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Schwalmtal
Lüttelforster protestieren gegen Kies

Schwalmtal. In Lüttelforst setzen Bürger mit Plakaten an Häusern und Straßen Zeichen für den Widerstand. Der Kirchenvorstand in Schwalmtal hält derweil an seiner Entscheidung fest, das "Pastorsfeld" an ein Tiefbauunternehmen zu verkaufen Von Birgitta Ronge

So idyllisch, wie man es kennt, ist das Dorf Lüttelforst derzeit nicht: Mit Plakaten und Schildern machen Bürger darauf aufmerksam, dass sie mit zwei Dingen nicht einverstanden sind: mit einer Fortführung des Kiesabbaus und mit der Entscheidung des Kirchenvorstands, Kirchenland für den Kiesabbau zu verkaufen.

Der Kirchenvorstand der Schwalmtaler Pfarrei St. Matthias hatte am 23. Mai beschlossen, das etwa zweieinhalb Hektar große "Pastorsfeld" an das Tiefbauunternehmen Sanders zu veräußern. Die Kirche benötigt Geld, um die auf der "roten Liste" stehende Lüttelforster Kirche St. Jakobus sanieren zu können. Denn dafür zahlt das Bistum nicht mehr. Auch die Bürgerstiftung hatte ein Angebot vorgelegt. Sie wollte damit den Kiesabbau stoppen - und durch ihr Angebot auch die Kirche erhalten. Als sich der Kirchenvorstand für Sanders entschied, gab es im Dorf erhebliche Kritik. In einer weiteren Sitzung am 2. Juni beschloss das Gremium, an der Entscheidung festzuhalten.

Die Beschlüsse des Kirchenvorstands seien "sachlich nicht nachvollziehbar" und dürften "aus zwingenden Gründen nicht umgesetzt werden", heißt es nun in einer Mitteilung der Bürgerstiftung und des Fördervereins "Kultur und Tradition Lüttelforst". Stiftung und Verein hätten beschlossen, "alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, um die Absichten des Kirchenvorstands zu verhindern". So habe man das Bistum informiert und wolle nachhaken, ob alle Mitglieder des Kirchenvorstands ausreichend informiert gewesen seien, sagt Alexander Kessels als Sprecher der Bürgerstiftung. Dass es für den Protest breite Unterstützung im Dorf gebe, mache Mut - es seien eben nicht nur "ein paar Zugezogene" gegen den Kiesabbau, sondern 90 Prozent der Befragten, wie eine Umfrage zeige.

Die Kritik richte sich nicht gegen Sanders, sondern gegen den Kirchenvorstand, betont Kessels: "Man muss doch im Prozess fair miteinander umgehen. Man kann doch das eigene Kirchenvolk nicht gegen die Wand laufen lassen." Dass das dörfliche Leben nun leide, sei schade. Doch Stiftung und Förderverein hätten dazu aufgerufen, nicht die Kirche zu boykottieren: Wolle man Kirche aus dem Inneren heraus erneuern, sei das das falsche Zeichen.

Als er vor acht Tagen in Lüttelforst gepredigt habe, sei die Kirche voll gewesen, sagt Pfarrer Wilhelm Kursawa. Den Eindruck, dass die Fronten im Dorf völlig verhärtet sind, habe er nicht. Man sei gesprächsbereit, das könne er nicht nur für sich, sondern auch für die Gremien der Pfarrei sagen. An der Entscheidung des Kirchenvorstands ändert das aber nichts. "Die Entscheidung ist getroffen", so Kursawa, der hinzufügt: "Nicht von einer einzelnen Person diktatorisch bestimmt, sondern von einem gewählten Gremium nach intensiver Beratung."

Quelle: RP
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