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Viersen
Mit Spaten und Äxten gegen Gestrüpp

Viersen: Mit Spaten und Äxten gegen Gestrüpp
Die Naturfreunde arbeiten hart, um das Tal im Grenzwald vom wild wuchernden Gehölz zu befreien. FOTO: Burghardt
Viersen. Beim grenzüberschreitenden Natur-Werktag befreien rund 40 ehrenamtliche Helfer ein besonders schützenswertes Tal im Grenzwald von wild wuchernden Gehölzen. Von Joachim Burghardt

Klein, scheu und ziemlich flink: "Kijk eens!" ruft Jolle und zeigt auf den Weberknecht, der elegant und flott über seinen Pullover läuft. Die anderen Kinder stehen um den Sechsjährigen und staunen, wie das hübsche Spinnentier über die Schulter des Jungen und den Rücken nach unten huscht, schließlich in der Laubstreu verschwindet. Dann sammeln sie weiter Äste und Zweige auf, stapeln sie aufeinander. Selbst die Kleinsten helfen mit, den Wald auszulichten, diesen einzigartigen Lebensraum für seltene Tiere und Pflanzen vom störenden Gestrüpp zu befreien.

"Das tut gut, in der Natur was zu machen, und für die Kinder ist es mal was anderes als ständig nur Computer oder Smartphone", meint Rob Dekkers und wischt sich mit dem Arbeitshandschuh den Schweiß von der Stirn. Er holt ein paar mal tief Luft und gibt zu: "Ein bisschen vermoeiend, wie sagt man, anstrengend!" Rob stützt sich auf den Spaten und schaut vom Hang ins kleine Tal. Unten in der Senke schimmert Wasser durchs Schilf, ringsum lichte Stellen mit Kräutern und Stauden, mittendrin überall Büsche und Bäume. Geradezu idyllisch, ja romantisch hier, wären nicht überall Gruppen von Leuten mit Werkzeugen zugange.

Und wieder sticht Rob mit dem Spaten in den Boden, die Kinder um ihn herum zerren und ziehen an den Wurzeln, die aus dem Boden sollen. Ein Mann im hellen Hemd kommt dazu, die Abzeichen weisen ihn als Boswachter aus. "Hier sind so viele Sträucher, Triebe und Wurzeln, das könnten Schafe gar nicht alles wegknabbern", sagt Robbert Ouwerkerk. Der Förster des niederländischen Reviers packt auch mit an im Naturschutzgebiet auf deutscher Seite: "Für die Natur spielt die Grenze keine Rolle, und an diesem Aktionstag schon gar nicht."

Alle wollen sie mithelfen, dass dieses als "Hühnerkamp" bekannte biotopische Kleinod nahe Haus Malbeckerhöhe, ursprünglich ein Heidegebiet, seinen Charakter behält. Rund 40 Naturfreunde jedes Alters haben sich zum grenzüberschreitenden Natur-Werktag angemeldet, sie graben und sägen und stechen und reißen, schlagen mit Äxten und schneiden mit Astscheren: Schuhe und Hosen schlammverschmiert, in der Nacht zuvor hat es geregnet. Überall liegen Jacken auf dem Boden, es ist warm, kaum ein Lüftchen, Schwüle und Schweiß und Modergeruch, am Waldrand auf der anderen Seite der Senke flattert ein Habicht kurz auf und verschwindet schnell wieder zwischen den Bäumen. Eine Frau stakst durch eine graue lehmige Kuhle, Wasser gluckst unter ihren Schuhen. "Das ist die Badewanne der Wildschweine, die suhlen sich hier", erklärt Silke Weich von der Zentrale des Naturparks Maas-Schwalm-Nette in Roermond. Sie macht sich auf, Verpflegung für die Helfer zu besorgen: "Pilzsuppe und Brötchen!" Währenddessen erläutert Monika Deventer, beim Kreis Viersen für Natur und Landschaft zuständig: "Hier wurden Kammmolche, Waldeidechsen und seltene Pflanzen nachgewiesen, wir arbeiten daran, dass das Biotop nicht zuwuchert." Bei so viel Action ist allerdings kaum ein Tier zu entdecken, bis auf einen keckernden Zaunkönig, einen lachenden Grünspecht - und den Weberknecht, der über Jolles Pullover gehuscht ist. Die Entdeckung des Weibchens der Art Mitopus morio, im Spätherbst besonders rege, ist ein gutes Zeichen: Diese Art lichten, feuchten Wald.

Quelle: RP
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