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Schwalmtal
Kies - Wut und Enttäuschung in Lüttelforst

Schwalmtal: Kies - Wut und Enttäuschung in Lüttelforst
Der Kirchenvorstand will das 2,5 Hektar große Gelände nördlich des Sportplatzes an ein Kiesabbau-Unternehmen verkaufen. FOTO: Busch
Schwalmtal. Nach der Entscheidung des Kirchenvorstands, das Pastorenfeld für Kiesabbau zu verkaufen, denken etliche über Kirchenaustritt nach Von Heike Ahlen

Der geplante Grundstücksverkauf der katholischen Kirche nördlich des Sportplatzes für Kiesabbau sorgt in Lüttelforst für aufgeheizte Stimmung. Eine Bürgerversammlung des Fördervereins "Lüttelforst - Tradition und Kultur" im Bauerncafé Bolten war so gut besucht, dass kein Platz mehr frei blieb.

Eingangs stellte Matthias Raith von der Bürgerstiftung die Ausgangssituation dar: Die Pfarrgemeinde braucht Geld, da die Lüttelforster Kirche St. Jakobus auf der "Roten Liste" steht. Sie darf nicht mehr aus den Mitteln des Bistums finanziert werden. In den nächsten zwei Jahren stehen Sanierungsarbeiten am Dach und an der Heizung an, die bis zu 220.000 Euro kosten sollen. Zusätzlich fallen jährlich etwa 15.000 Euro Betriebskosten an.

Der Verkauf eines 2,5 Hektar großen Grundstücks soll das für die nächsten Jahre auffangen. Dafür gibt es zwei Angebote. Das der Firma Sanders, die dort Kies abbauen will. Dazu, so führte Raith aus, gebe es ein notariell gesichertes Angebot in Höhe von 254.000 Euro. Der Bürgerverein sei dazu aufgefordert worden, ein ebenfalls notariell gesichertes Angebot bis 23. Mai, dem Tag der Sitzung des Kirchenvorstands, vorzulegen. Das habe er getan: 255.000 Euro. Im Gegenzug solle die Pfarre eine Grunddienstbarkeit ins Grundbuch eintragen lassen, die den Abbau von Bodenschätzen dort verhindert. "Bis zum St. Nimmerleinstag", so Raith. Als Ackerland könne die Kirche die Fläche immer noch verkaufen. Die Firma Sanders habe am Nachmittag des 23. Mai, ein formloses Zusatzangebot von 400.000 Euro gemacht.

Die Bürgerstiftung, die insgesamt sogar mehr Geld als die gebotenen 255.000 Euro gesammelt habe, meine es ernst. "Wir lassen uns auch vom Beschluss eines Kirchenvorstands nicht vom Feld jagen", erklärte Raith unter Applaus. Es gehe um die Lebensqualität in Lüttelforst, um eine Wertminderung der Grundstücke, wenn der Kiesabbau mit Lärm und Staub näher rücke. "Wir wollen auf der Terrasse sitzen können", sagte Raith.

Die Entscheidung im Kirchenvorstand fiel am Ende mit elf Stimmen für Sanders, fünf für die Bürgerstiftung und einer Enthaltung. Der Vorwurf der Bürgerstiftung: Nicht alle Kirchenvorstandsmitglieder hätten den Inhalt des Angebots der Bürgerstiftung gekannt. "Wir werden jeden rechtlichen und politischen Widerstand suchen, um diese Entscheidung zunichte zu machen", sagt Raith. Die Bürgerstiftung habe die Stiftungsurkunde gefunden, mit der dieses Grundstück um 1800 von Anna Katharina Mühlenberg an die Kirche übertragen worden war. Man suche jetzt die Erben der bekannten Lüttelforsterin, um möglicherweise eine 200 Jahre alte Entscheidung anzufechten. Außerdem gehe es um mögliche Befangenheiten bei der Entscheidung im Kirchenvorstand.

"An dieser Entscheidung werden Sie keinen Spaß haben", sagte Raith in Richtung von Pastor Thorsten Aymanns. Dem Pfarrer schlug höhnisches Gelächter entgegen, als er erklärte: "Der Kirchenvorstand hatte natürlich Lüttelforst im Blick." Es sei aber sein gesetzlicher Auftrag, das "Vermögen der Kirche zu schützen, und nicht aus einer schwierigen Einzelsituation heraus das Ganze zu gefährden". Das Angebot der Firma Sanders ist auf den 31. Mai befristet. Kommt es bis morgen nicht zum Vertrag, ist die Firma nicht mehr daran gebunden. "Wir hätten keine Chance mehr gehabt, das knapp vor der Sitzung eingegangene Angebot der Stiftung wegen der Befristung des Sanders- Angebots noch zu bewerten", erklärte der Pfarrer. - "Aber genau das war doch die Frist, die uns gesetzt wurde", sagte Alexander Kessels später. Und Raith erklärte: "Wir haben uns veräppelt gefühlt."

In Lüttelforst geht das Gerücht um, das Kies-Unternehmen wolle einen erheblichen Betrag als Anschubfinanzierung für die Umwandlung der Kirche St. Anton in Amern in eine Grabeskirche geben. Pastor Aymanns dementierte das gegenüber unserer Redaktion. Neben den Angeboten gebe es keine weiteren Dinge, die bei der Entscheidung berücksichtigt wurden.

Etliche Lüttelforster denken laut über einen Kirchenaustritt nach. Ria van de Flierdt-Bonsels vom Förderverein bat ums Gegenteil: "Lasst uns den Laden endlich von innen reformieren, nicht austreten."

Quelle: RP
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