| 00.00 Uhr

Viersen
Mit dem Kopf durch die Wand

Viersen: Mit dem Kopf durch die Wand
Mark Jenkins stellt in der Städtischen Galerie im Park seine Arbeit "Head in the wall" aus. Der Bildhauer hat sich als Streetartist einen Namen gemacht. FOTO: Busch
Viersen. Die Städtische Galerie im Park in Viersen zeigt ab Sonntag Arbeiten von Künstlern, die den Menschen in den Blick nehmen. Von Sigrid Blomen-Radermacher

In der Kunst ist bekanntlich alles möglich. Stellvertretend für den, der eben nicht mit dem Kopf durch die Wand kommt, präsentiert der amerikanische Bildhauer Mark Jenkins, geboren 1970, seinen "Head in the wall". In einem kleinen Raum der Städtischen Galerie im Park, oben in der ersten Etage, steht er, grau gekleidet, leicht vornüber gebeugt. Sein Kopf verschwindet in der Galeriewand. Täuschend echt, dieser Typ! Damit steht Jenkins, der sich als Streetartist einen Namen gemacht hat, in der Reihe der hyperrealistischen Bildhauer wie Duane Hanson, Robert Gober, Ron Mueck, die die Betrachter immer wieder zum genauen Hinsehen zwingen.

Genaues Hinsehen, neue Perspektiven einnehmen - dazu fordert die Ausstellung "Mensch im Blick/Stadtbesetzung II" heraus. Der Begriff "Stadtbesetzung II" verweist auf das Verbundprojekt des Kultursekretariats, innerhalb dessen vor zwei Jahren die Graffiti-Aktion in Viersen und Ausstellung stattfand. Die jetzige Ausstellung ist die Fortsetzung. Im "Mensch mit Blick" geht es um die Auseinandersetzung mit dem Menschen, mit seinen inneren und äußeren Bewegungen.

Die "Stadtbesetzung" findet zunächst ihren Ausdruck in den Fotografien der "bodies in urban spaces" der Wiener Willi Dorner Companie. Die "Körper im städtischen Raum" hängen zwischen Fassade und Fallrohr, verbinden mit weichem Körperschwung gar ein fehlendes Zwischenstück im Fallrohr, stapeln sich auf Treppen, füllen den Bogen eines Hauseingangs, knubbeln sich um eine Statue - man mag sich nicht sattsehen an den Körpern in bunter Kleidung, die zum öffentlichen und sehr kurzfristigen Kunstobjekt wurden. Viersener können am Samstag, 15.Oktober, auf einem Parcours durch die Stadt solche Kunstwerke genießen (11 und 15 Uhr).

Den Menschen im Blick hat Hendrik Beikirch, geboren 1974. In den in der Galerie gezeigten Werken ist es der marokkanische Mensch. Beikirch sprüht seine beeindruckenden Porträts auf Hochhäuser, Tunnelwände, Fabrikgebäude, sicher bis zu zwanzig Meter hoch. Seine Bilder zeigen ein eindrucksvolles und lebendiges, trotz der Größe intimes Porträt der Menschen.

Stefan Hurtig zeigt, wie eine Person sich zwar äußerlich einem sehr kritischen Blick stellt, dabei als Mensch aber völlig aus dem Blick gerät. In seinem Video bewegt sich ein Mann in einen Ganzkörperanzug durch den Raum und zitiert Heidi-Klum-Sätze aus ihrer Model-Show. Bezeichnender Weise lautet der Titel der Arbeit "Challenge". Die Sätze kritisieren und verurteilen den Menschen bis zu dem Punkt, als das vernichtende "Ich habe kein Foto für dich" kommt.

Betrachtet man Katharina Dietlingers Ölbilder, muss man schon genau schauen, bevor der Mensch in den Blick gerät. Sie malt Fußballstadien. Die wogende, aufgeregte Masse der Zuschauer, das dynamische Spiel auf dem Feld - all das wird zu winzigen gemalten Punkten, die sich nur in der Distanz zu einem lesbaren Bild verbinden.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Viersen: Mit dem Kopf durch die Wand


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.