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Viersen
Mit Gefühl statt mit dem Spiegel

Viersen: Mit Gefühl statt mit dem Spiegel
Die Kosmetikerin Monika Ferdinand (r.) gibt der blinden Viersenerin Nina Odenius bei "Hirschhausens Quiz der Menschen" noch einige Schmink-Tipps. FOTO: WDR/Max Kohr
Viersen. Wenn heute Abend im Fernsehen "Hirschhausens Quiz des Menschen" läuft, dann ist auch die Viersener Studentin Nina Odenius dort zu Gast. Die 26-Jährige ist blind. Sie zeigt, wie sich auch Sehbehinderte schminken können Von Bianca Treffer

Lidschatten, Puder, Lipgloss und weitere Schminkutensilien liegen vor Nina Odenius. Mit tastenden Händen fährt die junge Frau über eines der kleinen Döschen. "Ich habe die Lidschatten markiert. Entsprechend ihrer Farben, damit ich weiß, um welchen Farbton es sich handelt", erklärt die 26-Jährige. Mit sicherer Hand benetzt sie einen Finger mit den feinen farbigen Pigmenten und fährt vorsichtig über ihr Augenlid, um einen Hauch von Blau aufzutragen.

Schminken ist für die blinde Viersenerin etwas ganz Normales, das sie seit Jahren selbstverständlich macht. Allerdings ist das noch lange nicht für alle blinden Frauen so. "Viele haben Hemmungen, Puder, Lidschatten, Rouge und Lippenstift aufzutragen, weil sie nicht im Spiegel kontrollieren können, wie es aussieht", sagt Odenius. Eine Scheu, die auch sie hatte, als sie im jungen Erwachsenenalter, unterstützt von ihrer Mutter, anfing, mit den Schminkutensilien zu hantieren - und langsam immer sicherer wurde. Zudem lernt Nina Odenius immer noch dazu. Sie hat beispielsweise in Köln die Kosmetikerin Monika Ferdinand kennengelernt, die Schminkkurse für Blinde anbietet und von ihr weitere Tipps bekommen.

Das geschah indes in einem besonderen Rahmen. Denn es war nicht irgendein Kurs, sondern die Viersenerin war zu "Hirschhausens Quiz des Menschen" eingeladen. Über einen sehbehinderten Bekannten vom Blinden- und Sehbehindertenverband erfuhr die Studentin, die gerade an ihrer Masterarbeit "Romanistik: Kulturkontakte und Kommunikation" schreibt, dass eine blinde junge Frau für die Quizshow gesucht wurde. Neuem steht die Viersenerin aufgeschlossen gegenüber, so hat sie unter anderem schon an einer Musikvideoproduktion als Hauptdarstellerin teilgenommen und Ski laufen ausprobiert. Der Bekannte "hat mich gefragt, ob das mit der Fernsehsendung nicht was für mich wäre. Ich habe ja gesagt und mich beworben", erinnert sich Odenius.

Dann ging alles ganz schnell. Der WDR meldete sich, es gab noch einige Absprachen und dann stand im September schon der Termin für die Probeaufnahmen in den Kölner Studios an. Dem folgte drei Tage später die eigentliche Aufzeichnung. "Es war schön. Eine tolle Erfahrung, aber auch anstrengend", sagt die junge Frau, die zusammen mit ihrer Mutter Angelika Odenius nach Köln fuhr und die prominenten Gäste der Quizshow kennenlernte, die am 13. Oktober in der ARD gezeigt wird.

In der Show berichtet Odenius von ihren eigenen Schminkerfahrungen und bekommt weitere Tipps. Ganz wichtig ist der blinden Frau immer, sich nie unter Zeitdruck zu schminken und "wenn ich doch einmal irgendetwas zu viel aufgetragen habe, bin ich anderen sehr dankbar, die mich darauf aufmerksam machen, um es korrigieren zu können", erzählt die 26-Jährige.

Die Sendung kann Nina Odenius übrigens nicht im Kreis von Familie und Freunden erleben. Sie ist derzeit in Italien, wo sie für drei Monate als Botschafterin für blinde und sehbehinderte Menschen im Einsatz ist. Es handelt sich um ein Praktikum in Pisa, das mit EU-Mitteln gefördert wird. Dabei sollen Unternehmen für Sehbehinderungen sensibilisiert werden, damit sie sich trauen, blinde oder sehbehinderte Arbeitnehmer einzustellen. Eine Aufgabe, die Nina Odenius übernommen hat. "Ich werde Vorträge in den Unternehmen halten und über meine Behinderung und den Alltag sprechen", berichtet sie. Die Sprache ist dabei kein Problem, da sie italienisch innerhalb ihres Studiums gelernt hat.

Quelle: RP
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