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Niederkrüchten
Models für einen Tag

Niederkrüchten. Seit Januar produziert das Frauenmagazin "Brigitte" Fotostrecken ohne Models. Ganz normale Frauen präsentieren Mode und Beautyprodukte. Eine spannende Erfahrung für Familie Fleissgarten aus Overhetfeld. Von Wiltrud Wolters

Als die zwei Pakete mit dem Kunstschnee mitten im September angeliefert wurden, musste Sabine Fleissgarten schlucken. Worauf hatte sich die Familie aus Overhetfeld da eingelassen? "Das war schon ein komisches Gefühl", sagt die 48-Jährige. Die "Brigitte", eines der bekanntesten Frauenmagazine Deutschlands, hatte sich zum weihnachtlichen Fotoshooting mit der gesamten Familie, Pferd und Hunden in Overhetfeld angesagt. Das seltsame Gefühl war aber wie verflogen, als die Redakteurin, der Fotograf, der Visagist und die Assistenten mit einem Kleinbus und jeder Menge Klamotten und Dekorationen aus Hamburg anrückten.

"Das war ein lustiger Tag", meint die Mutter von drei Kindern im Nachhinein. Und eine wertvolle Erfahrung, jedenfalls für den 20-jährigen Sohn Lukas und seine Geschwister Julia und Timm. "Mit dem Visagist hatte ich nicht gerechnet. Es ist mal was anderes, so fertig gemacht zu werden", erinnert sich der Zivildienstleistende, der nebenbei noch eine Musikschule leitet.

"Es hat Spaß gemacht"

Toll geschminkt ging es in das neue Outfit. "Western und Cowboy" lautete das weihnachtliche Thema, entsprechend hatte die "Brigitte"-Crew die Auswahl getroffen. "Der Poncho ist schon schön, aber ich würde niemals einen Cowboy-Hut aufsetzen. Und meinen Mann würde ich sicher nicht in eine rote Jacke stecken. Niemals", erklärt Sabine Fleissgarten. Doch sonderlich große Wahlmöglichkeiten blieben nicht. "Irgendwie kommt man sich so fremdbestimmt vor. Wir haben uns aber nicht unwohl gefühlt, denn die Leute haben uns das leicht gemacht. Es hat Spaß gemacht", sagt die Krankenschwester aus dem Lobbericher Krankenhaus. Der schwierigste Akt waren die Fotos selbst. Die fünf Familienmitglieder sollten cool und streng daherkommen, doch den Tieren konnte man das nicht klarmachen. "Immer wenn wir aufgestellt waren, bewegte sich eines der Tiere", erzählt Lukas Fleissgarten. Cora und Feika, die beiden Ponys, und die Hunde Lucy und James hatten offenbar so viel Interessantes zu bestaunen, dass sie nicht lange in ihrer Position verharren wollten. Vier Stunden dauerte die ganze Prozedur. Rund 400 Fotos wurden geschossen. Das, was am Ende veröffentlicht wurde, zeigt die Familie mit besonders strengem Ausdruck. "Vor allem mein Mann blickt sehr ernst. Eigentlich sind wir gar nicht so", sagt Sabine Fleissgarten.

Das besondere Erlebnis hatten die Fleissgartens einem Zufall zu verdanken: Eine Freundin von Tochter Julia brachte die Familie ins Spiel. Sie absolvierte im Sommer ein Praktikum bei der "Brigitte" in Hamburg und fragte nach, ob bei der Familie Interesse bestünde. "Wir haben mal so lax Ja gesagt, weil wir dachten, dass wir sowieso nicht genommen würden", erinnert sich Sabine Fleissgarten.

Doch bereits die ersten Bilder von Sohn Timm, der später Fotograf werden möchte, überzeugten die Redaktion.

Quelle: RP
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