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Viersen
Musik zwischen Ost und West

Viersen: Musik zwischen Ost und West
Das Klenke-Quartett und das Auryn-Quartett waren einzeln, aber auch gemeinsam in der Festhalle zu hören. FOTO: Busch
Viersen. 25 Jahre nach der Wiedervereinigung erinnerten zwei Quartette an das Musikleben in DDR und BRD. Von Gert Holtmeyer

Schichtwechsel sind in Produktion und Handel an der Tagesordnung, bei Kammerkonzerten kommen sie normalerweise nicht vor. Eine Ausnahme war in der Festhalle zu erleben. Da spielte zuerst das Klenke-Quartett mit Annegret Klenke und Beate Hartmann (Violine), Yvonne Uhlemann (Viola) und Ruth Kaltenhäuser (Violoncello). Dann kam zur Ablöse mit Matthias Lingenfelder und Jens Oppermann (Violine), Stewart Eaton (Bratsche) und Andreas Arndt (Cello) das Auryn-Quartett auf die Bühne.

Der Team-Wechsel war durchs Programm bedingt. Die beiden renommierten Quartette hatten sich zusammengetan, um einmal Werke der seltenen Gattung Streich-Oktett zu spielen. Und bei der Gelegenheit erinnerten das Damenquartett aus Ost- und das Herrenquartett aus Westdeutschland im 25. Jahr nach der Wiedervereinigung daran, dass sich zur Zeit der deutschen Teilung auch das Musikleben in DDR und BRD recht unterschiedlich entwickelte. Klenke (Ost) erinnerte mit fünf hervorragend gespielten Sätzen für Streichquartett (1961) an den in der DDR erfolgreichen Komponisten Günter Kochan. Stilistisch orientiert sich seine Komposition stark an Schostakowitsch. Es ging weder avantgardistisch noch traditionalistisch zu. Expressiv klang das Adagio, munter das gezupfte Vivace. Tadelloses Spiel bot auch die Abteilung West: Auryn spielte das 1983 entstandene Streichquartett von Manfred Trojahn. Der wurde 1949 in Niedersachsen geboren und ist 19 Jahre jünger als Kochan. Auch wenn der Unterschied von Alter und Entstehungszeit nicht übersehen werden darf: Stilistisch liegen Welten zwischen den beiden Werken. Trojahns Stil ist deutlich moderner, erinnert eher an György Sándor Ligeti. Spieler und Hörer werden mit ungewohnten Klängen konfrontiert, mit schneidenden Flageoletts und harten Schlägen.

Grandios gelang auch das Zusammenspiel der beiden Quartette in den Oktetten von Schostakowitsch und Mendelssohn-Bartholdy. Deutlich war den Spielern die Freude am gemeinsamen Musizieren anzumerken. Schostakowitschs zwei Stücke für Streichoktett op. 11. wurden mit großer Intensität im einleitenden Adagio, pfiffiger Raffinesse im Scherzo und fesselnder Vitalität im Schlusssatz wiedergegeben.

Fürs zweite Oktett löste Matthias Lingenfelder Annegret Klenke in der Rolle des Primarius ab. Mendelssohns Streichoktett op. 20 ist ein großartiges Werk. Schwer zu glauben, dass der Komponist es im Alter von 16 Jahren veröffentlichte. Großartig war auch die Wiedergabe: Die reizvolle Mischung von Leichtigkeit und Melancholie, die für das Werk charakteristisch ist, wurde glänzend zum Ausdruck gebracht. Geheimnisvoll klang das Scherzo, rasant der Schluss-Satz. Begeisterten Beifall gab es aus dem Publikum.

Quelle: RP
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