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Kreis Viersen
Kommt das Aus für exotische Haustiere?

Kreis Viersen. Vorfälle mit gefährlichen Tieren wie Giftschlangen kamen im Kreis bis jetzt zwar nicht vor. Die NRW-Regierung will die Haltung von Gefahrtieren verbieten. Experten sehen den Entwurf aus Düsseldorf kritisch. Von Joachim Burghardt

Eine Kobra gefällig? Oder eine Klapperschlange? Ganz einfach: "Übers Internet kann man sogar an Giftschlangen kommen, die per Post geliefert werden", sagt der Nettetaler Reptilien-Experte und Züchter Rene Liedtke. Er warnt aber: "Vielfach werden die Tiere unsachgemäß gehalten und die Gefahren unterschätzt." Das Problem dabei: Handel und Haltung sogenannter Gefahrtiere sind kaum zu kontrollieren. Ein Gesetzentwurf der Landesregierung will das nun ändern und die private Haltung etwa von Gifttieren verbieten. Was manche Fachleute skeptisch bewerten.

Im Hausflur eine harmlose Kornnatter, am Seeufer eine große Schildkröte oder in einer kleinen Wohnung viele verwahrloste Echsen: Bei Funden von ausgebüxten, ausgesetzten oder allein gelassenen exotischen Tieren im Kreis Viersen rufen Polizei oder Behörden wie Ordnungsämter meist Rene Liedtke an. Sein Job: "Sicherstellung und Artenbestimmung, danach wird entschieden, wo das Tier hinkommt." Meist ist die Reptilienauffangstation für Nordrhein-Westfalen in Rheinberg das Ziel.

Abgesehen von bissigen Schnappschildkröten in Netteseen findet Liedtke, der auf der Expertenliste des Bundesumweltministeriums für Reptilien steht, meist harmlose Exoten vor: "Auf Gefahrtiere wie Giftschlangen sind wir in den vergangenen Jahren hier nicht gestoßen." Dieselben Erfahrungen hat man im Kreisveterinäramt gemacht, aus den vergangenen Jahren seien keine Vorfälle mit einem "gefährlichen Tier" bekannt. Glück gehabt, möchte man sagen, deuten doch Insider an, dass auch hier in der Region durchaus Privatleute Giftschlangen halten, aber ihr Hobby nicht an die große Glocke hängen oder ihrer Meldepflicht bei bestimmten Schlangenarten nicht nachkommen.

"Wir gehen von rund 80.000 Gefahrtieren in Deutschland aus", schätzen Experten wie Uwe Ringelhan, Leiter des Rheinberger Terrazoos mit Reptilien-Auffangstation. Darunter dürften so manche Giftschlangen sein: Nicht von ungefähr werden jährlich allein an Rhein und Ruhr bis zu einem Dutzend teils lebensgefährliche Bissunfälle registriert, oft verursacht durch unsachgemäße Tierhaltung von Privatleuten.

Solchen Vorfällen will die Landesregierung mit einem Gesetz einen Riegel vorschieben: Privatleute sollen keine gefährlichen Exoten wie Giftschlangen oder Krokodile halten dürfen. Ringelhan, der am Gesetzentwurf mitgearbeitet hat, sieht den Vorstoß indes durchaus kritisch: "Das Problem ist die Umsetzung." Ein grundsätzliches Verbot könne "private Tierhalter in die Illegalität treiben".

Auch aus dem Viersener Kreisveterinäramt sind Bedenken zu hören nach dem Motto: Mehr Bürokratie, Nutzen fraglich, "schwarze Schafe" unter den Tierhalten würden sich eh nicht daran halten.

Erfahrene Züchter und Experten setzen stattdessen auf eine Verschärfung der Haltungsbestimmungen. "Halter von Gefahrtieren müssen durch einen Sachkundenachweis mit praktischem Teil ihre Kompetenz belegen können", fordert beispielsweise Ringelhan; auch müsse eine Tierhalter-Versicherung Pflicht werden.

Ähnlich sieht das Liedtke: "Das neue Gesetz wäre das Aus für seriöse und engagierte Hobbyzüchter, aus deren Erfahrungen wir so manches über Reptilien und ihre Haltung wissen, das kann nicht der Sinn der Sache sein." Er setzt stattdessen auch auf Information und Aufklärung über Reptilien, hat etwa bei Vorträgen in Schulen und Kindergärten eine Schlange dabei: "Sich intensiv mit diesen interessanten und schönen Tieren zu beschäftigen, das macht einfach Freude."

Quelle: RP
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