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Viersen
Mit der Lebenshilfe auf Zeitreise

Viersen: Mit der Lebenshilfe auf Zeitreise
"Alle zeigen, was sie können": Die Theaterschar besteht aus Männern und Frauen zwischen 20 und 70 Jahren. Eine wichtige Rolle in dem Theaterstück spielt die Zeitmaschine (rechts auf der Bühne). FOTO: Knappe
Viersen. Seit 50 Jahren gibt es die Lebenshilfe im Kreis Viersen. 15 Frauen und Männer mit geistigen Behinderungen zeigten bei einem Theaterstück in der Süchtelner Königsburg, wie es zur Gründung kam — charmant, gut gelaunt, beeindruckend Von Ingrid Flocken

"Können Zeitreisende die Geschichte verändern?" Reporter Franz Babbel (Konstantin Bierbaum) und Theaterleiter Mark Vordermann (Michael Stenzel) fragen dies immer wieder und - ja - sie können es. Zumindest die Theatergruppe "Fledermaus" der Lebenshilfe Viersen kann es an diesem Wochenende in der Süchtelner Königsburg. Denn Bruno (Stephanie Jansen), Maggie (Joleen Schmitz), Dragon (Jürgen Gerth und der im Rollstuhl sitzende Andy (Andreas Kather) reisten "zurück zu den Anfängen" in die Steinzeit und helfen Menschen mit diesem Rollstuhl, indem sie einen neuen bauen und damit "das Rad neu erfinden".

Theaterpädagoge Maik Achtermann, der diese vor 20 Jahren gegründete Theatergruppe seit 2003 leitet, hat auch diesmal seine Truppe ermuntert, zu der Idee "Zeitreise" die Texte und die Figuren selbst zu erfinden und Wünsche zu äußern, wer was spielen möchte. Gemeinsam mit seiner Kollegin Christa Bauch, die auch für die Umsetzung der Kostüme und Maske verantwortlich ist, schreiben die Theatergruppe und Achtermann das Drehbuch. Denn alle 15 Spieler zwischen 20 und 70 Jahren sind geistig behindert - von frühkindlichen Hirnschäden über psychische Erkrankungen bis zu Borderline und Demenz. Doch das übersieht das Publikum, denn alle Akteure finden sich in ihre Rollen, spielen mit viel Spaß und gefühlvoll trotz manchmal chaotischem Gepräge.

Sie alle freuen sich über den nach den meisten Szenen herzlichen Beifall und wachsen so immer mehr in ihre Rollen. Die Gäste, meist Eltern und Großeltern, Geschwister und Freunde der Spieler, spornen diese immer wieder zu hohen Leistungen an. Und Hausherr Thomas Musen freut sich, dass die "Fledermaus" schon zum zweiten Mal in seiner Königsburg auftritt. Auch die Zeitmaschine, die Bühnenbildbauer Reinhold Heik für das Stück konstruierte, funktioniert ebenso wie die "Inklusion, denn alle zeigen, was sie können", so Maik Achtermann. "Ich bin schon seit fünf Jahren dabei und habe viel Spaß", erzählt die 31-jährige Stephanie Jansen in der Pause. "Wenn ich auch vorher viel lernen muss." Denn die Proben für die Aufführungen im April beginnen schon im Oktober.

Auch der 39-jährige Ruben Schröers ist von seiner Rolle und dem Theaterspielen begeistert: "Ich freue mich schon auf die Reise ins Jahr 1967, dem Gründungsjahr der Lebenshilfe." Die Steinzeitmenschen Elisabeth Woyke, Dirk Ross, Elmar Pastoors und Marie Fischer haben die Rollen des Elternrats übernommen, der erreichen will, dass seine geistig behinderten Kinder "nicht mehr arbeiten müssen, dass ihnen endlich geholfen wird". Doch von den Robotern (Steffi Kühlen, Jürgen Cox und Christina Martin) will sich keiner helfen lassen. "Wir können uns Lebenshilfe Viersen nennen." Sie brauchen auch den Zukunftsexperten Dragon nicht, der inzwischen noch im alten Ägypten war. "Hört nicht auf ihn. Jeder muss das selber schaffen, wie andere Menschen auch." Viel Beifall ist ihr Lohn. Dann schmieden sie Pläne, wie ihre Kinder "ein ganz normales Leben führen können". Und zum Schluss suchen sie ein Grundstück - in Süchteln. Standing Ovations, als Achtermann zum Schluss die Spieler vorstellt.

Quelle: RP
 
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