| 00.00 Uhr

Niederkrüchten
Land stellt Security für Unterkunft

Niederkrüchten: Land stellt Security für Unterkunft
Niederkrüchten. In knapp zwei Wochen werden die ersten Flüchtlinge in der Notunterkunft am früheren Flughafengelände in Elmpt ankommen. Regierungspräsidentin Lütkes und die Verwaltung beantworteten Fragen zu Sicherheit und Belegung. Von Jochen Smeets

Beim ersten Infoabend am 23. September zur Notunterkunft in Elmpt waren viele Fragen offen geblieben. Jetzt, bei der zweiten Bürgerinfo, hatte die Düsseldorfer Delegation mit Regierungspräsidentin Anne Lütkes an der Spitze sehr viel handfestere Aussagen im Gepäck. Im Unterschied zur teils turbulenten ersten Veranstaltung war die Stimmung diesmal ruhig, sachlich und konstruktiv. Die mehr als 450 Bürger fragten interessiert, aber auch kritisch nach. "Die Einrichtung in Elmpt ist sehr gut geeignet, um Menschen, die auf der Flucht sind, eine menschenwürdige Unterkunft geben zu können. Wir können sie hier ein bisschen zur Ruhe kommen lassen", sagte Regierungspräsidentin Lütkes. Vor dem Hintergrund der Terroranschläge in Paris hob sie hervor: "Gerade nach dem 13. November müssen wir für Freiheit und Demokratie einstehen", so Lütkes. Sie appellierte an die Niederkrüchtener: "Ich hoffe, dass es uns gemeinsam gelingt."

Wann kommen die Flüchtlinge?

Hintergrund: Flüchtlinge in Turnhallen

Bezugsfertig ist die geplante Notunterkunft ab dem 14. Dezember, sagte Henning Strohmeyer, Hauptdezernent bei der Bezirksregierung. Ab diesem Datum werden die ersten Flüchtlinge eintreffen.

Bleibt es bei 2500 Flüchtlingen?

Fotos: Wo Flüchtlinge wohnen können FOTO: dpa, rwe jai

Auf diese Frage gab die Regierungspräsidentin in der ersten Infoveranstaltung keine eindeutige Antwort. Nun sagte sie auf die gleiche Frage klar "Ja". Lütkes: "Wir haben eine klare Vereinbarung mit der Gemeinde Niederkrüchten: In der Notunterkunft werden bis zu 2500 Menschen untergebracht. Diese Belegungszahl steht." Bürgermeister Kalle Wassong, der die Veranstaltung umsichtig moderierte, unterstrich das: Bis zum 30. Juni 2016 würden auf dem Gelände bis zu 2500 Menschen untergebracht - "mehr nicht". Danach werde die Notunterkunft in eine Zentrale Unterbringungseinrichtung für dann noch 1000 Flüchtlinge überführt. Lütkes fügte hinzu, dass auch Landesinnenminister Ralf Jäger diese Auffassung teile.

Wie sieht das Sicherheitskonzept aus?

Fotos: Traglufthalle für Flüchtlinge in Düsseldorf aufgebaut FOTO: dpa, fg jai

Auch wenn Auseinandersetzungen unter Flüchtlingen nie ganz auszuschließen seien, erwartet Peter Andres vom Landesamt polizeiliche Dienste NRW die größte Gefahr für die Sicherheit auf dem Gelände nicht von innen, sondern von außen. Für das Jahr 2015 rechnet er mit mehr als 200 Übergriffen auf Flüchtlingseinrichtungen in ganz NRW. Erstes Hindernis für mögliche Angreifer auf die Elmpter Einrichtung ist der hohe Zaun, der das gesamte Militärareal seit Jahrzehnten umgibt. Zudem wird der Bereich der Flüchtlingsunterkünfte auf dem Gelände, inklusive Freizeitanlagen, zusätzlich mit einer Zaunanlage mit mehreren Toren versehen, berichtete Elke Kolfen vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW.

Wer gewährleistet die Sicherheit?

Das Land hat dafür die Siegener Sicherheitsfirma Bewa Security engagiert, die bereits mehrere Flüchtlingsunterkünfte betreut. Das Unternehmen werde auf dem Gelände stets präsent sein und auch Streifen fahren, kündigte Geschäftsführer Sven Wunderlich an. Der Ausbildungsstand und das Führungszeugnis aller Mitarbeiter würden behördlich streng kontrolliert, so Wunderlich auf Nachfrage aus dem Publikum.

Zur personellen Stärke des Sicherheitsdienstes wurde "aus sicherheitstaktischen Gründen" keine Zahl genannt. Wunderlich hob hervor, dass auf dem Gelände mehr Sicherheitspersonal sein wird, als es der Personalschlüssel des Landes für solche Einrichtungen vorgebe.

Wie sieht die Präsenz von Polizei und Feuerwehr aus?

Die Polizei wird auf dem Gelände keine eigene Wache haben, steht aber mit der Sicherheitsfirma in stetigem Kontakt. Für Krisensituationen gibt es ein Alarmierungssystem, so dass bei Bedarf rasch Polizeikräfte nachbeordert werden können.

Für den Brandschutz wird es auf dem Gelände eine eigene Feuerwache geben. Sie ist rund um die Uhr mit Berufsfeuerwehrleuten besetzt, erklärte Andreas Kreutz vom Dezernat Gefahrenabwehr und Brandschutz der Bezirksregierung. Pro Schicht sind immer sieben Feuerwehrleute in Bereitschaft.

Wie erfolgt die Belegung, und wie sind die Unterkünfte ausgestattet?

Für Familien sind 380 Reihenhauswohnungen vorgesehen. In den Mannschaftsquartieren, die dahinter liegen, werden allein reisende Flüchtlinge untergebracht. "Die Ausstattung wird funktionell, aber sehr schlicht sein", sagte Sascha Korte von der Betreiberfirma European Homecare, die für die organisatorischen Abläufe in der Unterkunft zuständig ist.

Wie ist die gesundheitliche Versorgung organisiert?

Auf dem Gelände werden zwei Ärztestellen eingerichtet, erläuterte Dr. Christiane Napp, medizinische Dezernentin der Bezirksregierung. Mindestens ein fest angestellter Arzt soll stets auf dem Gelände sein.

Liegen die Folgenutzungspläne der Gemeinde für das Gelände nun bis auf weiteres auf Eis?

Nein. Die Regierungspräsidentin betonte, dass die Folgenutzungspläne der Gemeinde, die einen Mix aus Gewerbe, erneuerbaren Energien und Natur vorsehen, verwirklicht werden sollen. Bürgermeister Wassong hob hervor, dass eine zeitnahe Gewerbeentwicklung für die Gemeinde "eklatant wichtig" ist. Aus seiner Sicht ist dies parallel zur Flüchtlingsunterbringung möglich. Das sieht auch Lütkes so. Die Nutzung des Geländes als Flüchtlingsunterkunft ist laut der öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zwischen dem Land NRW und der Gemeinde Niederkrüchten bis zum 30. Juni 2021 befristet. Das bedeute aber nicht, dass bis dahin Planungsstillstand herrsche, so Lütkes.

Liebe Leserinnen und Leser,
Ihre Meinung zu RP Online ist uns wichtig. Anders als sonst bei uns üblich gibt es allerdings an dieser Stelle keine Möglichkeit, Kommentare zu hinterlassen. Zu unserer Berichterstattung über die Flüchtlingskrise haben wir zuletzt derart viele beleidigende und zum Teil aggressive Einsendungen bekommen, dass eine konstruktive Diskussion kaum noch möglich ist. Wir haben die Kommentar-Funktion bei diesen Themen daher vorübergehend abgeschaltet. Selbstverständlich können Sie uns trotzdem Ihre Meinung sagen – per Facebook oder per E-Mail.

Quelle: RP
Diskussion
Das Kommentarforum zu diesem Artikel ist geschlossen.