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Viersen
LVR entschuldigt sich nach Tests mit Medikamenten

Viersen. Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat sich gestern bei den Opfern nicht genehmigter Medikamententests an Heimkindern entschuldigt und finanzielle Entschädigungen in Aussicht gestellt. Auch in der Rheinischen Landesklinik für Jugendpsychiatrie in Viersen-Süchteln gab's noch Anfang der 1970er-Jahre Medikamententests.

"Wir sind zutiefst erschüttert von den Berichten Betroffener, die in Heimen, Kliniken und Einrichtungen der Behindertenhilfe unfassbares Leid durch den unverhältnismäßigen Einsatz von Medikamenten erfahren haben", sagte LVR-Direktorin Ulrike Lubek. Im Gesundheitsausschuss des Landtages forderten Politiker aller Parteien eine "schonungslose Aufarbeitung". Sie zeigten sich geschockt über die Erkenntnisse aus einem wissenschaftlichen Aufsatz der Krefelder Pharmazeutin Sylvia Wagner. Bislang wisse man nicht, wer durch die Versuche wie geschädigt worden sei, so NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne). Auch sei unklar, wie die Versuche rechtlich einzustufen seien. Für sie stehe fest, dass sie "weit grenzüberschreitend" gewesen seien. Medikamententests ohne Zustimmung der Eltern oder des Vormundes seien auch damals nicht erlaubt gewesen. Die Ministerin sagte eine rasche Aufarbeitung zu. Dazu soll ein Beirat mit externen Sachverständigen tun. Der LVR will eine wissenschaftliche Untersuchung beauftragen. "Die gesetzlichen Aufbewahrungsfristen können leider in vielen Fällen dazu führen, dass Akten nicht mehr existieren", sagte Lubek. "Wir prüfen, welche Akten nutzbar zu machen sind."

(hüw/mrö)
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