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Fahrlässige Tötung von Krebspatienten
Staatsanwaltschaft klagt Brüggener Heilpraktiker an

Krebszentrum in Brüggen: Heilpraktiker wegen fahrlässiger Tötung angeklagt
Das Krebszentrum in Brüggen-Bracht (Archivbild). FOTO: Jungmann, G�nter
Brüggen. Vor knapp zwei Jahren starben mehrere Patienten eines Brüggener Heilpraktikers. Nun hat die Staatsanwaltschaft Krefeld Anklage gegen ihn erhoben - unter anderem wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen. Der Beschuldigte soll überdosierte Infusionslösungen verabreicht haben. Von Martin Röse

Im Juli 2016 waren drei Patienten des 61-jährigen Heilpraktikers innerhalb weniger Tage gestorben. Die Staatsanwaltschaft legt dem Beschuldigten zur Last, in seiner Praxis in Brüggen erheblich überdosierte Infusionslösungen mit dem Wirkstoff 3-Bromopyruvat hergestellt zu haben. Sie sollen die korrekte Dosis um das Drei- bis Sechsfache überstiegen haben. "Die infolgedessen in ihrer Qualität erheblich geminderten Arzneimittel verabreichte er sodann intravenös den vier Patienten, woraufhin drei von ihnen in der Folgezeit starben", heißt es in einer Erklärung der Staatsanwaltschaft.

Nach dem Ergebnis der aufwendigen und in enger Kooperation mit den niederländischen Strafverfolgungsbehörden und verschiedenen rechtsmedizinischen in- und ausländischen Instituten geführten Ermittlungen nutzte der Beschuldigte zur Zubereitung der Infusionslösungen eine für diesen Zweck ungeeignete Waage. Darüber hinaus hatte er keinerlei Kontrollmechanismen vorgesehen oder geschaffen, um die von ihm eingewogene, auf das Körpergewicht und die Konstitution des Patienten individuell abgestimmte Dosierung des Wirkstoffs 3-Bromopyruvat zu überprüfen. Hierzu wäre er jedoch verpflichtet gewesen, erklärte die Staatsanwaltschaft.

Wirkstoff 3-BP nicht grundsätzlich verboten

Die Herstellung und die Verabreichung des noch nicht weitergehend oder gar abschließend erforschten Wirkstoffs 3-BP waren dem Beschuldigten im Rahmen seiner Tätigkeit als Heilpraktiker nicht grundsätzlich verboten. Allerdings ist bei ihrer Verabreichung eine besondere Sorgfalt erforderlich, weil bereits eine geringe Überdosierung zu erheblichen und potentiell letalen Nebenwirkungen führen kann. Die Substanz durchbricht bei Dosierungen über dem 4,5-fachen der therapeutisch möglicherweise wirksamen Menge die Blut-Hirn-Schranke und wirkt unmittelbar im menschlichen Gehirn. 3-Bromopyruvat greift dabei den Zellstoffwechsel und die Zellatmung an, wodurch Gehirnzellen absterben.

"Diese Wirkungsmechanismen und die sich daraus ergebenden organischen Folgen sind auch rechtsmedizinisch nachweisbar todesursächlich bei den drei gestorbenen Patienten gewesen", so die Staatsanwaltschaft.

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Obgleich der Beschuldigte die ungeeignete Waage bereits seit April 2016 verwendet hatte, ergaben die Ermittlungen keine Hinweise auf vergleichbare Fälle im gesundheitlichen Verlauf bei anderen Patienten des Heilpraktikers. "Daher besteht kein Anlass zur der Annahme, dass weitere Patienten des Beschuldigten durch eine Überdosierung des Wirkstoffs 3-Bromopyruvat gesundheitlichen Schaden genommen haben könnten."

 
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