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Serie Mein Verein
Landfrauen haben Nachwuchssorgen

Serie Mein Verein: Landfrauen haben Nachwuchssorgen
Gisela Wolfers leitet als Vorsitzende die Lobbericher Ortsgruppe im Rheinischen Landfrauenverband. Sie wurde 1989 Mitglied, als sie den Landwirt Andreas Wolfers heiratete. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Viersen. Noch vor 20 Jahren war so gut wie jede Bäuerin Mitglied im Landfrauenverband. Heute ist das nicht mehr so. Für die Vereine ist es deutlich schwieriger geworden, junge Mitglieder zu finden Von Jannetta Janssen

Lobberich Seit fast 70 Jahren gibt es die Ortsgruppe Lobberich im Rheinischen Landfrauenverband. Die Mitglieder werden immer älter, Jüngere kommen nicht nach. Für den Verein wird das in einigen Jahren zu Existenzschwierigkeiten führen. Das Problem kennt Gisela Wolfers, Vorsitzende der Ortsgruppe Lobberich, sehr gut. Seit langer Zeit versucht sie schon gemeinsam mit anderen Frauen aus dem Vorstand, durch verschiedene Veranstaltungen neue Mitglieder zu werben. "Doch das ist gar nicht so einfach", hat die 55-Jährige festgestellt.

Als Gisela Wolfers 1989 ihren Mann, den Landwirt Andreas Wolfers, heiratete, wurde sie auch Mitglied im Rheinischen Landfrauenverband. "Das war damals so", erzählt Gisela Wolfers. "Meine Schwiegermutter und Mutter waren beide Mitglied." Für die junge Frau war die Mitgliedschaft bei den Landfrauen damals der erste Weg, Kontakte zu anderen Bäuerinnen in Lobberich zu knüpfen. Die gelernte Hauswirtschafterin ging gern zu gemeinsamen Veranstaltungen und Treffen der Ortsgruppe.

Mittlerweile ist das jüngste Mitglied 35 Jahre, das älteste 90 Jahre alt. Regelmäßig bietet der Verein Ausflüge und weitere Veranstaltungen an. "Die Jüngeren nehmen selten daran teil", sagt Wolfers. Sie ist für den Regierungsbezirk Düsseldorf im Rheinischen Landfrauenverband zuständig. Daheim versorgt sie gemeinsam mit ihrem Mann täglich 200 Milchkühe. Wie viele Frauen sich engagieren, hängt auch von der Art der Veranstaltung ab, hat die dreifache Mutter bemerkt: "Beim Ferkesmarkt zum Beispiel sind viele aktiv, beim letzten Pfarrfest hingegen waren die meisten nur aus dem Vorstand da." Als mögliche Gründe für das Fernbleiben der Mitglieder nennt Wolfers die Berufstätigkeit vieler Frauen, die Mühe, Kinder und Haushalt "unter einen Hut zu bekommen", die Mobilität und die vielen abwechslungsreichen Angebote, die den Frauen zur Verfügung stehen.

Einmal im Jahr treffen sich die Frauen des Vereins bei der Jahreshauptversammlung. Dort überlegen sie auch, wohin der alljährliche Tagesausflug führen soll. "In diesem Jahr fahren wir zum Melaten-Friedhof nach Köln, auf vielfachen Wunsch", berichtet Wolfers. Ob dann auch die jüngeren Landfrauen mitfahren, steht noch nicht fest - noch können sie sich anmelden. Das geht bei den Landfrauen persönlich: Noch immer gibt es Honschaftsbetreuerinnen, die die Einladungen in ihren Bezirken an die Landfrauen verteilen. "Viele Ältere haben keine E-Mail-Adresse", erklärt Wolfers.

Die Arbeit im Verband ist vielfältig. Insgesamt zählt der Rheinische Landfrauenverband 16.100 Mitglieder. Er bietet unter anderem Schulungen für Frauen aus der Landwirtschaft an, etwa das Seminar "Agrarbüro-Management". In diesen Schulungen können die Landfrauen ihr Wissen ausbauen oder vorhandene Kenntnisse auffrischen. Mehr Informationen gibt die Landesgeschäftsstelle in Münster unter Telefon 0251 2376456. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Mitgliedschaft im Landfrauenverband, auch Grundkenntnisse in Word und Excel sollten vorhanden sein.

"Demnächst wird auch wieder das Sorgentelefon aktiviert", sagt die Vorsitzende der Lobbericher Ortsgruppe. Dort können Landfrauen mit persönlichen, familiären und betrieblichen Problemen anrufen. Bei denjenigen, die das Sorgentelefon betreuen, handelt es sich um Ehrenamtler. Weil einige Landfrauen inzwischen aus Altersgründen ausgeschieden sind, bietet der Landfrauenverband eine Schulung an für Interessierte, die dieses Ehrenamt gern übernehmen würden. Mehr Auskünfte zum Sorgentelefon gibt es beim Landfrauentelefon unter Ruf 02162 355977.

Quelle: RP
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