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Schwalmtal
Mieter wollen raus aus Mängelhaus

Schwalmtal: Mieter wollen raus aus Mängelhaus
Sucht eine neue Wohnung: Mieter Georg Senden FOTO: Jörg Knappe
Schwalmtal. Die akute Gefährdung in Hostert sei behoben, heißt es vom Kreis. Warum viele Bewohner trotzdem ausziehen wollen Von Emily Senf

Am 15. Juli hat Markus Emmerich seine Dachgeschosswohnung mit der Adresse Hostert 7 in Schwalmtal verlassen und sie seitdem nicht mehr betreten. Der 40-Jährige gehört zu den Mietern des Gebäudes, deren Wohnungen die Bauaufsicht des Kreises Viersen wegen Mängeln beim Brandschutz Mitte vergangenen Monats hatte räumen lassen. Laut einem Schreiben der Bauaufsicht, das der Redaktion vorliegt, darf er sich "weder tagsüber noch nachts in der Wohnung aufhalten (also weder schlafen noch essen, die Wäsche waschen, die Freizeit dort verbringen etc.)". Nur für seinen Auszug in knapp zwei Wochen darf er noch einmal rein.

Der Kreis hatte durch einen Tipp erfahren, dass sich in dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude in Hostert mehr Wohnungen befinden als genehmigt. Es geht um die "ungenehmigte Nutzungsänderung von zwölf Wohnungen zu 38 Appartementwohnungen", heißt es in einer amtlichen Mitteilung des Kreises vom 11. Juli. Weil zudem in neun Räumen der zweite Rettungsweg fehlte, entschied sich der Kreis zur Evakuierung der Dachgeschosswohnungen.

Bereits wenige Tage später besserte der Eigentümer nach und ließ in fünf Wohnungen größere Fenster einsetzen. "Damit ist die akute Gefährdungslage beseitigt", sagte jetzt Kreissprecher Benedikt Giesbers. "Doch die weitere Nutzung bleibt unklar." Eine nachträgliche Baugenehmigung habe der Besitzer bislang nicht eingereicht. Zur Klärung habe der Kreis dem Eigentümer ein Gespräch angeboten, man warte auf eine Antwort, sagte Giesbers.

Einige der Mieter erheben derweil Vorwürfe gegen den Hausbesitzer. Laut Emmerich, dessen Wohnung zu denen gehört, die nicht kurzfristig umrüstbar seien, ist die Isolierung der Fenster nicht ausreichend, bei seinem Einzug im Dezember sei die Wohnung neun Grad warm gewesen. "In sieben Monaten habe ich wegen der Heizung 4200 Kilowattstunden an Strom verbraucht - so viel wie eine vierköpfige Familie in einem Jahr", sagt er. Auch Ulrike Gottschalk (36) muss nachzahlen. "Im Winter habe ich mit Pullover geschlafen, weil es in meiner Wohnung so zugig war", sagt sie. Zudem seien Rahmenteile aus den Türen gefallen. In beiden Fällen soll der Eigentümer informiert gewesen sein, jedoch nicht reagiert haben. Georg Sendens Dachgeschosswohnung bekam ein neues Fenster, er durfte bleiben. Doch auch er will ausziehen. Der 54-Jährige hat genug. Er zeigt als Beispiel eine E-Mail, in der die Hausverwaltung ankündigte, etwaige Sperrmüllreste, die nach einer Abholung liegen bleiben, über die Betriebskosten abrechnen zu wollen. "Der Müll ist nicht von uns, sondern beim Umbau des Hauses entstanden", sagt Senden.

Der Hausbesitzer erklärte gestern auf Anfrage, er wolle sich zu den Vorwürfen nicht äußern.

Quelle: RP
 
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