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Kreis Viersen
Kreis würdigt vielfältige Integrationsarbeit

Kreis Viersen: Kreis würdigt vielfältige Integrationsarbeit
In Grefrath überreichten die Jurymitglieder die Integrationspreise des Kreises Viersen an Eckhard Klausmann (links mit Urkunde) und Erich Giebmanns (rechts mit Urkunde). Dr. Michael Stoffels hatte auf die Annahme des Preises verzichtet. FOTO: Kaiser
Kreis Viersen. Mit Erich Giebmanns und Eckhard Klausmann wurden Helfer ausgezeichnet, die sich für Nachwuchs aus Flüchtlingsfamilien einsetzen. Von Bianca Treffer

Die Rührung war Erich Giebmanns anzusehen, als Kreissozialdezernent Ingo Schabrich ihm die Urkunde des Integrationspreises 2016 verlieh. Dem Geschäftsführer von Blau-Weiß Concordia Viersen fehlten die Worte, als er die Auszeichnung für den ersten Preis in den Händen hielt. Und Worte findet der Viersener normalerweise immer. Besonders, wenn er sich für den Fußball einsetzt und ganz besonders für jugendliche Flüchtlinge.

"Es sind die Menschen, die einfach etwas anfangen und erledigen aus Wertschätzung vor anderen Menschen. Erich Giebmanns ist einer davon. Er leistet viel Unterstützungsarbeit und nimmt sich der Dinge an", hob Schabrich in seiner Laudatio hervor. Bei einer Feierstunde im Eingangsgebäude des Grefrather Freilichtmuseums wurde der Viersener jetzt mit dem Integrationspreis des Kreises Viersen ausgezeichnet.

Erich Giebmanns kümmert sich um jugendliche Flüchtlinge aus unterschiedlichen Herkunftsländern. Er integriert die jungen Menschen in den Fußballverein Blau-Weiß Concordia Viersen und kümmert sich um die Spielerpässe für sie. Sein Engagement reicht aber auch weit über den Fußball hinaus. Ob Begleitung zur Ausländerbehörde, Vermittlung von Praktikumsstellen oder die Unterstützung im schulischen Alltag, wie unter anderem die Möglichkeit der Teilnahme an einer Klassenfahrt - Giebmanns leistet Basisarbeit auf verschiedenen Ebenen.

Das gilt auch für Eckhard Klausmann, der als Drittplatzierter ebenfalls mit dem Integrationspreis gewürdigt wurde. "Wenn es mir gut geht, dann kann ich auch dafür sorgen, dass es anderen etwas besser geht", sagte Klausmann zu seiner Motivation. Diese Aussage ist ein Leitspruch des Oedters, der sich vor eineinhalb Jahren eher durch einen Zufall in die Flüchtlingsarbeit einbrachte. Klausmann organisierte damals einen Ausflug für die Kinder der Grefrather Tafel. Darunter waren auch Flüchtlingskinder.

Ihre besondere Lage motivierte Klausmann, an einer Sitzung des "Runden Tisches Asyl" in Grefrath teilzunehmen. Dort fasste er den Entschluss: "Schluss mit Quatschen, Selbermachen, Anpacken", beschrieb es Bernd Bedronka in seiner Laudatio. Der Oedter gründete die Gruppe "Zu Gast bei Freunden". Gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlern rief er einen Betreuungsdienst und den so genannten Kleinen Samstag ins Leben. Bei Letzterem handelt es sich um eine Betreuung von Flüchtlingskindern in Oedt. Ehrenamtler spielen und basteln mit den Mädchen und Jungen, die dabei gleichzeitig Deutsch lernen. Ob die Verschönerung der Flüchtlingsunterkunft, das Begegnungsfest, die Nähstube, die Koordination von Deutschkursen oder die Fahrradaktion - Klausmann ist überall anzutreffen. "Eckhard Klausmann ist der Motor dieser Aktivitäten, manchmal auch die Zündkerze und der Treibstoff, immer der mitmachende Begleiter", lobte Bedronka.

Wie wichtig gerade der Einsatz für geflüchtete Kinder und Jugendlichen ist, verdeutlichte Professorin Dr. Veronika Fischer, Erziehungswissenschaftlerin der Hochschule Düsseldorf. Sie sprach etwa von der Traumatisierung dieser jungen Menschen und den Schwierigkeiten, Zugang zum Bildungssystem zu erhalten. "Das Ehrenamt ist eine wichtige Ergänzung zu der professionellen Betreuung, die geleistet wird. Dabei ist es wichtig, dass Ehrenamtler auch Unterstützung und Fortbildung erhalten", so Fischer.

Viersens Landrat Dr. Andreas Coenen betonte, dass gerade die Gruppe der Kinder und Jugendlichen am schutzbedürftigsten sei. "Welche Spuren hinterlässt die Flucht bei ihnen? Wie mag es ihnen gehen, wenn sie - allein auf sich gestellt - unterwegs sind?", stellte er als Fragen in den Raum. Politikwissenschaftler Professor Dr. Klaus-Peter Hufer erinnerte daran, dass der siebenköpfigen Jury die Entscheidung nicht leicht gefallen sei. "Wir hatten zwölf Bewerber, die alle hervorragende und außerordentliche Arbeit in diesem Bereich leisten", sagte Hufer, der zur Jury gehörte.

Quelle: RP
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