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Viersen
Klingende Präsente zum Valentinstag

Viersen: Klingende Präsente zum Valentinstag
Cembalist Harald Hoeren begleitete die aus Polen stammende Sopranistin Karolina Brachman punktgenau und zuverlässig. Etwas ungewohnt wirkten die ausdrucksvollen Armbewegungen der Sängerin. FOTO: Busch
Viersen. Ein Ensemble von "Concerto Royal" interpretierte in der Viersener Kreuzkirche Lieder über himmlische und irdische Liebe. Von Heide Oehmen

Das Kölner Ensemble "Concert Royal" - Echo Klassik-Preisträger 2015 -, das in variablen Besetzungen vom Duo bis zur vollen Orchesterstärke auftritt, bürgt stets für Qualität. Zum beachtlich gut besuchten "Konzert zum Valentinstag" in der evangelischen Kirche Viersen waren drei der auf historisch intonierte Aufführungspraxis spezialisierten Musiker aus Köln angereist: Die Oboistin Karla Schröter, die 1987 das auch um musikalische "Ausgrabungen" bemühte Ensemble gründete, die Sopranistin Karolina Brachman und der Cembalist Harald Hoeren.

Passend zum Valentinstag kündeten die vokalen Vorträge von himmlischer und irdischer Liebe. Dafür erwies sich Karolina Brachmann, die an der Kölner Musikhochschule bei der Alte Musik-Expertin Professor Barbara Schlick ausgebildet wurde, als erste Wahl. Ursprünglich war die Londonerin Hannah Medlam vorgesehen, doch auch ohne deren stimmliche Qualitäten zu kennen, ist zu konstatieren, dass die gebürtige Polin keineswegs lediglich als "Ersatz" gelten konnte. Bachmans ebenmäßiger, leuchtender und konsequent bruchlos geführter Sopran mit leichter Höhe und beachtlicher Ausweitung in den Mezzobereich (und der daraus resultierenden angenehm dunklen Stimmfärbung) war für die Liebeslieder jeglicher Couleur wie geschaffen. Ob in Alessandro Grandis (1575-1630) schwärmerischem "O quam tu pulchra es", Antonio Lottis (1666-1740) "Ti sento, o Dio benedato", in "Gott versorget unser Leben" aus der Kantate 187 ("Es wartet alles auf Dich") von Johann Sebastian Bach oder in Rezitativ und Arie "Phoebus eilt mit schnellen Pferden" aus der Kantate 202 ("Weichet nur, betrübte Schatten") - immer überzeugte die Sängerin durch ihre fesselnde, von intensivem Miterleben getragene Gestaltung. Etwas ungewohnt wirkten ihre ausdrucksvollen Armbewegungen - vielleicht sollten sie bei den Beiträgen in italienischer Sprache, deren deutsche Übersetzungen leider im Programmblatt nicht abgedruckt waren, den Inhalt verdeutlichen.

Karla Schröter, die erst nach einem Orgel- und Cembalostudium zur Barockoboe kam, beherrscht ihr nicht einfach zu handhabendes Instrument makellos - neigte aber zumindest an diesem Nachmittag zu einem teils übermäßig kraftvollen Spiel, sodass die Klangschönheit dieses wunderbaren Instrumentes leider nicht ausreichend zur Geltung kam. Bei den Vokalkompositionen mit obligater Oboe deckte sie sogar an einigen Stellen den Sopranpart zu.

Solistisch glänzte Schröder mit der Sonata F-Dur op.1 Nr.5 von Georg Friedrich Händel und der Sonata F-Dur des weitgehend vergessenen Niederländers Johann Georg Linike (ca.1680-1762), für dessen Wiederentdeckung sich "Concert Royal" mittels zahlreicher CD -Einspielungen einsetzt.

Am Cembalo mit dem aufgeklappten, innen kunstvoll bemalten Deckel musizierte Harald Hoeren - punktgenau, zuverlässig und ganz auf seine Mitstreiter fokussiert als Begleiter - brillant und musikantisch in den Solobeiträgen ("Amarilli" von Peter Philips (circa 1560 bis 1628) und Suite d-Moll HWV 437 von Georg Friedrich Händel).

Zum Schluss des animierenden Programms erklang die Händel-Kantate "Venus und Adonis" HWV 85 für Sopran, Oboe und Cembalo in der Kreuzkirche. Und da der Beifall nicht enden wollte, gab es noch einmal Händel als Valentinsgabe für das Publikum: die Deutsche Arie "Meine Seele hört im Sehen".

Quelle: RP
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