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Kreis Viersen
Kinder lernen immer später schwimmen

Kreis Viersen: Kinder lernen immer später schwimmen
FOTO: Ahlen Heike
Kreis Viersen. Alarmierende Zahlen beim Sporttest des Kreissportbunds: Immer weniger Kinder können schwimmen — in Viersen fast die Hälfte der Zweitklässler. Eine Herausforderung für die Schulen Von Daniela Buschkamp und Sabine Janssen

Bei Erstklässlern können sich die Lehrer längst nicht mehr sicher sein, ob sich alle über Wasser halten können. Das gilt besonders in Viersen: Denn die Kreisstadt ist Spitzenreiter bei den Nichtschwimmern in den zweiten Klassen.

Das ist das Ergebnis eines Sporttests des Kreissportbundes. "24 Grundschulen des Kreises mit insgesamt 1100 Zweitklässlern haben acht Übungen zu ihren motorischen Fähigkeiten gemacht. Zugleich wurde die Schwimmfähigkeit abgefragt", erklärt Gregor Krolewski von der Nachwuchsförderung des Kreissportbunds. "Ich finde 28 Prozent Nichtschwimmerquote im Kreis noch zu hoch." Ursachenforschung habe man beim Kreissportbund nicht betrieben, aber im Zweifelsfall sei das auch ein politisches Argument, wenn mal wieder um Bäderschließungen gehe.

Beispiel Brüggen: Die Ergebnisse dieses Sporttests hat die Gemeinde Brüggen zum Anlass genommen, an ihren Grundschulen nachzufragen. An der Gemeinschaftsgrundschule Brüggen würden gut 58 Prozent der Erstklässler im Schwimmerbecken untergehen, an der Katholischen Grundschule in Bracht sind es 40 Prozent. In der Burggemeinde können gut 25 Prozent der Zweitklässler nicht schwimmen. Das bestätigt auch die Nachfrage bei den Schulen. Durch den konsequenten Schwimmunterricht sinkt in den dritten und vierten Klassen die Nichtschwimmerquote deutlich: Born gab für die Viertklässler fünf Prozent Nichtschwimmer an, für Bracht sind es zehn Prozent, für die Gemeinschaftsgrundschule Brüggen acht Prozent.

"Man hat den Eindruck, dass weniger Kinder als früher schwimmen können, wenn sie zu uns kommen. Früher brachten viele Eltern ihren Kindern das Schwimmen vorher bei", sagt Heinz Houbertz, Leiter der Katholischen Grundschule Bracht. Schwimmen bedeute Aufwand. Möglicherweise könnten viele berufstätige Eltern das nicht mehr leisten, mutmaßt Houbertz. Brüggen habe das Glück, zwei Hallenbäder zu haben. Allerdings sind in Brüggen die Wartezeiten für Schwimmkurse lang. Das bestätigt Andrea Rißdorf vom DRLG Brüggen-Bracht. "Die Bewegungsfähigkeit der Kinder hat insgesamt abgenommen", sagt Claudia Nölkes, Leiterin der katholischen Grundschule in Born. Seitdem der Einschulungsstichtag auf den 30. September verlegt wurde, würden die Kinder oft sehr jung eingeschult.

Alle drei Grundschulen in Brüggen setzen vier Jahre lang durchgängig Schwimmen auf den Stundenplan, in der Regel alle 14 Tage. Die Lehrer können Abzeichen wie Seepferdchen abnehmen. "Wir haben zum Glück keine weiten Wege. Das ist toll in Brüggen", sagt Nölkes. Noch besser haben es die Brachter. In ihrem Schulzentrum befindet sich ein Hallenbad. Das jedoch war wegen der Flüchtlingsunterbringung im Jahr 2015 nicht nutzbar. "Der Betrieb läuft jetzt wieder an", sagt Houbertz.

Beispiel Nettetal: Auch dort steht Schwimmen regelmäßig auf dem Stundenplan. "Wir haben in Breyell das Glück, noch das Lehrschwimmbecken nutzen zu können", sagt Horst Gerlach, Leiter der Gemeinschaftsgrundschule Breyell. Schwimmunterricht sei die härteste Arbeit. Durch die Flüchtlingskinder, die selten schwimmen könnten, werde die hohe Zahl der Nichtschwimmer weiter steigen. Gerlach hat Grund, optimistisch zu sein: Nach vier Jahren Grundschule können seine Schüler schwimmen - alle.

Quelle: RP
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