Notfallseelsorge-Team auf. FOTO: RPO
Brüggen/Schwalmtal. Beweislage dünn, Zeugenaussagen widersprüchlich: Der 15-jährige Schüler aus Brüggen, der am 27. März im Schulbus gedroht haben soll, im Schulzentrum Waldniel für "Trouble" sorgen zu wollen, kommt ungestraft davon. Das Gericht in Krefeld hat das Verfahren eingestellt. Von Gabi Laue

Der Unterricht hatte gerade begonnen, mehr als 2 000 Schüler saßen in den Klassen der drei Schulen im Schulzentrum Waldniel, da rückte eine Armada von Polizei- und Rettungsfahrzeugen an: Eine Zwölfjährige hatte im Schulbus etwas aufgeschnappt, das wie eine Amokdrohung klang. Ein Blutbad blieb aus. Ausgeblieben sind auch Konsequenzen für den 15-Jährigen, dessen Gerede den Einsatz auslöste. "Es hat sich kein konkreter Tatverdacht erhärtet", sagte Oberstaatsanwalt Schreiber in Krefeld. Bei den "Geschichten vom Hörensagen" sei "nicht feststellbar gewesen, ob er tatsächlich etwas vorhatte."

Polizei prüft Kostenerstattung

Der Schüler aus der Jugendhilfeeinrichtung Schloss Dilborn besucht weiter die Hauptschule Niederkrüchten. Inzwischen hat er sich schriftlich und mündlich bei Schülern, Lehrern und den Schulleitungen entschuldigt, bestätigte gestern Realschulleiter Wolfgang Kötting. "Es ist wichtig, dass junge Leute ihr falsches Handeln einsehen", betonte Kötting. "Immerhin hat sein Gerede sehr viel Angst und einen großen Aufwand an Polizeikräften verursacht."

Indessen prüft die Polizei weiter, ob sie die Kosten – grob geschätzt 50 000 Euro – bei den Erziehungsberechtigten eintreiben kann. "Ein negativer Befund der Staatsanwaltschaft führt nicht automatisch dazu, dass kein Kostenfestsetzungsbescheid ergeht", erklärte Polizeisprecherin Antje Heymanns. Die Verwaltung warte nun die schriftliche Begründung ab, warum das Verfahren eingestellt worden sei. Das Verhalten des Mädchens, auf den Jungen aufmerksam zu machen, stellt Heymanns keineswegs in Frage. Im Gegenteil: "Das war absolut richtig und lobenswert: vorbildliche Zivilcourage, zur Nachahmung empfohlen."

Für den Niederkrüchtener Hauptschulleiter Jakob Mülstroh ist der 15-Jährige rehabilitiert. Die Zeugenaussagen nannte er "dubios", in den Klassen habe er mitgeteilt, die Sache sei jetzt abgeschlossen. "Er hatte nie vor, nach Waldniel zu fahren, um dort etwas in Bewegung zu setzen. Die Schulleiter haben seine Entschuldigung angenommen. Jetzt gibt es keinen Anlass mehr, den Jungen zu diskriminieren", versicherte Mülstroh. An jenem 27. März war das SEK auch in Niederkrüchten angerückt. Weil "Vornamen genannt wurden, die mit dem Namen des eigentlichen Verdächtigen nichts zu tun hatten", so Mülstroh, seien zwei Schüler vor SEK-Beamte geführt, aber nicht verhaftet worden. "In einer Minute war klar, dass die überhaupt nichts damit zu tun hatten."

In Niederkrüchten habe es keinen Unterrichtsausfall gegeben, die Schule habe sich intensiv um die Schüler gekümmert. Der 15-Jährige hatte an dem Freitag geschwänzt, wurde von der Polizei gefasst und drei Stunden verhört. "Der ganze Spuk war in einer halben Stunde vorbei", sagte Mülstroh. "Jetzt wollen wir die Sache auf sich beruhen lassen."

Quelle: RP
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