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Dures Kückemanns
Knoblauch

Viersen. Als mir das Zeugnis der Reife seinerzeit nicht mehr zu nehmen war, wurde ich, wie meine Klassenkameraden auch, übermütig. "Es nutzt nichts zu fliehen, Schulen gibt es überall", hatte unser Lateinlehrer bildungsmüden Mitschülern erklärt. Dabei entblößte er die obere Reihe seiner von Rothändle vergilbten Zähne. Es sah höhnisch aus. Wir revanchierten uns mit Abi-Streichen für jahrelange Knechtschaft. Das war die Zeit, als die Knoblauchknolle neu entdeckt wurde. Neben uns war eine türkische Familie eingezogen und hatte die Italiener ersetzt, die meiner Mutter noch das Kochen von Spaghetti und jener Tomatenpampe beigebracht hatten, die sie Sugo nannten. Einst galt sie als Geheimtipp gegen Vampire. Manche Jungfrau hielt sich durch reichlichen Genuss von Knoblauch am Abend die nachtaktiven Tierchen vom Halse. Den Liebhaber auch, was die Eltern wiederum erfreute. Heute wissen wir, dass Knoblauch selbst dem Fußpilz vorbeugt, wenn man ihn sich vor dem Besuch im Hallenbad zwischen die Zehen reibt. Von Hals bis Fuß - Knoblauch tut Gut's.

Überhaupt half Knoblauch gegen Ungemach aller Art. Als der Schulzahnarzt kam, gab es in der großen Pause vorher ein Gelage mit Bütterkes, reichlich mit älterem Knofi bestrichen. Selbst Vampire, die wie ein Krähenschwarm über uns hätten herfallen wollen, wären zurückgeprallt wie an einer unsichtbaren Mauer. Nun ja. Öko-Streiche sind out, die Jugend rüstet auf. In Mörderkostümen hauen sie sich die Schädel ein als äußeres Zeichen künftiger Elite. Sie hätten schon die Einschulung aus Gewissensgründen verweigern sollen.

Bis zum nächsten Mal

Quelle: RP
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