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Schwalmtal
Literaturfreunde dichten japanische Haikus

Schwalmtal. Die Kurzgedichte umfassen drei Zeilen mit fünf, sieben und wieder fünf Silben. Bei den Lüttelforster Natur- und Kulturtagen erklärte Mariko Fuchs den Teilnehmern, wie sie selbst ein Haiku verfassen Von Sigrid Blomen-Radermacher

Die Angebote der fünften Lüttelforster Kulturtage bündeln auf besondere Weise die Ressourcen des Dorfes: Künstler, Autoren, eine Imkerin, die Försterin, Literaturversessene und viele mehr tun sich zusammen und bieten eine Menge interessanter Angebote, so auch einen Haiku-Workshop. Mitten im Wald findet er statt, bei der in Tokio geborenen Autorin und Leiterin zweier Kumon-Schulen, Mariko Fuchs. Sieben Männer und Frauen haben sich in ihrem geräumigen, von japanischer Literatur angefüllten Haus eingefunden, um sich in die mehr als 300 Jahre alte Dicht-Form einweihen zu lassen.

Nach einer Einführung in Geschichte und Regeln des Haikus, das erklärt Mariko Fuchs gleich zu Beginn, stehe das Dichten eines eigenen Haikus auf dem Programm, welches den Teilnehmern vorgelesen werde. Die drei schönsten werden ausgesucht und belohnt.

Wenn das kein Anreiz ist, genau aufzupassen und sich schon mal Gedanken über den eigenen 17-silbigen Text zu machen. Daraus ergibt sich die erste Schwierigkeit: Das Haiku - "das kürzeste Gedicht der Welt" - basiert schließlich auf der japanischen Sprache, die sich von der deutschen so sehr unterscheidet - alles, was wir in deutscher Sprache an Haikus dichten werden, kann nur eine leise Annäherung an das Original sein.

Drei Zeilen mit fünf, sieben und wieder fünf Silben ist ein Haiku also lang. Klassischerweise findet sich immer ein Jahreszeitenwort in ihm. Darum herum, in einem "ausbalancierten Rhythmus", entsteht ein Bild aus Worten.

Spannend, die in lateinische Schrift übertragenen japanischen Silben zu lesen und zu hören, wie Fuchs sie vorträgt. Sprache ist hier höchst komprimiert, ebenso wie Inhalte. Ein Haiku, so Fuchs, sei ebenso ein Mikro- wie ein Makrokosmos. Der Zen-Buddhismus habe die japanische Kultur und damit auch die Dichtung wesentlich beeinflusst.

Zen verlangt, dass das Haiku eine "Harmonie zwischen dem Ich und der Welt/Natur erzielt". Hohe Ziele sind das, die - eigentlich - viel Übung erfordern. In japanischen Tageszeitungen finden regelmäßig Haiku-Wettbewerbe statt. Ein populärer Sport also. Den treibt die Runde in Lüttelforst nun auch. Auf kleine Zettel sollen die Teilnehmer ein Haiku schreiben. Zehn Minuten bleiben dafür. Alle schreiben in Windeseile ihre 17 Silben aufs Papier. Fuchs liest sie mehrfach vor. Die Teilnehmer, die sich soeben in Juroren verwandelt haben, notieren sich ihre Wertungen. In den Haikus geht es um die Schnecke, die ihre glitzernde Spur ziehen, um Mais und Klatschmohn, um Sommer und frische Blüten. Erstaunlich, was da gedichtet wird.

Am Ende liegen die Wertungen ziemlich eng beieinander, doch die meisten Stimmen erhält das Haiku von Ria van de Flierdt-Bonsels, in dem sie über ihre Liebe zum Klatschmohn schreibt: Alltäglicher Weg/ Roter Klatschmohn blüht/ Schönheit des Lebens. Der Preis: ein Büchlein mit Haikus. Bei japanischem Tee, Gebäck und Gespräch klingt der anregende Abend aus.

Quelle: RP
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