| 00.00 Uhr

Brüggen
Musikalische Reise durch Stile und Epochen

Brüggen. Bei der dritten "Brüggen Klassik" hatten die Musiker endlich Glück mit dem Wetter. Am Sonntag reichten zum Teil die Stühle vor den Bühnen nicht aus. Viele Besucher blieben staunend stehen. Von Angela Wilms-Adrians

Die Erinnerung an das Unwetter von vor einem Jahr war immer wieder präsent, als sich Petrus zum diesjährigen Open-Air-Festival "Brüggen Klassik" von seiner allerbesten Seite zeigte. Brigitte Hoth vom Ensemble Con Spirito erinnerte etwa an die Flucht in den Kultursaal. Dieses Mal aber blinzelten die vier Damen gegen die Sonne, als sie ihre Zuhörer auf eine musikalische Reise durch Stile und Epochen mitnahmen.

Im schwungvoll einladenden Spiel starteten Hoth, Michalina Knull-Mausen (Violine), Sylwia Kessels (Violoncello) und Oxana Kolts (Klavier) mit Beispielen der Renaissance. Zur Klassik stellten sie sich mit erfrischender Leichtigkeit vor, gefühlvoll fingen sie den lyrisch romantischen Charakter von Michail Glinka "Romanze" ein. Mit Dvoraks Slawischen Tänzen bereitete Con Spirito den Umschwung zur niveauvollen Wiener Caféhausmusik vor. Diese werde oft zu Unrecht gescholten, befand die Flötistin, die wie ihre Mitstreiterin eine klassische Ausbildung absolviert hat, aber auch den Reiz der Hits vom Broadway zu schätzen weiß.

Die Zuhörer lauschten, applaudierten gerne, nutzten aber auch die Möglichkeit, zwischen der Rundbogenbühne und dem Musikmarkt auf dem Kreuzherrenplatz hin und her zu wandeln oder sich eine Pause in den Restaurants und Cafés zu gönnen. "Hier kannst du gar nicht alles hören. Da musst du dich entscheiden", sagte eine Frau zu ihrer Bekannten mit Blick auf das Programm. Beide warteten nach dem Auftritt eines Streichquartetts der Kreismusikschule Viersen auf die Geigenspielerin Eva Otto. Die Zwölfjährige begeisterte am frühen Nachmittag ihr Publikum auf dem Kreuzherrenplatz. Da reichten die aufgestellten Stühle nicht, denn viele blieben staunend stehen angesichts des beeindruckend anspruchsvollen Programms. Eva hat das sympathische Aussehen eines Mädchens ihrer Altersklasse, doch die Reife ihres Spiels lässt das jugendliche Alter beinahe vergessen. Sie beherrscht ihr Instrument souverän, wandlungsstark und ließ die Geige temperamentvoll jubeln, säuselnd fein wie aus einer fernen Welt erklingen oder geheimnisvoll singen - durchweg im auswendig servierten Repertoire. Zunächst garantierte die 13-jährige Kha-Tu Julia Nguyen eine wunderbare Begleitung am Klavier. Später übernahm Vater Marcel Otto diesen Part.

"Hallo Brüggen, ich freue mich, auch dieses Jahr wieder dabei sein zu dürfen", rief die deutsch-niederländische Sopranistin Sarah Bouwers ihrem Publikum zu. In bester Crossover-Manier startete sie mit Oper, wechselte zu Jazz, Musical und Revue. Zu dramatischen Opernmelodien wurde es nicht nur dem Publikum warm ums Herz. Bouwers streifte irgendwann die High Heels ab, um ergänzend zu ihren musikalischen Qualitäten darstellerisches Talent zu beweisen. Hinreißend war etwa ihr Auftritt zu Friedrich Hollaenders Couplet "Die Kleptomanin". Zum Paradebeispiel für ihre Kunst des Crossovers wurde ihre Interpretation eines eigenen Textes zur bearbeiteten Melodie. Im fantastischen Mix kombinierte Bouwers in Sekundenschnelle die Genres.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Brüggen: Musikalische Reise durch Stile und Epochen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.