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Schwalmtal
Kolpingwerk aus Amern baut Standorte in Viersen und Dülken auf

Schwalmtal. Nach einem Probelauf am Berufsförderungszentrum öffnet das Kolpingwerk eine "Produktionsschule" für junge Leute, die ihren Weg noch suchen. Von Birgitta Ronge

Seit über 40 Jahren hilft das Berufsförderungszentrum (BFZ) des Kolpingbildungswerks in Amern jungen Leuten dabei, einen Weg in die Ausbildung oder ins Berufsleben zu finden. Jetzt baut das Kolpingbildungswerk zwei neue Standorte auf - einen in Dülken, einen in Viersen. In Dülken startet die "Produktionsschule" am 7. September. Sie bietet Platz für 40 Jugendliche und junge Erwachsene, die vom Jobcenter vermittelt werden. 26 Plätze sind schon belegt.

In der "Produktionsschule" sollen sie lernen, sich an eine Tagesstruktur zu gewöhnen, morgens pünktlich zu sein und gemeinsam durch die Arbeit etwas zu schaffen, worauf sie stolz sein können. "Die jungen Leute sollen lernen: ,Alles, was du tust, hat einen Wert. Und das ist wichtig für die Gesellschaft, für ein Miteinander", sagt Dorothea Dörfel, Leiterin des BFZ in Amern.

Extra Unterricht gibt es in der "Produktionsschule" nicht. Kenntnisse, die sonst vielleicht im Mathematikunterricht erworben werden, eignen sich die jungen Leute in Dülken praktisch während der Arbeit an. "Wer wissen will, wie viele Rollen Tapete er braucht, um ein Zimmer zu tapezieren, muss rechnen können", nennt Uwe Schummer ein Beispiel. Der CDU-Bundestagsabgeordnete ist Mitglied im Beirat des Kolpingbildungswerks. Er hat festgestellt: "Auch mit greifen kann man be-greifen."

Die "Produktionsschule" wendet sich an Jugendliche, die eine allgemeinbildende Schule ohne ausreichende Betriebs- oder Ausbildungsreife verlassen haben und die nicht anderweitig in eine berufsvorbereitende Maßnahme vermittelt werden können. Durch die Simulation von betriebsähnlichen Abläufen soll den jungen Leuten der Einstieg in den Ausbildungsmarkt gelingen.

Bei den "Produktionsschulen" handelt es sich um ein landesweites Projekt, das vom Ministerium für Arbeit, Soziales und Integration in Nordrhein-Westfalen und den Jobcentern gefördert wird. Für die "Produktionsschule" gab es in Amern ein Vorläuferprojekt, bevor Land und Jobcenter nun grünes Licht für den Start in Dülken gaben. Der Standortwechsel war notwendig, weil die Ausschreibung für die "Produktionsschule" die Stadt Viersen als Standort vorsah, so Dörfel. In Amern hätte die "Produktionsschule" also nicht öffnen können.

Die Schwerpunkte der Arbeit dort liegen in Bereichen, in denen das BFZ schon erprobt ist: im Umwelt- und Naturschutz - etwa, wenn die jungen Leute auf dem Landschaftshof Baarlo tätig wurden oder sich um Baumpflegearbeiten kümmerten - und in der Holzwerkstatt. In Amern entstanden dabei praktische Möbel aus alten Paletten, die gerade sehr gefragt sind. Unter anderem schufen die Jugendlichen eine Schaukelbank aus Paletten, eine "Inklusionsbank", die den Rollstuhlfahrer in die Mitte nimmt, und ein Hochbeet.

In Amern gibt es weiterhin berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen für benachteiligte Jugendliche, und zwar im Gartenbau, in der Hauswirtschaft, in der Metallwerkstatt und im Bereich Lager und Handel. Sie erhalten Förderunterricht und werden sozialpädagogisch betreut. In zehn bis zwölf Monaten sollen sie so fit werden, dass sie in eine Ausbildung vermittelt werden können.

Daneben gibt es eine Ausbildung zum Fachpraktiker Hauswirtschaft, wofür das Kolpingbildungswerk das alte Kolpinghaus in Viersen, in der Nähe des Bahnhofs, nutzen wird. Drei Jahre dauert die Ausbildung, Platz ist für acht Azubis. Sie sollen das Kolpinghaus wieder zum Leben erwecken - mit Angeboten für Kinder, Senioren und diejenigen, die lange auf einen Kegelabend dort gewartet haben.

Quelle: RP
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