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Eisengießerei in Viersen
Nach 109 Jahren ist nun der Ofen aus

Eisengießerei in Viersen: Nach 109 Jahren ist nun der Ofen aus
Heißes Eisen: Ein Produktionsschwerpunkt der Firma Güsken liegt seit jeher auf "handgeformten Guss". Eine schlechte Auftragslage, harte Konkurrenz aus dem Ausland und Schwierigkeiten am Standort führten zu der Entscheidung, das Unternehmen zu schließen. FOTO: Busch
Viersen. Viele Jahre hat sich die Eisengießerei Güsken gegen die Globalisierung, wirtschaftliche Turbulenzen und widrige Umstände am Standort gestemmt. 109 Jahre nach Gründung gehen jetzt die Öfen endgültig aus. Von Sabine Janssen

Umweltauflagen hin, Immissionsschutz her. Wo Koks befeuert und Eisen gegossen wird, gibt es Staub und Qualm. Wenn die Eisengießerei dann zwar in einem Gewerbe- und Industriegebiet liegt, aber von Wohngebiet umgeben ist und sich in der Nähe des Dülkener Zentrums befindet, liegen die Konflikte vor der Tür. Da mag das Unternehmen noch so traditionsreich sein wie die Eisengießerei Güsken.

Der Textilmaschinenfabrikant Jean Güsken hatte das Areal 1906 gekauft und eine Gießerei gebaut. Seinen Sohn Wilhelm (28) setzte er als Geschäftsführer ein. Am 25. Mai 1907 wurde das erste Eisen "vergossen". Markenzeichen war der Grauguss. Güsken belieferte Hersteller von Maschinen-, Pumpen- und Elektromotoren. 200 Fachkräfte haben dort in guten Zeiten gearbeitet. Als einzige von rund 30 Eisengießereien, die es in den 1970er Jahren in und um Dülken gab, haben sie als einzige die Krisenjahre der Schwerindustrie überstanden. 109 Jahre nach der Gründung gehen nun auch an der Wasserstraße die Öfen aus. Endgültig.

Aus für ein Traditionsunternehmen: Die Eisengießerei an der Wasserstraße stellt ihre Produktion Ende November ein. Danach wird das Unternehmen abgewickelt. Rund 35 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz. FOTO: Busch Franz-Heinrich sen.

Konkurrenz aus dem Ausland und Probleme vor Ort

"Es gibt ein Sammelsurium von Gründen für die Schließung", sagt Rüdiger Bochannek, seit 20 Jahren im Unternehmen und seit drei Jahren Geschäftsführer. Natürlich haben die billige Konkurrenz aus dem Ausland und die Umweltauflagen in Deutschland dem Unternehmen zu schaffen gemacht. "Aber es gab auch Probleme vor Ort. Ich hatte den Eindruck, dass uns das Leben schwergemacht wird", sagt Bochannek.

Rund um das 12.000 Quadratmeter große Gelände der Eisengießerei habe man immer mehr gebaut: den Edeka-Markt, dessen Kunden mal einen Großeinsatz der Feuerwehr auslösten, weil dunkler Rauch aus dem Schornstein der Eisengießerei kam; den Busbahnhof, der mit seiner Verkehrsinsel die Lastwagen der Eisengießerei behindert; den öffentlichen Parkplatz, dessen Benutzer sich beschweren, wenn sich grauer Staub auf ihrem geparkten Pkw absetzt und die Polizeistation am Mühlenberg im ehemaligen Finanzamt.

Giesserei musste für Reinigungsarbeiten am Polizeigebäude aufkommen

"Auch wenn unsere Emissionen unterhalb der Grenzwerte liegen, werden wir für Schäden verantwortlich gemacht. Das Land NRW hat zum Beispiel eine Schadensersatzforderung in sechsstelliger Höhe für einen Großschaden der Polizei geltend gemacht. Dabei ging es um Reinigungsarbeiten am Polizeigebäude", erzählt der Güsken-Geschäftsführer. Die Versicherung habe den Schaden beglichen. "Sollte so etwas noch einmal passieren, wird die Versicherung uns kündigen", weiß Bochannek. Und spätestens dann hätten wir die Produktion einstellen müssen", sagt der Geschäftsführer.

Die Technische Beigeordnete der Stadt Viersen, Beatrice Kamper. findet es schade, dass das alt eingesessene Unternehmen schließt. "Natürlich genießt Güsken Bestandsschutz. Aber ich weiß auch, dass es in gemischt-genutzten Quartieren leicht Konflikte gibt. Die Nutzung hat sich verdichtet. Erweiterungsflächen für das Unternehmen gibt es nicht."

Industriearbeitsplätze gehen verloren

Auch die IG-Metall bedauert die Schließung der letzten Eisengießerei Dülkens. "Da gehen gut 30 qualifizierte Industrie-Arbeitsplätze verloren. Logistik-Unternehmen fressen viel Fläche, aber bringen oft nur wenig qualifizierte Arbeitsplätze", sagt Frank Taufenbach, Gewerkschaftssekretär der IG Metall. Für die spezialisierten Facharbeiter werde es nicht leicht, eine neue Arbeit zu finden.

Der Gewerkschafter moniert ebenfalls, dass man Güsken das Leben schwergemacht habe. "In Gesprächen sagten uns die Gesellschafter, dass an ihrem Standort keine Umrüstung auf moderne Technik erlaubt sei. Eine Umstellung von Koks- auf Elektrobefeuerung sei da zum Beispiel nicht möglich gewesen. Dies seien Entscheidungen im kommunalpolitischen Raum gewesen. Die Stadt Viersen weist den Vorwurf zurück. "Die Entscheidungen über Erweiterung und Modernisierung fallen unter das Bundes-Immissionsschutzgesetz. Dafür ist die Bezirksregierung Düsseldorf zuständig", sagt Stadt-Sprecher Frank Schliffke.

Quelle: RP
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