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Brüggen
Kräutersammeln am Borner See

Brüggen: Kräutersammeln am Borner See
Marita Offermanns sammelt fast das ganze Jahr hindurch rund um den Borner See Kräuter. Mehrmals im Jahr kann man sie begleiten. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Brüggen. Es muss nicht immer alles aus dem Laden sein — direkt vor der Haustür wachsen beispielsweise etliche Kräuter. Wer eine Pflückanleitung braucht, dem hilft Marita Offermanns. Alles Nötige findet sie rund um den Borner See Von Emily Senf

Wer mit Marita Offermanns auf Tour geht, den erwartet eine Runde um den Borner See in Brüggen. "Eigentlich aber", sagt die Ernährungswissenschaftlerin, "könnten wir hier stehenbleiben und würden genug finden." Das "Hier" ist eine Wiese neben der Pfarrkirche St. Peter, bis zum See ist es nicht weit. Während der Laie nur Gras sieht, entdeckt die 61-Jährige auf Anhieb Klee, Schafgarbe, Löwenzahn, Gänseblümchen und Vogelmiere. Jetzt im Herbst blühen die Pflanzen nicht, "aber Kräuter findet man ganzjährig", sagt die Expertin.

Die 61 Jahre alte gebürtige Nettetalerin wohnt seit fast 25 Jahren unweit der Kirche und des Sees. Mehrmals im Jahr bietet sie Kräuterwanderungen direkt vor ihrer Haustür an, meist im April, Mai, Juni, September und Oktober. "Jeder Termin hat einen anderen Schwerpunkt, schließlich verändert sich die Natur ständig", sagt die Kräuterpädagogin. Für dieses Jahr ist sie mit den Wanderungen durch, erst im Frühjahr geht es weiter. Über mangelnde Anfragen kann sie sich nicht beklagen, die Teilnehmerzahl bewegt sich zwischen zehn und 25 Personen. Die meisten kommen aus der näheren Umgebung, andere aus Mönchengladbach oder Düsseldorf. Drei Stunden sind sie in der Regel unterwegs.

Marita Offermanns blickt auf die Gänseblümchen und sagt: "Heute bekommen wir schönes Wetter." Die Blüten wären sonst nicht aufgegangen. Man kann sie essen, aber auch die Blätter. "Wie Feldsalat", sagt die Expertin. An manchen der Pflanzen haben die weißen Blütenblätter rosafarbene Spitzen. "Das bedeutet, dass sie schon ein bisschen älter sind", erklärt Marita Offermanns.

Kurz vor dem See hält sie erneut an. Zwischen all dem Grün entdeckt sie entlang eines Zauns unter einem Baum Knoblauchsrauke, Giersch und Gundermann. Letzterer hat einen sehr herben Geschmack. "Mag nicht jeder", sagt Marita Offermanns. Mit einem Löffel voll Schokoladensplittern dabei schmecken die Blätter gleich ganz anders, ein bisschen nach Minze geradezu. "Man kann die Blätter auch gut direkt mit Schokolade bestreichen oder als Dekoration für ein Dessert nehmen", sagt Marita Offermanns. Giersch dient als Petersilienersatz. Sie weiß, wovon sie redet: 30 Jahre lang hat sie Kochkurse an der Volkshochschule gegeben, zudem in Breyell, Grefrath und Waldniel Senioren und Kinder am Herd und Backofen angeleitet.

Je mehr Sonne die Knoblauchsrauke abbekommt, desto mehr ätherische Öle bildet sie. Ihre Blätter verändern sich während des Wachstums und sind je nach Stadium für ungeübte Augen auch mal mit Gundermann zu verwechseln - zumindest um diese Jahreszeit. Im Frühjahr blüht die Knoblauchsrauke weiß, Gundermann violett. "Deswegen gebe ich meinen Teilnehmern auch immer den Tipp: Pflückt nur, was ihr wirklich kennt", betont die Ernährungswissenschaftlerin. Hingucken alleine reiche nicht immer. "Einfach dran reiben, dann riecht man, ob man die richtige Pflanze erwischt hat." Aber die Gefahr, dass man als Anfänger etwas Giftiges pflückt, sei groß. "Wenn man sich bei einer Sache unsicher ist, sollte man die Finger davon lassen", mahnt Marita Offermanns.

Entlang des Wegs um den Borner See wachsen an zahlreichen Stellen hohe Brennnesselbüsche. Die Pflanze zwickt gemäß ihres Namens nicht nur bei Hautkontakt, sondern ist auch vielseitig in der Küche einsetzbar, berichtet die Expertin: getrocknet für Tee oder zerkleinert als Kräutersalz etwa. Zudem könne man Brennnesseln beim Kochen und Backen wie Spinat einsetzen, sogar einfrieren (vorher kurz blanchieren), wenn man lange etwas davon haben möchte - oder damit Nudeln grün einfärben. Marita Offermanns röstet die Samen der Pflanze gerne in der Pfanne. "Die Nüsschen kann man in Salate, Müsli oder eine Quiche tun", sagt die 61-Jährige. Wer ihre Wanderung mitmacht, erhält am Ende eine ganze Reihe von Rezepten, ausgedruckt zum Mitnehmen.

Vorher macht die Gruppe aber noch am Patschelbrunnen für ein gemeinsames Picknick Halt. Marita Offermanns hat dafür meist Brötchen, Sauerteigbrot, Bratlinge oder Quiches mitgebracht, dazu Kräuterquark - natürlich alles selbst gemacht. "Bei mir geht es immer um den Genuss", sagt sie. "Es muss schmecken."

Wer weiter geht, entdeckt Hopfen, der sich einen Baumstamm hoch schlängelt, in Ufernähe aber noch im Wasser Pfefferminz sowie Spitzwegerich (der nach dem Kontakt mit einer Brennnessel lindert), Wiesen-Labkraut, Hagebutten, Brunnenkresse und Nelkenwurz. "Kräuterkunde ist ein traditionelles Wissen, das heute fast verlorengegangen ist", sagt Marita Offermanns bedauernd.

Sie selbst hatte immer einen Garten, das Interesse an Kräutern weckte ihr Opa. "Bei den meisten verändert sich das Bewusstsein für die Ernährung, wenn das erste Kind kommt", sagt sie. Die Kräuterexpertin verbindet mit ihren Wanderungen einen Wunsch: "Dass die Teilnehmer nicht mehr achtlos an den Pflanzen vorbeigehen, sondern entdecken, was die Natur ihnen vor der Nase bietet."

Quelle: RP
 
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