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Schwalmtal
Mit dem Bürgerbus durch das Schwalmtal

Schwalmtal: Mit dem Bürgerbus durch das Schwalmtal
Wenn es draußen kalt und regnerisch ist, ist es im Bürgerbus warm und gemütlich. Ehrenamtliche Fahrer bringen seit über 14 Jahren Fahrgäste sicher zum Einkaufen, zum Arzt oder zum Schwimmbad. FOTO: Franz-Heinrich Busch
Schwalmtal. Ehrenamtliche Fahrer sorgen dafür, dass Einwohner der kleinen Orte mobil bleiben. Die Fahrer wissen immer viel zu erzählen. Von Robin Lukanz

Pünktlich kommt der Bürgerbus an der Haltestelle in Waldniel an. Es ist kalt, es regnet. Wie gut, dass es im Achtsitzer, den Fahrer Werner Palmen zur Haltestelle gelenkt hat, schön warm ist. Eine Seniorin und ein Paar mit Kind steigen in den Bus. Hinten auf der Rückbank gibt es einen Kindersitz, auch die Erwachsenen nehmen Platz. "Bitte alle anschnallen", ruft der Fahrer von vorn. Die Fahrgäste schnallen noch die Einkaufstaschen mit einem elastischen Band an der Innenseite des Wagens fest, dann geht die Fahrt los.

Dass es draußen kalt und regnerisch ist, vergisst man während der Fahrt schnell. Im Bürgerbus herrscht eine warme, beinahe familiäre Stimmung. "Normalerweise unterhält man sich während der Fahrt", berichtet Palmen.

Stammgäste nennen den Bürgerbus augenzwinkernd "Tratschtaxi". Fahrgäste erzählen gern "Geschichten von früher", und auch die Fahrer wissen viel zu erzählen - Historisches ebenso wie Aktuelles. Die Fahrer sind im Ruhestand, fahren den Bürgerbus ehrenamtlich und kennen sich in Schwalmtal aus. Auf der Fahrt von Waldniel durch Lüttelforst nach Hostert und weiter über Fischeln bis Amern macht Palmen auf viele interessante Orte aufmerksam: "Hier an der Straße gibt es zwei Flüchtlingsunterkünfte. Dort wird ein neuer Fahrradweg angelegt. Und dieses Grundstück auf der rechten Seite gehörte Konrad Adenauer." Während Palmen erzählt, den Wagen sicher von einer Schwalmtaler Sektion zur nächsten lenkt, ist zu spüren: Er sitzt mit viel Freude am Steuer. Er weiß, wie wichtig der Bürgerbus für viele Schwalmtaler ist. Und ihm gefällt der Kontakt zu den Menschen, die mitfahren. "Der Bus lässt keine Ortschaft aus, alles wird abgeklappert", sagt Palmen. "Sehr viele Mitfahrer sind Stammgäste. Ich weiß genau, wo sie wohnen und zusteigen." Als die Familie an einer Flüchtlingsunterkunft aussteigt, steht Palmen auf, hilft dem Paar dabei, die Einkaufstüten rauszutragen, und verabschiedet sich mit Händedruck. Mit anzupacken, zu helfen ist für ihn selbstverständlich.

Da kann es auch vorkommen, dass der Bus nicht nur direkt an der Haltestelle hält, sondern 500 Meter weiter noch einmal. "Solange wir die Strecke nicht verlassen, ist es auch möglich, ältere Mitfahrer vor ihrer Haustür herauszulassen, damit sie nicht so weit laufen müssen", erklärt der Fahrer. Er hält am Straßenrand vor einem Haus an. "Was gibt es heute zu essen für die Enkelkinder?", fragt Palmen, als die Seniorin den Bus verlässt. Er verabschiedet sich, dann rollt der Bus wieder los. "Sie fährt jeden Donnerstag um kurz nach elf die Enkel besuchen", erzählt er. Noch immer regnet es. Mal steigen Menschen zu, dann steigt ein Fahrgast aus. Über mehrere Haltestellen hinweg steigt weder einer aus noch einer zu. Das sei dem schlechten Wetter zu verdanken, meint Palmen. "Durchschnittlich fahren zwölf bis 15 Leute pro Runde mit", berichtet er. So voll, dass keiner mehr mitfahren könne, sei der Bus allerdings selten. Im vergangenen Jahr nutzten 7346 Fahrgäste das Angebot.

Seit über 14 Jahren verbindet der Bürgerbus die Schwalmtaler Ortsteile miteinander. Knapp 110.000 Kilometer legte der Bus in dieser Zeit zurück. Zwei Routen gibt es - die Waldnieler und die Amerner Route. Nimmt man beide Strecken zusammen, ist die Tour rund 88 Kilometer lang und dauert etwa eineinhalb Stunden. Unterwegs passiert der Bürgerbus Lebensmittelgeschäfte, Arztpraxen, Altenheim, Schulen und Schwimmbad. Das macht den Bus für Fahrgäste in jedem Alter attraktiv. Mit dem Freizeitpass, den Kinder und Jugendliche für die Ferien erwerben können, schwimmen sie nicht nur im Solarbad, so oft sie möchten, sondern können auch den Bus nutzen.

20 ehrenamtliche Fahrer gibt es, einige sind seit Beginn dabei, so wie Palmen. Er erinnert sich: "Der Bürgerbus wurde damals auf dem Waldnieler Weihnachtsmarkt im Dezember 2001 zum ersten Mal vorgestellt. Seit diesem Zeitpunkt fahre ich." Hört ein Fahrer auf, wird Ersatz gesucht. "Es war nie ein Problem, neue Fahrer zu finden", sagt Sabine Höpfner, die bei der Gemeindeverwaltung Schwalmtal den Bürgerbus betreut.

Die Fahrpläne für den Bus erstellt Hans-Josef van der Meulen. Er koordiniert die Fahrten. Gewartet wird der Bus von der NEW. Und so nehmen auch die Fahrgäste im Bürgerbus auf Sitzen Platz, wie sie in einem richtigen Linienbus zu finden sind.

Quelle: RP
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