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Brüggen
Manche Kundin kommt seit Jahrzehnten

Brüggen: Manche Kundin kommt seit Jahrzehnten
In den 1950er-Jahren waren Kleider am Oberkörper schmal, ab Taille weit schwingend geschnitten. Die Röcke bedeckten die Knie. Dreiviertel-Ärmel lassen dieses Modell der Frühjahr-Sommer-Kollektion 1956 luftig wirken. FOTO: Ullstein
Brüggen. Als Karl und Hanni Metten 1956 in Brüggen ein Geschäft eröffneten, nähte Hanni Metten Schürzen und Gardinen selbst. Seit 25 Jahren führt Tochter Petra den Laden. Sie hat festgestellt: "In der Mode kommt vieles irgendwann wieder" Von Birgitta Ronge

Die Herbstmode hängt schon im Laden. Zarte Mauve- und Rosé-Töne, Grau in allen Schattierungen, Shirts in Indigo und Westen in Felloptik sollen die Kundinnen kleiden, wenn es kühler wird. Die ersten Frauen haben sich bei Mode Metten an der Borner Straße schon mit Herbstware eingedeckt, obwohl der Sommer noch eine Weile bleibt. "Manche warten darauf, dass die neue Ware kommt, weil sie gern etwas Neues haben möchten", erklärt Petra Metten-Monßen.

Die 54-Jährige ist mit Mode aufgewachsen. Ihre Eltern Karl und Hanni eröffneten "Mode und Textil Metten" im Jahr 1956, damals noch ein paar Häuser weiter. Mutter Hanni Metten, gelernte Näherin, fertigte für ihre Kundinnen viele Textilien selbst, Gardinen, Nachthemden, Kittel und Schürzen etwa. Die Kittel waren in Brüggen beliebt: "Noch vor 30 Jahren verschenkte man zum Muttertag Kittel", erinnert sich die Inhaberin schmunzelnd, "das wäre heute undenkbar."

In den Anfangsjahren führte das Geschäft ein umfangreiches Sortiment: Mode für Damen, Herren und Kinder, Unterwäsche, auch Handtücher. Bei Metten gab es alles, was die Braut für die Aussteuer benötigte. Auch Kurzwaren gab es dort. Den Service schrieben schon die Eltern groß: Vater Karl fuhr mit dem VW-Bus über Land, besuchte auch die entlegenen Höfe, zeigte den Kunden eine Auswahl der Ware oder brachte ihnen mit, was sie bestellt hatten. Nach vier Jahren zog das Geschäft um an die heutige Adresse, nach der Sanierung des Brüggener Ortskerns wurde der Laden erweitert. Heute gibt es auf 120 Quadratmetern Mode für Damen und Herren sowie Wäsche. Viele Dinge sind aus dem Programm verschwunden, andere nützliche Kleinigkeiten bietet Petra Metten-Monßen immer noch an, weil die Kunden sie haben wollen: Taschentücher und Hosenträger beispielsweise. Und wenn eine Kundin fragt, ob sie nicht Bettwäsche kaufen könne, versucht die Chefin, auch das möglich zu machen.

Die Kundinnen sind durchschnittlich 50 Jahre alt. Sie kommen aus Brüggen, Niederkrüchten, Schwalmtal, Nettetal, Mönchengladbach und den Niederlanden. Ausflügler schauen auch sonntags vorbei. Mal kommen Jüngere, die etwas Spezielles suchen, mal Ältere, die dem Geschäft seit Jahrzehnten die Treue halten. Mal kommen Frauen mit Freundinnen, mal mit Partner. Manche kommen auch allein und nehmen dem Ehemann etwas mit: "Es sind Männer von uns angezogen, die noch nie im Laden waren", berichtet Metten-Monßen.

Regelmäßig fährt sie nach Düsseldorf, um in den Verkaufsbüros der Hersteller die neue Ware anzusehen, Farben und Schnitte in Augenschein zu nehmen, Stoffe zu befühlen. Einige Vertreter besuchen mit Teilen aus den Kollektionen auch das Geschäft. Dann bestellt sie. "Die Ware für Frühjahr und Sommer 2017 habe ich jetzt schon gekauft", sagt die Textilbetriebswirtin. Weil etwa alle vier Wochen neue Teile geliefert werden, hat sie immer Neues im Angebot. Um das zu zeigen, werden auch die Schaufenster alle zwei Wochen umdekoriert.

Petra Metten-Monßen hat in der Mode schon alles erlebt: die Minis der Sechziger, die Schlaghosen der Siebziger, die Schulterpolster in den Blusen der Achtziger. "Vieles kommt irgendwann wieder", hat sie festgestellt. Doch stets gibt es auch neue Muster, neue Details. Dazu gehören im Augenblick Oberteile im Materialmix und mit Gummibund am unteren Saum. Bewährt hingegen haben sich beispielsweise in den Herbstkollektionen die gedeckteren Töne, Beerenfarben, Karo-Stoffe.

Wenn sie neue Teile ordert, überlegt sie, was ihren Kundinnen wohl gefällt - und nimmt dann noch Stücke hinzu, bei denen sie sich da nicht ganz so sicher ist. Ein bisschen Mut gehört in der Mode eben auch dazu. "Man muss immer mal wieder was Neues probieren", sagt die 54-Jährige. "Sonst sagen die Leute: ,Das habe ich schon im Schrank.'"

Quelle: RP
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