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Serie Die Netteseen — Neu Entdeckt
Klein, aber idyllisch: die Kälberweide

Viersen. Das Gewässer am Alleenradweg hat nur vier Hektar Wasserfläche. In einer Serie stellt unsere Redaktion alle Netteseen vor Von Joachim Burghardt

Nettetal Der Silberreiher am Ufer schaut nicht auf, als Radfahrer laut palavernd über den Radweg strampeln; sie haben keinen Blick für das Kleinod, das nicht einmal alle Nettetaler kennen. Die Kälberweide ist zwar der kleinste unter den Netteseen, aber nicht minder reizvoll. Still und abgelegen, ja einsam, übt das Gewässer einen Sog aus, der ruhig werden und die Alltagshektik vergessen lässt: Innehalten, abschalten.

Die kleine Kälberweide, sie ist das große Missverständnis: Weil der Königsbach aus Kaldenkirchen die Kälberweide durchfließt und dann in den Großen Wittsee mündet, halten sie manche gar nicht für einen Nettesee. "Doch, alle Seen im Gewässersystem der Nette gehören zu den Netteseen", stellt Volker Dietl vom Netteverband klar. Sonst zählten ja auch Glabbacher und Hinsbecker Bruch nicht dazu, weil sie von der Renne durchflossen werden.

Wie die Seen gleichsam im Verbund zusammen gehören, erläutert Stefani Pleines von der Biologischen Station: "Von den Zuflüssen aus gelangen Pflanzen und Tiere in die Seen, und von dort aus auch in andere Zuflüsse." So haben Biologen messen können, wie schnell sich manche Wasserpflanzen ausbreiten, etwa von der Nette in den Wittsee, von da über den Königsbach in die Kälberweide.

Andere Untersuchungen ergaben: Vom Königsbach und wohl aus der umgrenzenden Landwirtschaft gelangen unerwünschte Nährstoffe in die Kälberweide.

Das längliche Gewässer am Alleenradweg bei Leuth-Busch hat nur knapp vier Hektar Wasserfläche aufzuweisen. Doch Schönheit bemisst sich nicht in Größe. Und Idylle schon gar nicht. An der einen Seite baumbestanden das Ufer mit Weidenbüschen und Wäldchen, seltener wachsen Sumpfsegge und Schwertlinie. Zum Radweg hin indes ist alles flach und grün: Eine Wiese reicht bis ans Ufer.

Das Naturschutzgebiet ist ein Paradies für Tiere: Die Nachtigall ist dort regelmäßig zu hören, Wiesel huschen durchs Gras, abends trauen sich Rehe aus dem Dickicht, Schilfradspinnen bauen ihre Netze, schon kurz vor der Dämmerung tummeln sich Fledermäuse über dem Wasser.

Frei zugänglich ist der See nicht, doch vom Rastplatz mit Bänken am Radweg lässt sic, besonders mit dem Fernglas eine lauschige Stimmung genießen.

Und: Es gibt noch einen Geheimtipp: An der Landstraße von Leuth nach Breyell steht ein paar Meter hinter der Kreuzung mit dem Radweg rechts am Ufer der Kälberweide im Gebüsch eine Bank. Von dort aus bietet sich den Betrachtern - wunderschön - der beste Blick über den kleinen See und auf den Silberreiher, der sich längst an palavernde Radfahrer gewöhnt zu haben scheint.

Quelle: RP
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