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Viersen
Längere Wege zum Einkaufen in der City

Viersen. Mit "Kaiser's" schließt ein Supermarkt an der Hauptstraße. Für die dortigen Händler fehlt ein Frequenzbringer, für ältere Kunden in der Umgebung fällt ein fußläufiges Lebensmittelangebot weg - vorläufig Von Daniela Buschkamp

Mitte September schließt Kaiser's Tengelmann eine seiner drei Filialen in Viersen. An der Hauptstraße fällt nach 46 Jahren ein Nahversorger weg. Als einen Grund nannte das Unternehmen das Auslaufen des Mietvertrags. Gerade für Senioren, die in der Umgebung wohnen, ein Problem, meint etwa die Viersenerin Heidemarie Martens-Pitz: "Damit werden die Wege zum Einkaufen weiter, insbesondere für Ältere."

Lydia Classen kann dies bestätigen: "Wo gehen die Senioren künftig hin?", fragt die Viersenerin. "Noch neulich habe ich vier ältere Damen mit Rollator bei Kaiser's an der Kasse gesehen." In unmittelbarer Nähe der Hauptstraße gebe es ein Angebot für Betreutes Wohnen; viele Ältere seien froh, wenn sie in der Innenstadt wohnen würden und damit kurze Wege zum Einkauf oder zum Arzt hätten. "Für sie wird es schwierig", meint Classen. Sie, die mit Ehemann Jo ein Juweliergeschäft an der Hauptstraße führt, schätzt ein Lebensmittelangebot zudem als Frequenzbringer. "Für die Innenstadt ist ein Supermarkt wichtig", sagt Classen. Dieser würde regelmäßig Kunden in die City bringen.

Ein Nahversorger ist als Kundenmagnet unverzichtbar - das sieht auch Winfried Tackenberg, Vorstandsmitglied der Interessen- und Standortgemeinschaft (ISG) Nordstadt, so. Er befürchtet, dass sich "die Lebensmittelversorgung in der Innenstadt langfristig verschlechtern könnte."

Die dadurch fehlenden Passanten hätten dann auch negative Auswirkungen auf andere Branchen, meint Tackenberg.

Weniger Passanten bedeuten auch weniger Kunden - die wandern oftmals ins Internet ab. Dass der stationäre Einzelhandel in deutschen Innenstädten unverändert an Zugkraft verliert, zeigt eine aktuelle Umfrage des Handelsverbands HDE. Demnach würden 70 Prozent der Einzelhändler über Umsatzeinbußen klagen - besonders betroffen seien diejenigen in den Branchen Mode und Schuhe. Gerade sie würden die Kunden an das Internet verlieren.

An dem Gerücht, dass die "Netto"-Filiale an der Hauptstraße 132 ebenfalls schließen würde, ist nichts dran. Im Gegenteil. Zwar wird die Zweigstelle in der Zeit von Dienstag, 19., bis Dienstag, 26. April geschlossen - allerdings für eine Modernisierung. Dabei soll der Markt an Standards von Technik und Nachhaltigkeit angepasst werden; zudem soll die Filiale zukünftig dem üblichen "Netto"-Erscheinungsbild gleichen..

Wer Lebensmittel einkaufen will, sollte künftig auch die Brüsseler Straße im Bereich hinter der Bahnlinie ins Auge fassen: Dort plant Edeka, das im Herbst vergangenen Jahres in Viersen-Dülken am Kesselsturm einen Markt eröffnet hatte, eine weitere Filiale. Dies bestätigte ein Mitarbeiter des Unternehmens: "Wir haben Interesse", erklärte er auf Anfrage. Über die Größe des neuen Standorts und Bauzeiten wollte er zum jetzigen Zeitpunkt noch keine detaillierten Angaben machen.

Quelle: RP
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