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Viersen
Lieber reparieren als wegwerfen

Viersen. Einmal im Monat kann jeder mit seinen defekten Geräten in der Volkshochschule vorbeischauen: Dort gastiert das Repair-Café. Ehrenamtler leiten dort die Besucher bei der Reparatur ihrer Geräte an Von Ingrid Flocken

"Der Akku-Schrauber tut es nicht mehr." Doch Margret Compans wollte ihn nicht einfach wegwerfen und dann einen neuen kaufen - darum ging sie ins "Repair-Café" im Haus der Volkshochschule am Willy-Brandt-Ring. Und dort griff sich Dietmar Busch das Gerät, schraubte es auseinander, stellte einen kleinen Defekt fest, behob diesen. Schon war der Schrauber wieder einsatzbereit, und Margret Compans freute sich. Denn die Reparaturen kosten nichts, nur eventuelle Ersatzteile müssen bezahlt werden. Und in den meisten Fällen müssen die "Kunden" auch selbst Werkzeug in die Hand nehmen und nach Anleitung lernen, selbst zu reparieren.

Das Repair-Café ist die jüngste Gruppe der "Senioren 55plus Miteinander-Füreinander". Willi Gillißen leitet sie, unterstützt von seiner Frau Angela, drei weiteren Damen und 17 Herren, die sich alle ehrenamtlich jeweils am ersten Samstag im Monat zur Verfügung halten. "Meist kommen so 15 bis 20 Kunden", erzählt Angela Gillißen. "Wenn es schon mal 30 sind, rotieren wir."

An diesem Samstag waren zehn Ehrenamtler mit nur sieben Kunden beschäftigt - Ferien, herrliches Frühlingswetter und Stoffmarkt in Viersen hatten Schuld an dem geringen Zulauf. Dadurch aber hatten die Helfer genügend Zeit, einen defekten großen Kaffeeautomaten wieder einsatzfähig zu machen. Solche Geräte für Pads sind übrigens die häufigsten "Fälle", dazu kommen CD-Player, Nähmaschinen, Werkzeuge und auch manches "Schätzchen" aus Omas Zeiten, das den Enkeln am Herzen liegt.

Grundsätzlich werden alle mechanischen und elektrischen Geräte repariert, auch mal ein Fahrrad, Rasenmäher oder ein Anhänger. Bisweilen müssen auch Mottenlöcher in Wollpullovern kunstgerecht gestopft oder eine beim Skaten gerissene Hose geflickt werden. Ein herzliches Dankeschön ist immer drin, aber auch ein wenig Stolz, wenn ein Kunde mal wieder alleine - nur nach Anweisung - ein Gerät repariert hat. Denn: "Wir sind kein kostenloser Reparaturdienstleister, sondern es geht um die Hilfe zur Selbsthilfe", erklärt Willi Gillißen den Kunden. Wer warten muss, kann kostenfrei Kaffee und selbst gebackenen Kuchen genießen und dann sein Scherflein in eine Büchse werfen, um das Café zu unterstützen.

Wie sich das "Miteinander-Füreinander" gerade im Repair-Café niederschlägt, machte Michael Dörmbach, der an der Bildung des Seniorenprojekts beteiligt war, in seinem Grußwort in der Zeitschrift Viersen 55plus deutlich: "Frauen und Männer wollen ihr erlerntes Können und Wissen zur Verfügung stellen und dabei ein Mittel gegen das Wegwerfen bieten." Dazu würde man sich im Repair-Café zusammenschließen. "Wir leiten Hilfe suchende, reparierfreudige Menschen an, ihren defekten Gegenstand zu reparieren." Und vielleicht komme die Eine oder der Andere und stelle seine Fähigkeiten auch mit zur Verfügung - und "untereinander wird Hilfe geleistet".

Quelle: RP
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