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Brüggen
Kurzweilige Musikstunde mit Jürgen Becker

Brüggen. "Mitternachtsspitzen"-Gastgeber Jürgen Becker, Martin Stankowski und die Bläser-Formation "Talking Horns" boten in der Burggemeindehalle ein satirisch-musikalisches Programm. Von Dieter Mai

IS und Pegida, Katholiken wie Protestanten und die Karnevalisten sowieso - bei Jürgen Becker und Martin Stankowski bekamen sie alle ihr Fett weg. Kabarettist Becker und Journalist Stankowski schlugen die Brücke vom römischen Reich bis zur aktuellen Flüchtlingssituation, von Limes bis Frontex. Zwischen satirischen Seitenhieben auf Konsumterror und rheinische Befindlichkeiten wurde immer wieder auch klar Stellung bezogen, etwa zum derzeit so kontrovers diskutierten Flüchtlingsthema: "Wir brauchen die Mischung der Kulturen!" Allzu besinnlich drohte es an diesem Abend ohnehin nie zu werden in der gut besuchten Brüggener Burggemeindehalle. Dafür waren die vom vorzüglichen Bläserquartett "Talking Horns" vorgetragenen Variationen und Interpretationen weihnachtlichen Liedguts viel zu funky, groovy und jazzy. Wie die Wortbeiträge war dabei auch das Musikprogramm mal unterhaltsam, mal ausgesprochen lehrreich. Oder wussten Sie, dass die bei uns als "Oh Tannenbaum" populäre Melodie zugleich die Hymne der britischen Labour Party wie auch diejenige des US-amerikanischen Bundesstaates Maryland ist?

Mit derlei mitunter verblüffenden Querverweisen warteten Becker und Stankowski immer wieder auf und machten ihre kabarettistisch-musikalische Advents-Revue "Why Nachten?" so zu einem kurzweiligen kulturhistorischen Lehrstück. Hartgesottene Weihnachtsfans bekamen dabei durchaus die ein oder andere Kröte zu schlucken. Das feierlichste Fest des Jahres - eine schnöde römische Marketing-Idee zur Überbrückung des winterlichen Eventvakuums, dazu noch festgemacht an ganz und gar unchristlichen Gedenktagen der germanischen Mythologie? Stierhoden als modisches Accessoire an der Bischofsmütze? Angesichts derartiger Ungeheuerlichkeiten kamen da dem ein oder anderen Besucher die immer wieder eingestreuten Intermezzi der "Talking Horns" nur recht. Auch weil diese nicht immer und um jeden Preis nur originell sein wollten, sondern hin und wieder ganz einfach dem schönen Klang frönten. Ob Barockes von Praetorius, eine gefühlvolle Souljazz-Nummer oder eine 1970er-Jahre-Pop-Ballade - die vier Musiker trafen stets den richtigen Ton. Sogar der mitunter ausgesprochen scharfzüngig agierende Gastgeber Jürgen Becker ließ bisweilen Gnade walten. Am Ende fand er neben allem satirischen Anprangern gesellschaftlicher Missstände sogar die Zeit, mit den dankbaren Brüggenern ganz und gar unironisch gemeinsam ein Weihnachtslied zu singen.

Quelle: RP
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