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Viersen
Mit Christine Westermann in die zweite Lebenshälfte

Viersen. In der Bibliothek stellte die Journalistin und Autorin ihr Buch "Da geht noch was - mit 65 in die Kurve" vor. Von Sigrid Blomen-Radermacher

"Man hätte heute Abend auch schön auf dem Balkon sitzen können", sagt Christine Westermann und hat die Lacher auf ihrer Seite. Stattdessen ist sie an diesem spätsommerlichen Tag in Viersen und liest aus ihrem Buch "Da geht noch was - Mit 65 in die Kurve", und knapp 100 Gäste, die das Glück hatten, eine Karte zu ergattern, legen sich mit in die Kurve. Erstaunlich viele Männer, erstaunlich viele Zuhörer unter 65 Jahren hatten sich in die Stadtbibliothek begeben, um sich mit der Autorin in die Kurve zu legen. Deutlich spürbar, dass es nur nebenbei um das Thema Älterwerden und in der Hauptsache um die Person Christine Westermann geht: Kaum betritt sie den Saal, wird sie begrüßt wie eine alte Bekannte, die sie für viele, die sie aus Radio und Fernsehen kennen, ja auch ist. Nur, dass Christine Westermann es schafft, ihrerseits die Viersener wie alte Bekannte anzusprechen, das ist schon eine besondere Qualität. Wenn sie dann von ihrer Kehlkopfentzündung berichtet und um ein Hustenbonbon bittet, fliegen der Kölnerin die Bonbons wie im Karneval zu.

Mit einer Lesung der 1948 geborenen Journalistin, Moderatorin und Autorin begann die Veranstaltungsreihe "Generation plus. Aktiv in die zweite Lebenshälfte". Eine Reihe von Vorträgen und Lesungen bietet die Stadtbibliothek Viersen, gefördert vom Land NRW und in Zusammenarbeit mit der Kreispolizeibehörde, der Kreisvolkshochschule und der Stadt in den kommenden Wochen an, um sowohl unterhaltsam als auch informativ das Thema "zweite Lebenshälfte" zu beleuchten.

Kein Ratgeber - "davon gibt es schon genug" - ist Westermanns Buch. (Außerdem hat sie "keine Ahnung, wie das mit dem Älterwerden geht", wie sie freimütig bekennt.) Eher ist es eine persönliche Auseinandersetzung mit den Fragen, die sich Westermann stellte, als sie auf die 65 "zulief": "Wo will ich noch hin mit meinem Leben? Wo will das Leben noch mit mir hin?"

Westermann schafft es, das Format Lesung aufzubrechen: Klar, sie liest aus ihrem Buch, vier, fünf Passagen. Aber zwischendurch schiebt sie die Lesebrille in die Haare und beginnt zu erzählen: wie sie mal vor den Rotariern gelesen hat, welche Diät sie gerade macht, welche Siege sie im Kampf gegen sich selbst gerade mal gewonnen hat (sie kann jetzt beispielsweise zitronengelbe Turnschuhe tragen, ohne darüber nachzudenken, was die anderen von ihr denken), welche Kämpfe sie immer noch verliert, mal fragt sie nach der Uhrzeit, mal fragt sie, ob das Publikum "noch kann".

Und ob das noch kann. Christine Westermann bleibt einen Abend lang die alte Bekannte, die gut gelaunt, sympathisch und entspannt das Publikum für sich einnimmt. Die Zuhörer freuen sich schon jetzt auf Westermanns nächstes Buch und die Lesereise, die sie erneut nach Viersen führen wird.

Quelle: RP
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