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Niederkrüchten
Kunsthandwerk neu entdeckt

Niederkrüchten. Klöpplerin Marlene Spaetgens bringt in einem Kurs interessierten Handarbeitern die Kunst der feinen Spitzen bei. In der Gemeindebibliothek in Elmpt zeigte sie, wie die Spitze entsteht. Von Beate Wyglenda

Es ist ein ebenso vielfältiges wie altes Kunsthandwerk: Vor rund 500 Jahren wurde das Klöppeln zum Verzieren von Kleidung in Italien erfunden. Bald darauf feierte die Handarbeit auch in Deutschland seinen Siegeszug. Allen voran im Erzgebirge entwickelte sie sich zu einer identitätsstiftenden Volkskunst. "Heute ist das Klöppeln jedoch ein vergessenes Kunsthandwerk", sagt Marlene Spaetgens. "Und genau dies versuche ich zu ändern." Ab Januar bietet die passionierte Spitzenklöpplerin in der Gemeindebibliothek Niederkrüchten einen neuen Klöppelkurs an. Alle 14 Tage donnerstags bringt sie interessierten Neulingen, aber auch Fortgeschrittenen, die filigrane Handwerkskunst näher. Beim sogenannten Schauklöppeln zeigte sie schon vorab die Vielgestalt der feinen Spitzen.

Spaetgens selbst klöppelt bereits seit 23 Jahren. "Ich habe viele Handarbeiten ausprobiert, ich habe gestrickt, gehäkelt und gestickt", sagt sie. "Doch kein Kunsthandwerk ist so vielfältig wie das Klöppeln." Insgesamt 40 Klöppeltechniken gibt es. Und diese unterscheiden sich nochmals nach historischer Entwicklung und Klöppelregion. Unerschöpflich sind zudem die Ideen, die sich aus jeder Spitzenart fertigen lassen. "Das Schöne am Klöppeln ist, dass man noch nach zig Jahren neue Einfälle hat", sagt Spaetgens. "Klöppeln ist eine Technik, die man in drei Leben nicht auslernen kann."

Die Grundlagen zu lernen sei dagegen nicht schwierig, ergänzt die Hobbyklöpplerin. "Als ich die Klöppelspitzen auf einem Folkloremarkt erstmals sah, habe ich es auch für unmöglich gehalten, das irgendwann mal selber zu können", erzählt Spaetgens. "Letztlich kann aber wirklich jeder, der ein bisschen Ausdauer und Geduld mitbringt, dieses Kunsthandwerk erlernen." Zum Beweis zeigt sie eine Kreation ihres neunjährigen Enkels Julian. Es ist ein kunstvoll gefertigtes Herz, von dessen Rändern aus feinste Spitzenelemente im Paisleymuster ins Innere führen. "Gleich wie kompliziert die Spitzen auch aussehen, alle entstehen aus den gleichen drei Grundschlägen", erklärt Spaetgens und demonstriert diese auf ihrem Flachkissen.

Auf dem Kissen liegt der sogenannte Klöppelbrief, die Anleitung, nach dessen Muster das Objekt geklöppelt wird. Der Brief ist an der Oberkante mit Stecknadeln befestigt. An jeder Stecknadel hängen zwei mit Garn umwickelte Holzklöppel. "Es arbeiten immer zwei Paare miteinander", erklärt Spaetgens. "Die hängenden Paare werden Risspaare genannt, das arbeitende Paar ist das Laufpaar, das stets von links nach rechts durch die Risspaare und wieder zurück geführt wird." Der Lauf durch die Risspaare unterscheidet sich nun nach drei Grundschlägen: dem Leinenschlag, eine Folge aus kreuzen-drehen-kreuzen, dem Ganzschlag (drehen-kreuzen-drehen-kreuzen) und Halbschlag (drehen-kreuzen). "Aus der Kombination dieser drei Grundschläge lassen sich alle Spitzenmuster herstellen", verdeutlicht Spaetgens. "Wer den Kniff da einmal raus hat, kann seiner Kreativität freien Lauf lassen."

Dies sei etwa nach drei bis vier Kursstunden der Fall, ergänzt die Spitzenklöpplerin. Generell wird aber auf jeden Kursteilnehmer individuell eingegangen. "Deshalb ist es möglich, jederzeit in den Kurs einzusteigen", sagt Spaetgens. "Es sind Kinder wie Erwachsene, Anfänger und Fortgeschrittene willkommen."

Sind die Basiskenntnisse verinnerlicht, widmet sich jeder Teilnehmer seinen persönlichen Lieblings-Klöppelarten und Wunschprojekten. Birgit Sievers etwa arbeitet derzeit an weihnachtlichen Schmuckstücken für den Christbaum. Zarte Glöckchen und filigrane Kugeln aus Duchesse-Spitze sollen den Heiligabend noch verschönern. Rund drei bis vier Stunden sitzt Sievers an einem Objekt. Das Ergebnis ist es ihr aber wert. "Geklöppelte Sachen sind etwas Besonderes", sagt sie. "So etwas macht eben nicht jeder. Außerdem ist jedes Stück ein Unikat."

Das kann Sylvia Schirmacher bestätigen. Nach zahllosen Stunden an ihrem aufwendig verzierten Kragen, freut sie sich nun, ihn zum Fest zu tragen. "Ich fand geklöppelte Sachen schon immer schön", erklärt sie. Um das Handwerk zu lernen, kaufte sie sich gleich mehrere Bücher. Ohne einen Kurs, so sind sich beide Frauen einig, sei dies allerdings schwierig. "Es gibt immer eine Stelle, an der man alleine nicht weiterkommt", sagt Sievers. Zudem sei die Arbeit in der Gruppe geselliger. "Beim nächsten Kurs sind wir wieder dabei", betonen sie.

Quelle: RP
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