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Viersen
Nach zwei Minuten hisste Wagner die weiße Fahne

Viersen. Der Himmel weinte. Man weiß nicht, ob er mit der schlotternden Besatzung des Rathauses fühlte oder ob ihm die zuversichtlich-bange Rede des Bürgermeisters die Ventile seiner Schleusen öffnete. Während sich in "Puckis Kneipe" die Möhnen zusammenrotteten, wandte sich Christian Wagner von der Cafeteria aus an sein Volk im Hinterhof des Rathauses. Spuren eines ersten internen Angriffs auf seine Würde waren unübersehbar: Der Schlips war morgens meuchlings im Vorzimmer von Jennifer Goertz durchtrennt worden, fürs brave Stillhalten erhielt er ein Bützchen. Die in stilvollem Blau gewandeten Damen präsentierten wenig später ihre Trophäe auf der Treppe des Rathauses. Von Vom Tüter

Schon da hätte Christian Wagner dämmern müssen, dass ihn weder sein Erster Beigeordneter Armin Schönfelder noch die in seiner Wohnstatt ansässige Schaager Karnevalsgesellschaft heraushauen würden, wenn erst der Sturm beginnen würde. Interessierte Zuschauerin der allmählichen Zuspitzung war die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche, die mit ihrer Kostümierung bereits deutliche Absetzbewegungen vom Chef dokumentierte. Im Hof bauten unterdessen Hochwürden Uli Clancett und sein getreuer Musikus Jürgen Inkmann ihre Anlage auf. Im 36. Jahr moderierte der Lobbericher Ex-Abiturient und heutige Regionaldekan des Sprengels Jüchen-Mönchengladbach die Unausweichlichkeit der sich abzeichnenden Niederlage, was Inkmann mit Tuschs begleitete.

Um 15.40 Uhr erhob sich das Prinzenpaar Stefan II. und Bianca I. in die Luft. Da die Nettetaler Feuerwehr noch immer nicht über Drohnen verfügt, kletterte das Paar in den Korb der Drehleiter und ließ sich allmählich anschwellende Narrenschar zu ihren Füßen schwenken. Umgeben von den offiziellen Abordnungen aller Netter Narren schaute der Bürgermeister angestrengt in die Ferne und erinnerte sich des Wortes eines seiner Vorgänger: "Die Garde säuft, aber sie übergibt sich nicht." Eine unheilvolle Masse tiefschwarzgrauer Gestalten näherte sich jetzt aus der Tiefe des Raumes. Die Möhnen mussten nicht lange die Übergabe des Rathauses einfordern, als sie pünktlich um 16.11 Uhr die Belagerung begannen. Bereits um 16.13 Uhr erschien die weiße Fahne auf den Zinnen. Der Bürgermeister hatte vorgesorgt und viel Verhandlungsstoff bereitstellen lassen. Die Möhnen rissen die Macht an sich, um 16.16 Uhr tanzten und schunkelten die Massen. Es regnete nicht mehr. Nettetal ist in Narrenhand.

Quelle: RP
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