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Viersen
Mit Hip-Hop wird die ganze Welt ein Beat

Viersen. Patrick Arzten und Mark Predmestnykov sind als Tänzer erfolgreich. Die beiden Viersener traten in TV-Shows und im Theater auf und erzielten bei Hip-Hop-Wettbewerben sehr gute Platzierungen. Jetzt wollen sie Weltmeister werden. Von Birgitta Ronge

Vor neun Jahren besuchte Mark Predmestnykov zum ersten Mal die Tanzschule Fauth in Viersen. Seine Mutter hatte ihn zu einem Hip-Hop-Kursus angemeldet, überzeugt davon, dass das Tanzen für den Sohn genau das Richtige sei. Mark ging hin und blieb, auch wenn er sich dabei nicht immer ganz wohl fühlte, wie er rückblickend erzählt. "Ich war der einzige Junge in dem Kursus", sagt der heute 19-Jährige, "das war schon etwas komisch."

Komisch beim Tanzen fühlt er sich längst nicht mehr. Im Gegenteil: Die Begeisterung für Hip-Hop ist immer größer geworden. Und längst sind nicht nur Mädchen in den Kursen, sondern auch viele Jungen. Die Musik, die Beats, der Sprechgesang, die lässigen Bewegungen und Sprünge sprechen viele junge Leute an. So ging es auch Patrick Arzten, der vor elf Jahren die traditionelle Aufführung des Weihnachtsmärchens von Fauth besuchte und die Hip-Hopper sah. "Das fand ich so cool, dass ich gesagt habe: Das will ich auch lernen", erinnert sich Arzten. Also meldete er sich zum Kursus an.

Neben der Schule besuchten die beiden weiterhin Kurse für Hip-Hop, später kam Breakdance hinzu. Sie begannen, in Ensembles zu tanzen, traten mit der Fauth Dance Company beispielsweise in verschiedenen TV-Shows auf und waren bei den Produktionen "Black Rider" und "Blues Brothers" des Theaters Krefeld-Mönchengladbach als Background-Tänzer dabei.

Inzwischen unterrichten beide selbst junge Leute im Hip-Hop - Predmestnykov bei der Tanzschule Biggi Klömpkes in Krefeld und beim ASV Süchteln, Arzten bei der Tanzwerkstatt in Nettetal. Und sie haben als Duo zusammengefunden. Bei Hip-Hop-Wettbewerben treten sie seit 2014 gemeinsam an und erzielen damit bislang sehr gute Platzierungen. Zuletzt erreichten die beiden bei der Deutschen Meisterschaft der United Dance Organisation (UDO) in ihrer Kategorie den ersten Platz, seitdem sind sie Deutscher Meister. Damit qualifizierten sie sich auch für die Teilnahme an den World Street Dance Championchips, die vom 28. bis 30. August im schottischen Glasgow stattfinden. Dort möchten die beiden Viersener Weltmeister werden.

Für diesen Wettbewerb trainieren die jungen Tänzer nun. Im Hintergrund läuft leise Musik - nur so eigentlich, man könnte sie auch ausschalten. Denn welche Musik beim Turnier läuft, wissen die beiden noch nicht. "Es läuft irgendeine Musik, und man hat eine oder anderthalb Minuten Zeit zu zeigen, was man kann", erklärt Predmestnykov. "Die Jury will sehen, ob man mit der Musik klar kommt, darauf hört." Also arbeiten die beiden nun an einer Choreographie, die sie selbst entwickelt haben - und die sie spontan auf der Bühne werden anpassen müssen, je nachdem, welche Musik ausgewählt wird.

Im Hip-Hop ist das nicht ungewöhnlich. Bei "Battles" beispielsweise, den tänzerischen Wettkämpfen, treten Tänzer gegeneinander an - die Juroren entscheiden, wer die Musik durch seine Bewegungen besser interpretieren kann und weiterkommt.

Doch irgendein Zeichen dafür, dass es losgeht, brauchen auch Arzten und Predmestnykov. Also zählt einer an: "Fünf, sechs, sieben, acht", und dann muss jeder im Kopf für sich weiterzählen, immer im Takt. Das ist wichtig, sie wollen ja synchron sein - wichtiger Teil des Duo-Tanzes. Da geht es nicht, dass der eine schneller ist als der andere. Kein leichtes Unterfangen, wenn die Musik kaum zu hören ist.

Für die beiden Viersener ist die ganze Welt ein Beat. "Ich tanze immer", sagt Predmestnykov. "Wir hören grundlegend Hip-Hop", erzählt der 19-Jährige. "Und wir sind immer ganz sauer, wenn wir in Diskotheken sind und aus gutem alten Hip-Hop Techno gemacht wird." Grundsätzlich sei er aber offen für alles, das gelte für Musik ebenso wie für Tanzstile. Für die Theaterproduktionen setzten sich die beiden mit Modern Dance und Improvisationstanz auseinander. Und die Songs von Michael Jackson seien ohnehin "eine Grundlage, ein Klassiker", auch für Hip-Hopper.

Das Tanzen nimmt für beide einen großen Teil der Freizeit ein, weil sie selbst tanzen oder unterrichten. Doch vom Tanzen zu leben sei schwierig, meint Predmestnykov: "Man weiß nie, was passiert - gerade bei Extremsportarten wie Breakdance." Der 19-Jährige will auf Nummer sicher gehen, er hat gerade Abitur gemacht und möchte jetzt ein BWL-Studium beginnen. Auch der 24-jährige Arzten ist kein Berufstänzer, sondern Fleischermeister. Doch die beiden wollen sich weiterentwickeln, Workshops geben, bei Auftritten Erfahrungen sammeln. Aufgeregt seien sie immer, gibt Predmestnykov zu, "und das ist das Wichtigste. Man ist voller Adrenalin. Wenn man nicht aufgeregt ist, macht man Fehler."

Nach neun Jahren mit Hip-Hop hat Predmestnykov längst erkannt, dass die Mutter damals das Richtige tat, als sie ihn zum Kursus bei Fauth anmeldete. Heute ruft er sie sofort an, wenn er bei einem Turnier war - seine Mutter möchte schließlich wissen, wie es gelaufen ist und wie die beiden jungen Männer abgeschnitten haben. Und sie dürfte sehr stolz auf ihren Sohn sein.

Nach ihren Initialen haben sich Patrick Arzten und Mark Predmestnykov "Pamp Production" genannt. So sind sie bei Facebook zu finden. Die beiden treten auch auf Hochzeiten, Festen oder Betriebsfeiern auf.

Quelle: RP
 
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