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Viersen
Kinder und Jugendliche besser fördern

Viersen. In mehr als 150 Gesprächen haben Sozialforscher mehr über die Angebote für Familien und deren Wünsche erfahren. Daraus sollen neue Vorschläge für die Innenstadt, Dülken und die "Berliner Höhe" entwickelt werden. Von Daniela Buschkamp

Die Stadt Viersen will in der Innenstadt, in Dülken und im Bereich "Berliner Höhe" neue Angebote einrichten, um Kindern und Jugendlichen bessere Perspektiven zu bieten. Dabei geht es um Familien, die zugewandert sind oder die Sozialhilfe beziehen. Noch im ersten Quartal 2016 will Manfred Wittmann vom Fachbereich Soziales und Wohnen einen Förderantrag für das NRW-Programm "Starke Quartiere, starke Menschen" stellen. Eine Möglichkeit: "Ehrenamtliche Paten", so Sozialforscher Timo Heyn.

Finanziert wurde der Forschungsauftrag aus dem Landes-Förderprogramm "NRW hält zusammen für ein Leben ohne Armut und Ausgrenzung", das ein Volumen von vier Millionen Euro umfasst. Zum Ziel des Programms sagt Wolfgang Kopal vom NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales: "Förderung soll nicht nach dem Gießkannen-Prinzip, sondern gezielt stattfinden." Bewilligt für Viersen wurden laut Brigitte Jansen vom Fachbereich Soziales etwa ein Nähworkshop und vier Maschinen, eine Wippe auf dem Spielplatz Junkerhütte, Übersetzung des "Handbuchs für Familien" und Pavillons für Feste für die "Berliner Höhe".

Timo Heyn, Mitarbeiter des Instituts "Empirica", hat mit Iris Fryczewski die Situation von Zuwanderern in den drei Quartieren analysiert. Ihre Frage: Genügen die vorhandenen Angebote? Dabei betrachteten sie unterschiedliche Lebensphasen der Familien - von der Schwangerschaft und Geburt bis zum Besuch der weiterführenden Schule. Dafür haben sie mit 60 Experten (etwa aus der Verwaltung und aus Einrichtungen wie Kitas) gesprochen sowie mit 95 Menschen, meist Müttern, aus den Quartieren.

Ein Ergebnis: "Das Netzwerk ,Frühe Hilfe' funktioniert", sagte Timo Heyn. Aber: Es sei erforderlich, die Familien "aktiv, wiederholt und zugehend" anzusprechen. Zudem sollten Angebote möglichst niederschwellig (keine Kosten, offen für jeden) sein. Um mehr Familien zu erreichen, schlägt er die "Einführung von Erzählcafés, den Ausbau eines Patennetzwerks oder kostenfreie Schnupperkurse für den Einstieg" vor. Wenn die Kinder älter werden, ändern sich die Probleme. So hat Heyn von "Machtlosigkeit bei der Schulempfehlung" erfahren: "Ein Platz auf der Gesamtschule ist wie ein Sechser im Lotto".

Engpässe sieht er in Viersen bei "OGS-Plätzen, bei der Hausaufgabenbetreuung und Sprachförderung sowie bei Freizeitangeboten für Jugendliche", Verbesserungen seien zu erreichen über die "bessere Einbindung von Eltern, mehr Prävention an den Schulen oder durch den Aufbau von Netzwerken". Generell seien für "Neu-Viersener" Bezugspersonen und Kontaktmöglichkeiten sehr wichtig. Ehrenamtliche Paten oder Lotsen im Wohnumfeld könnten dabei helfen. Während die Forscher für die Innenstadt "Günstige räumliche Voraussetzungen für gesellschaftliche Teilhabe" sahen, sei dies in Dülken wegen der fehlenden Angebote vor Ort schwierig - und erst recht am Stadtrand "Berliner Höhe". Hier müssten neue Veranstaltungen gestartet werden, etwa über das Familienzentrum.

Bereits jetzt gibt es Möglichkeiten für Kinder, Jugendliche und Eltern in den drei Quartieren: Sprachunterricht, Näh- und Kochkurse, Musikstunden im "atc@fe" in Dülken oder Vorlese-Tage für Kinder hat der Viersener Fotograf Richard Caelers in einer Dokumentation zusammengestellt. "Ich wollte möglichst authentische Eindrücke erhalten", sagt Caelers. Seine Fotos sind im Januar im Viersener Rathaus, danach in den Einrichtungen zu sehen.

Quelle: RP
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