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Kreis Viersen
Tischler wollen immer noch viele lernen

Kreis Viersen: Tischler wollen immer noch viele lernen
Obermeister Robert Hellmann gratulierte bei der Lossprechung der Tischler besonders Sarah Trienes, die Jahresbeste im Kreis wurde. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Kreis Viersen. 22 bisherige Lehrlinge im Handwerk wurden jetzt von ihren Pflichten losgesprochen. Sie alle haben ihr Gesellenstück gemacht. Sarah Trienes wurde Jahresbeste, und Alexander Czapla gewann den Wettbewerb "Die gute Form". Von Gregor Anders

Sie war die einzige Frau in ihrem Tischler-Jahrgang - und erzielte das Top-Ergebnis: Sarah Trienes ist die jahresbeste Tischlerin im Kreis Viersen. Alexander Czapla gewann den traditionellen Wettbewerb "Die gute Form".

22 bisherige Auszubildende im Tischlerhandwerk feierten mit der Tischler-Innung Kreis Viersen den erfolgreichen Abschluss ihrer Lehrzeit. Obermeister Robert Hellmann erhob sie offiziell in den Gesellenstand. Den Lobbericher freute besonders, dass er Sarah Trienes als Jahresbeste auszeichnen konnte.

Alexander Czapla gewann im Wettbewerb "Die gute Form". FOTO: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Die 22-Jährige lernte bei der Tischlerei Orths in Dülken. "Ich wollte nach dem Abitur etwas Praktisches machen und habe mich für die Tischlerei entschieden", berichtete sie. Dabei bleibt es aber nicht. Denn demnächst will sie Bauingenieurwesen studieren. Als Gesellenstück fertigte die Nettetalerin ein Dielenmöbel aus Ahorn und Nussbaum mit zahlreichen Schubkästen und einer Sitzbank. "Ideal, um Schuhe anzuziehen", lachte sie bei der Vorstellung und fügte hinzu: "Ich besitze nur zehn bis zwölf Paar, das ist nicht unbedingt typisch."

Nicht typisch war auch der Werdegang von Alexander Czapla. Der 28-Jährige hatte zunächst ein Studium zum Wirtschaftsingenieur begonnen und später mit behinderten Menschen gearbeitet, bevor er die Tischlerlehre im Betrieb von Roland Ehlen in Viersen absolvierte. Er hatte dort ein klares Ziel: "Ich möchte in einer Schreinerei für Menschen mit Behinderungen arbeiten", sagt der Neu-Viersener. Mit seinem Gesellenstück, einem Steh-Arbeitsplatz, gewann er den Wettbewerb "Die gute Form". Dabei beurteilte eine Jury die Stücke der jungen Handwerker unabhängig von den Kriterien zum Bestehen der Gesellenprüfung vor allem nach dem Design. Den Steharbeitsplatz mit einem liegenden und einem stehenden Korpus aus furnierter Eiche, einem Fuß aus Edelstahl und lichtgrauen Platten hat Czapla für sich selbst gefertigt. "Ich sitze nicht gerne stundenlang und bin immer in Bewegung", erzählte er.

Das Tischlerhandwerk gehöre zu den zehn Berufen mit den meisten Auszubildenden, sagte der Bundestagsabgeordnete Uwe Schummer (CDU) in der Festrede. Im Handwerk liege die Ausbildungsquote bei acht Prozent - "doppelt so hoch wie in der übrigen Wirtschaft". Schummer wies darauf hin, dass die duale Berufsausbildung und die akademische Bildung gleichwertig seien: "Der Meister im Handwerk steht im europäischen Qualifikationsrahmen auf der selben Stufe wie der Bachelor", betonte er. Dass Deutschland mit sieben Prozent mit Abstand die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit in Europa habe, sei vor allem ein Verdienst der dualen Ausbildung in Betrieb und Berufsschule: "In Schweden wurde die duale Berufsausbildung vor 20 Jahren abgeschafft, seitdem hat sich die Jugendarbeitslosigkeit dort verdoppelt."

Bei den jungen Tischlern aus dem Westen des Kreises Viersen belegte Martin Bongartz aus Schwalmtal (Ausbildungsbetrieb: Lorenz Hubert) hinter Sarah Trienes den zweiten und Sven Goertz aus Brüggen (Anton Thelen GmbH, Nettetal) den dritten Platz. Im Wettbewerb "Die gute Form" wurde Nico Hamann aus Viersen (Fa. Bernd Fimmers, Viersen) Zweiter und Nick Willebrands aus Düsseldorf (Markus Mielke Innendesign GmbH) Dritter. Eine Belobigung erhielt Gianluca Antonio Parisi aus Tönisvorst (Fa. Christian Kohnen und Matthias Kohnen).

Darüber hinaus wurden losgesprochen aus Viersen Tobias Schumacher (Fa. Heribert Hendricks), Sebastian Sieps (Tischlerei Stappen GmbH & Co. KG), aus Schwalmtal Kilian Winden (Orths GmbH & Co. KG, Viersen), aus Nettetal Rene Fegers (Camps GmbH, Grefrath), Robin Kremp (Orths GmbH & Co. KG, Viersen), Pascal Sötje (Fa. Ursula Erkes-Jansen, Viersen), aus Kempen Lukas Janz (Fa. Heinz-Peter Gerhards, Brüggen) sowie aus Brüggen Florian Bartholomei (Fa. Bernd Schrörs) und Raphael Hackenberg (Fa. Herbert Lamp und Sascha Lamp, Niederkrüchten).

Quelle: RP
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