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Polizei ermittelt in Todesfall
Krebspatientin stirbt fünf Tage nach Behandlung in Bracht

Polizei ermittelt in Todesfall: Krebspatientin stirbt fünf Tage nach Behandlung in Bracht
Das alternative Heilzentrum in Brüggen-Bracht blieb am Montag vorläufig geschlossen. FOTO: Jungmann, G�nter
Brüggen-Bracht. Nach ihrer Behandlung in einem alternativen Heilzentrum in Bracht ist eine Niederländerin aus Nordbrabant in einem Krankenhaus in Mönchengladbach gestorben. Die Staatsanwaltschaft Krefeld ermittelt, ob es einen Zusammenhang mit dem Tod der 43-Jährigen gibt. Von Sabine Janssen und Heike Ahlen

An der Tür des Biologischen Krebszentrums in Bracht hing am Dienstag ein auf Englisch geschriebener Zettel: "Wegen unvorhergesehener Umstände bleibt die Praxis bis auf weiteres geschlossen. Ich entschuldige mich für die Unannehmlichkeiten." Ein Praxis- und ein Namensschild waren nicht vorhanden oder entfernt worden. Am 25. Juli hatte sich eine 43-jährige Niederländerin aus Aalburg wegen ihrer Brustkrebserkrankung bei dem alternativen Heilzentrum in Behandlung begeben. Am vergangenen Samstag, fünf Tage nach der Behandlung in Bracht, starb die Frau auf der Intensivstation eines Mönchengladbacher Krankenhauses. Nach Angaben der Polizei und Staatsanwaltschaft soll die Frau über Kopfschmerzen geklagt haben. Sie habe einen verwirrten Eindruck gemacht und sei später nicht mehr ansprechbar gewesen.

"Wollen niemanden in seiner beruflichen Existenz gefährden"

Info: Die wichtigsten Brustkrebs-Therapien FOTO: dpa, Patrick Seeger

Inzwischen hat die Staatsanwaltschaft Krefeld die Ermittlungen aufgenommen. "Ein kausaler Zusammenhang zwischen dem Tod der Patientin und der ambulanten Krebsbehandlung ist nicht erwiesen", sagte Marcel Dörschug, Sprecher der Staatsanwaltschaft, am Dienstag. "Wir wollen niemanden in seiner beruflichen Existenz gefährden, aber wir sehen uns gezwungen, präventiv zu arbeiten." Die Frau stammt nach Informationen niederländischer Medien aus Aalburg in Nordbrabant. Die Gemeinde Aalburg hat inzwischen einen Nachruf auf ihre verstorbene Mitarbeiterin veröffentlicht. Die 43-Jährige war demnach im Finanzamt tätig. Sie hinterlässt einen Mann und zwei Kinder. Am 13. Juli hatte sie via Facebook nachgefragt, wer bei der "Brachter Klinik" in Behandlung sei und andere Patienten um Erfahrungsberichte gebeten.

"Am Anfang der Ermittlungen"

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Die 43-Jährige soll nach Informationen unserer Redaktion unter anderem mit 3-Bromopyruvat (3BP) behandelt worden sein. 3BP gilt als Wirkstoff, der den Energiestoffwechsel in den Tumorzellen hemmen soll. Das alternative Heilzentrum wird vor allem von austherapierten niederländischen Krebspatienten aufgesucht. Es ist seit August 2015 in Bracht niedergelassen. Auf der Internet-Homepage des Zentrums, die auf Niederländisch verfasst ist, heißt es: "Krebs behandeln. Effektiv und hundert Prozent biologisch!" Als alternativ-medizinische Behandlungsmethoden werden die Immun-, Bio-Resonanz-, Sauerstoff- und Cranio-Sacral-Therapie aufgeführt sowie Methoden des Biochemikers Dr. Warburg, die sich mit dem Stoffwechsel der Krebszelle beschäftigen.

In der Preisliste auf der Homepage wird für eine vollständige Krebsbehandlung von zehn Wochen ein Preis von 9900 Euro veranschlagt. Auf der Homepage begründen die Betreiber auch, warum sich ihre Praxis in Deutschland nahe der niederländischen Grenze befindet: Die alternative Heilkunde werde in den Niederlanden stark reglementiert. Bei niederländischen Ärzten würden die besagten Behandlungsmethoden meist nicht angeboten.

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"Wir befinden uns erst am Anfang der Ermittlungen", sagte der Sprecher der Krefelder Staatsanwaltschaft. "Wir wissen nicht, ob die Frau vor der ambulanten Behandlung in Bracht beispielsweise eine Einwilligungserklärung abgegeben hat." Darüber hinaus müsse man nun erst das Ergebnis der Obduktion abwarten. Unklar bleibt bislang, warum die 43-Jährige sich in ein Mönchengladbacher Krankenhaus begab. Darüber hinaus soll der Vorgang bereits am Freitag – vor dem Tod der Patientin – per Eildienst bei der Staatsanwaltschaft eingegangen sein.

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