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Schwalmtal
Lüttelforst: Bild am Waldrand ändert sich

Schwalmtal: Lüttelforst: Bild am Waldrand ändert sich
Die Baumfällarbeiten in Lüttelforst dauern voraussichtlich noch bis zum 20. November. Rund 200 Bäume werden gefällt, viele sind krank. FOTO: Heike Ahlen
Schwalmtal. In Lüttelforst und Lousberg werden an den Waldrändern insgesamt gut 200 Bäume gefällt. Die meisten von ihnen sind krank. Einige müssen auch gefällt werden, damit ihre Nachbarn weiter wachsen können. Von Heike Ahlen

Das Kreischen der Kettensäge ist nicht zu überhören. Seit Montag und noch bis zum 20. November wird entlang der Dorfstraße durch Lüttelforst und Lousberg gearbeitet. Etwa 200 Bäume sollen insgesamt dort gefällt werden. Frank Mayer vom Landesbetrieb Wald und Holz nennt die Gründe für die umfangreichen Sicherungsmaßnahmen.

"Viele Bäume sind mittelfristig umsturzgefährdet, weil sie von Fäulnis befallen sind. Das Tückische daran ist, dass man nicht erkennen kann, wann diese Bäume fallen werden", erklärt Mayer. Ein Beispiel dafür, wie es gehen kann, hat er auch: Viele Bäume sind schon seit Jahren im Wurzelbereich hohl, stehen aber trotzdem noch. Im Wald links der Straße kann Mayer einen Baum zeigen, der vor Kurzem auch noch stand - und dann ohne Vorwarnung umfiel. Der Baum fiel in Richtung Straße, stand aber so weit im Inneren des Waldes, dass er weder Mensch, noch Auto, noch Haus traf. "Wenn ich einen solchen Baum direkt am Straßenrand habe, ist die Gefahr einfach zu groß", sagt der Förster.

Ebenso fallen sollen die Bäume direkt an der Straße, die zu schräg über die Straße wachsen, weil sie sich zum Licht hin strecken. Auch bei ihnen bestehe die Gefahr, dass sie irgendwann umkippen, erklärt Mayer. Außerdem soll bei den Arbeiten nun die Bildung von Totholz verringert werden. Das entsteht, wenn die Baumkronen zu dicht nebeneinander sind und sich nicht entfalten können. Dann sterben Äste und Zweige ab. Auch dieses Totholz könnte auf Menschen oder Autos fallen. "Wir nehmen hinter den markanten Straßenbäumen einzelne andere Bäume weg, damit diese Straßenbäume ihre Krone gleichmäßig und nicht nur zur Straßenseite hin entfalten", sagt Mayer.

Die riesigen Eschen, die teilweise am Straßenrand standen und jetzt bereits gefällt sind, seien vom Eschentriebsterben befallen gewesen, sagt der Förster. Das ist eine Pilzerkrankung, die erst seit dem Jahr 2007 in Deutschland bekannt ist. Es gibt nur wenige resistente Eschen - weshalb diese Baumart derzeit kaum nachgepflanzt wird. An der Erforschung der Infektionswegs und der Verbreitung des Pilzes wird geforscht.

Die Bäume, die "Löcher im Stamm" und viel Fäulnis aufweisen, sind vornehmlich Buchen. Die Ursachen hier sind in der Geschichte zu suchen. "Bis nach dem Krieg ist der Buchenbestand hier als Niederwald bewirtschaftet worden", weiß Mayer. Das bedeute, dass etwa alle 20 Jahre die Bäume abgeschnitten und zu Brennholz verarbeitet worden seien. Buchen sind Bäume, bei denen aus dem "Stock", also dem Stumpf, der im Boden bleibt, wieder neue Triebe ausschlagen können. So sei der Baum dann wieder herangewachsen und wieder abgeschnitten worden. Seit diese Bewirtschaftung wegfalle, seien die Triebe durchgewachsen - in die Schnittstellen sei aber Feuchtigkeit eingedrungen und habe Fäulnis begünstigt. "Es ist ein Wettlauf zwischen Fäule und neuem Holz", erklärt der Fachmann. Am Ende siege die Fäulnis.

Die Sicherungsmaßnahme, die der Landesbetrieb jetzt durchführt, betrifft etwa 20 Waldbesitzer. Die meisten von ihnen sind in der Forstbetriebsgemeinschaft organisiert. "Das hat den Vorteil, dass sie vom Forstbetrieb betreut und beraten werden, außerdem werden solche Maßnahmen durch den Zusammenschluss günstiger", sagt Hans-Peter Siegers, der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft. Draufzahlen müssten die Waldbesitzer in jedem Fall. "Die Kosten übersteigen den Holzwert", so Mayer. "Es ist eine Investition in die Sicherheit."

Das hätte er auch gern vor Beginn der Maßnahme den Lüttelforster Bürgern erzählt und ihnen Beispielbäume gezeigt. Der Einladung zu einer entsprechenden Bürgerversammlung seien aber nur wenige Menschen gefolgt.

Quelle: RP
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