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Schwalmtal
Knatsch um Kohle für Kies

Schwalmtal: Knatsch um Kohle für Kies
In diesem Bereich möchte die Firma Sanders zukünftig Kies abbauen. Sie erwarb das "Pastorsfeld" von der Kirchengemeinde St. Matthias. FOTO: Busch
Schwalmtal. Die Pfarrei St. Matthias hat eines ihrer Grundstücke an das Unternehmen Sanders verkauft. Auf dem "Pastorsfeld" in Lüttelforst soll künftig Kies abgebaut werden. Das wollte die Bürgerstiftung verhindern Von Markus Plüm

Die St.-Jakobus-Kirche in Lüttelforst wurde im Jahr 1802 erbaut und steht auf der "roten Liste" des Bistums Aachen. Bedeutet: Die Kirche kann nur erhalten werden, wenn die Gemeinde St. Matthias dafür keine Kirchensteuermittel verwendet. Es besteht also der Druck, alternative Finanzierungsquellen zu finden.

Daher hat sich der Kirchenvorstand in seiner Sitzung am Montagabend dazu entschlossen, ein 2,5 Hektar großes Grundstück (Wert: ungefähr 170.000 Euro) am Pastorsfeld, etwa 500 Meter nordöstlich der Kirche in Lüttelforst gelegen, an das Tiefbauunternehmen Sanders zu verkaufen. Der kolportierte Kaufpreis liegt bei 400.000 Euro - Sanders möchte den bereits bestehenden Kiesabbau in Lüttelforst auf der neuen Fläche weiter vorantreiben.

Die Entscheidung sorgt bei der Bürgerstiftung Lüttelforst derweil für Unverständnis. Sie hatte dem Kirchenvorstand ebenfalls ein Angebot vorgelegt, um die Kirche zu erhalten und den Kiesabbau in Lüttelforst zu verhindern, um die Naturlandschaft nicht zu gefährden. "Wir haben unser Angebot am Montagabend eingereicht, haben ebenso 400.000 Euro geboten. Trotzdem hat sich der Kirchenvorstand für das andere Angebot entschieden", beklagt Alexander Kessels von der Bürgerstiftung. Die Stiftung habe sich im Dorf umgehört, über 90 Prozent der Anwohner hätten sich gegen einen Kiesabbau entschieden. "Der Pastor spaltet das Dorf. Warum? Das ist unverantwortlich", sagt Kessels.

"Wir haben uns die Entscheidung alles andere als leicht gemacht, aber letztlich mussten wir möglichst viel Geld für den Erhalt der Kirche erlösen", verteidigt Franz Vochsen, Vize-Vorsitzender des Kirchenvorstands, die Entscheidung. "Aber wir wollten auch möglichst die Interessen der Bürgerstiftung berücksichtigen." Daher habe man sich von Sanders zusichern lassen, dass das Grundstück nach Beendigung der Abbauarbeiten wieder in den Besitz der Pfarre übergeht. "Damit ist ausgeschlossen, dass der Kiesabbau künftig weiter westwärts wandert."

Das bestätigt Ralf Mocken, der das Projekt für die Firma Sanders betreut. Es sei aber noch zu früh, um schon absehen zu können, wann der Abbau startetd. "Der Beginn und die Dauer der Arbeiten werden von der entscheidenden Genehmigungsbehörde festgelegt."

Grundsätzlich ist auf dem Gemeindegebiet eine etwa 15 Hektar große Fläche für den Abbau von Kies vorgesehen. Dadurch dürfe die Gemeinde dort keine anderen Planungen vornehmen, die einem solchen Abbau entgegenstünden, wie Planungsamtsleiter Bernd Gather erklärt. Wer dort abbauen wolle, müsse dies allerdings beim Kreis beantragen.

Diese Gegebenheiten befeuern Kessels Sorgen. "Der Abbau rückt immer weiter in die Ortsmitte, der Wald wird vom Dorf aus nicht mehr erreichbar sein. Lärm und Staub werden die Lebensqualität erheblich mindern, vom Schwerlastverkehr ganz abgesehen."

Protest regt sich auch bereits in der Politik. "Eine Erweiterung des Kiesabbaus in Lüttelforst kommt für uns nicht in Frage. Gemeinsam mit den Bürgern werden wir alles Mögliche unternehmen, den Umweltraum in Lüttelforst zu erhalten und ihn nicht den wirtschaftlichen Interessen Einzelner zu opfern", sagt FDP-Vorsitzender Marco Mendorf. "Wir lehnen den Kiesabbau ab; befürchten eine Verödung der Landschaft", sagt Thomas Nieberding (Grüne). Und der SPD-Vorsitzende Marco Kuhn erklärte: "Auch wenn ich befürchte, dass sich die Gemeinde gegen diesen Schritt nicht mehr wehren kann, werden wir alles tun, um den Kiesabbau in Lüttelforst zu verhindern."

Quelle: RP
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