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Björn Rudakowski
Letztlich kommt es auf den Pfleger am Bett an

Viersen. Der Nettetaler Altenpfleger engagiert sich für die Pflegesituation in der Stadt. Somit hat er die Aktionstage "Stadt und Pflege" ins Leben gerufen

Nettetal (jobu) Vom 12. bis 14. Mai finden in Nettetal die Aktionstage "Stadt und Pflege" statt. Initiator ist Björn Rudakowski aus Leuth, der 47 Jahre alte Altenpfleger arbeitet in einer kirchlichen Einrichtung, ist dort und auf Landesebene in der Mitarbeitervertretung engagiert.

Was bezwecken Sie mit den Aktionstagen "Stadt und Pflege"?

BJÖRN RUDAKOWSKI Wir wollen zum einen den Berufsstand der Pfleger, seine Bedeutung, und auch die Probleme und Möglichkeiten, ins Bewusstsein rücken. Dabei möchte ich meine Kollegen ermutigen, sich in eigener Sache zu engagieren. Zum anderen geht es um das Thema Pflege an sich, das angesichts der demografischen Entwicklung jeden Bürger angeht.

Wie meinen Sie das, Altenpfleger sollten sich in eigener Sache engagieren?

RUDAKOWSKI Die Anforderungen in der Pflege steigen ständig, Kollegen klagen über Personalmangel oder Überforderung. Dazu kommen der Druck seitens mancher Arbeitgeber und die Erwartungshaltung von Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen. Pfleger fühlen sich da oft alleingelassen, eine Vernetzung etwa auf kommunaler Ebene könnte deshalb sinnvoll sein.

Sind dafür nicht Gewerkschaften, Berufsverbände oder Betriebsräte zuständig?

RUDAKOWSKI Eigentlich ja, doch leider gibt es Pflegeeinrichtungen in privater Trägerschaft, die keinen Betriebsrat oder keine Mitarbeitervertretung vor Ort haben. Wenn unsere Aktionstage dazu beitragen können, dass sich zum Beispiel die Pflegekräfte in Nettetal untereinander austauschen und vernetzen, wäre das ein guter erster Schritt.

Welchen Nutzen könnte das für Pflegekräfte bringen?

RUDAKOWSKI Nun, nach einer Studie fehlen in Deutschland rund 500.000 Pflegekräfte, der Bedarf an gutem Personal ist also groß. Wenn man sich untereinander abstimmt, müsste jeder Pfleger Mut genug haben, sich gegen unzulässige Arbeitszeiten zu wehren und sich nicht mit Zeitverträgen abspeisen zu lassen. Das käme auch den Pflegebedürftigen zugute, wenn sich eine Fachkraft nach dem Prinzip der Bezugspflege langfristig um ihn kümmert.

Aber ist es nicht Aufgabe der Politik, für die richtigen Rahmenbedingungen zu sorgen?

RUDAKOWSKI Sicherlich, Politik und Gesetzgebung suchen nach Lösungen, da gibt es noch viel zu verbessern. Aber entscheidend ist doch, wie und was Leitungskräfte davon für die Praxis umsetzen, und letztlich kommt es immer auf den an, der als Pfleger am Bett steht. Wobei gute Pflege nur gelingen kann, wenn alle Beteiligten, etwa Pfleger, Ärzte und Angehörige, Hand in Hand arbeiten. Dass man da ernsthaft an Verbesserungen interessiert ist, zeigt die große Bereitschaft von Fachleuten und Politikern, bei den Aktionstagen mitzuwirken.

Aus welchen Bereichen kommen diese Fachleute, wer ist dabei?

RUDAKOWSKI Bei der Podiumsdiskussion sind Bundestags- und Landtagsabgeordnete der Parteien, Vertreter von Kirchen, Verbänden, Gewerkschaften dabei. Auch Nettetals Sozialdezernent Armin Schönfelder macht mit, was verdeutlicht, dass es auch um die kommunale Situation in der Pflege geht. Und erfreulicherweise unterstützen auch etliche Sponsoren aus der Region die Aktionstage.

Infos und Programm gibt es im Internet unter www.fb.com/StadtundPflege. Fragen zur Podiumsdiskussion am Samstag, 14. Mai, ab 15 Uhr im Rathaus, können vorab per E-Mail eingereicht werden an b.kowski@icloud.com.

Quelle: RP
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