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Viersen
Meister-Spieler am Kartentisch

Viersen: Meister-Spieler am Kartentisch
Kassierer Rainer Finken, der zweite Vorsitzende Norbert Houben und der Vorsitzende Klemens Baehren (von links) trainieren regelmäßig in ihrem Stammlokal für die anstehenden Turniere. FOTO: Kallianteris
Viersen. Die Mitglieder des Skatvereins Gut-Blatt-Viersen sind erstmals in der Vereinsgeschichte in die Oberliga aufgestiegen. Drei Tage lang haben sie ihren Erfolg gefeiert, jetzt konzentrieren sie sich auf das nächste Ziel Von Jiota Kallianteris

Alte Herren, ein Kartendeck in der Hand haltend und in einer verrauchten Kneipe sitzend, schlagen die Zeit tot. Ein typisches Klischee über Kartenspiele und über das Skatspiel insbesondere. Dass Skat viel mehr ist als nur ein Zeitvertreib für Senioren, bewies jetzt der Skatverein Gut-Blatt-Viersen 1996. Den Spielern gelang kürzlich ein richtiges Meisterstück: Sie behaupteten sich gegen alle anderen Mannschaften der Verbandsliga VG Neuss und holten den Meistertitel. Damit stieg der Verein als einzige Mannschaft und erstmals in seiner Vereinsgeschichte in die Oberliga des Landesverbandes 4 des Deutschen Skatverbandes auf.

Die Mitglieder des Vereins konnten ihre Fertigkeiten im Laufe der Zeit so verbessern, dass sie auch an verschiedenen Deutschen Skat-Meisterschaften und Pokalturnieren teilnehmen konnten. Doch der aktuelle Aufstieg in die Oberliga wird in die Vereinsgeschichte eingehen. "Wir sind mächtig stolz auf diesen Erfolg", sagt der Vorsitzende Klemens Baehren. "Drei Tage lang haben wir unseren Aufstieg gefeiert. Das ist das höchste Ziel, das wir je errungen haben." Die Leidenschaft zum Skat begleitet den 75-Jährigen seit der Kindheit. "Ich war acht Jahre alt, als ich mit Skat angefangen habe", erzählt er. Das Kartenspielen sei damals weit verbreitet gewesen. Ob Skat, Rommé, Canasta oder andere Varianten, sie alle gehörten damals einfach dazu und wurden in fast jeder Familie gespielt, erklärt Baehren. "Leider sind diese schönen geselligen Hobbys immer weniger weitergegeben worden. Und so sind sie ein Stück weit in Vergessenheit geraten."

An diesem Abend findet, wie jeden Dienstag, der wöchentliche Club-Abend des Skatvereins im Stammlokal "Lindenhof" an der Brabanter Straße in Dülken statt. Alles ist vorbereitet, die Tische sind besetzt und das Startgeld in Höhe von sieben Euro, das voll ausgespielt wird, ist von jedem der rund 20 Spieler bezahlt.

Einer von ihnen ist Norbert Houben, zweiter Vorsitzender des Vereins. Auch er beschreibt zwischen den Spielzügen gerne und voller Stolz den jüngst errungenen Sieg seines vor elf Jahren gegründeten Vereins. "Das Turnier ging über fünf Tage. Rund 300 Spieler haben teilgenommen. Nach und nach trennte sich die Spreu vom Weizen, und wir kamen immer weiter", sagt er und lässt dabei eine Karte in die Tischmitte fliegen. Auf die Frage, ob und wie sich die Spieler auf ein Skat-Turnier vorbereiten, antwortet er: "Übung gehört natürlich dazu, und ganz wichtig: Nie die Zuversicht verlieren! Aber auch das berühmte Quäntchen Glück darf nicht fehlen."

Houbens Mitspieler Rainer Finken, Kassierer des Vereins, erläutert: "Eine Mannschaft besteht aus vier Spielern. Gespielt werden mehrere Tische. Am Schluss werden alle Ergebnisse addiert. Es ist also auch nicht ganz so schlimm, wenn ein Spieler mal nicht so gut gespielt hat. In der Gesamtwertung ist das dann wieder aufzuholen. Da ist der Leistungsruck beim Fußball oder beim Schach wesentlich höher und ein Fehler katastrophal."

Ob die Skat-Männer auch Lampenfieber vor einem Turnier haben? "Nein, dafür sind wir definitiv zu alt", antwortet Houben gut gelaunt. Und Finken ergänzt: "Als ,alte Hasen' wissen wir, dass wir uns jetzt erst einmal in der Oberliga halten müssen. Danach aber nehmen wir uns die Regionalliga vor." An erster Stelle stünde beim Gut-Blatt-Viersen aber immer "der Spaß an der Freud'".

Quelle: RP
 
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