| 00.00 Uhr

Brüggen
Nachbarn gegen Flüchtlingsunterkunft

Brüggen: Nachbarn gegen Flüchtlingsunterkunft
Das Haus wurde früher von der Firma Menz & Könicke genutzt. FOTO: Busch
Brüggen. Am Bernhard-Röttgen-Waldweg sollen 60 Menschen untergebracht werden. Anwohner äußerten nun bei Bedenken und kritisierten die späte Information. Von Wiltrud Wolters

Anwohner drängen sich dicht an dicht in den leeren Räumlichkeiten der Firma Menz & Könecke am Bernhard-Röttgen-Waldweg in Brüggen. Die Sorgen stehen ihnen ins Gesicht geschrieben, denn ab dem 1. April sollen 60 Flüchtlinge ihre neuen Nachbarn werden. Die Gemeinde Brüggen plant, entsprechende Räume der Firma Menz & Könecke, die nach Niederkrüchten umgezogen ist, anzumieten und dort Flüchtlinge unterzubringen. Dagegen wollen sich die Bürger wehren. "Was zu viel ist, ist zu viel", sagen sie. Sie haben bereits die Bürgerinitiative Bernhard-Röttgen-Waldweg gegründet und wollen den Antrag stellen, vom Standort dieser Unterkunft in ihrer Wohnstraße Abstand zu nehmen.

Bürgermeister Frank Gellen hat an diesem Abend bei der Information der Bürger, die er gemeinsam mit Bauamtsleiter Dieter Dresen und Gerd Schwarz sowie Mitarbeitern des Sozialamtes und mit der Unterstützung durch zwei Polizisten durchführt, keinen leichten Stand. Derzeit leben in der Gemeinde 321 Flüchtlinge. Gellen geht davon aus, dass die Gemeinde bis zum 1. April aufgrund der verstärkten Zuweisung 100 neue Plätze schaffen muss. "Wir suchen händeringend, aber es ist schwer auf dem Mietmarkt", sagt er. Drei bis fünf Wohnungen pro Woche würde man benötigen.

Von daher sei es ein Glück, so Gellen, dass sich die Möglichkeit eröffne, bei Menz & Könecke leerstehende Räume zu mieten. "Es steht aber noch nichts fest", meint Gellen. Aktuell existiert ein Vorvertrag, die Versicherung beider Seiten müssen sich noch verständigen. Der Bürgermeister geht davon aus, dass sich kurzfristig eine Einigung erzielen lässt. Sollte das gelingen, wird der jährlich verlängerbare Mietvertrag bis zum 31.12.2017 geschlossen und das Gebäude für 60 Flüchtlinge umgebaut. Sanitäranlage müssen gebaut werden. Gemeinschaftsräume und Schlafräume mit Etagenbetten ausgerüstet werden.

Die Bürger wollen das alles nicht. Es stört sie massiv, nicht schon im Vorfeld eingebunden worden zu sein, sondern erst nach Grünpflegearbeiten und einer "Indiskretion", so Gellen, von dem Vorhaben Wind bekommen zu haben. Das wollte Gellen so nicht stehen lassen. Die Information der Bürger über die Presse sei gängig. Zudem seien die Anwohner nun aktuell per Postwurfsendung informiert worden - die aber, wie eine kleine Umfrage zeigte, offensichtlich nicht überall angekommen ist.

Ein zweiter Kritikpunkt gilt der Konzentration von Flüchtlingen und Asylbewerbern im Umfeld, denn auch der Jägerhof, mit etwa 50 Flüchtlingen belegt, ist in der Nähe. Die Ballung sei nicht verträglich für ihre kleine Straße, meinen die Bürger. Besorgte Mütter äußern die Angst, ihre Kinder alleine auf die Straße und zur Bushaltestelle gehen zu lassen. Wenn schon Flüchtlinge, dann sollten es doch möglichst Familien sein. Wieder andere fürchten die Lärmbelästigung, wenn die Flüchtlinge sich vornehmlich vor der Tür aufhalten, und beklagen die Wertminderung für ihre Immobilien. Auch ein einheitlicher Sichtschutz vor den Fenstern, um nicht auf bunte Tücher blicken zu müssen, kommt zur Sprache. Die Idee, einen Polizisten von der Wache im Zentrum an den Bernhard-Röttgen Waldweg zu verlagern, um die Sicherheit zu gewährleisten, kann Gellen nicht aufgreifen. Die Polizei sei Sache des Kreises. Die Gemeinde habe aber einen Security-Dienst beauftragt, sagt Gellen.

Die Ängste sind vielschichtig, aber auch die Ohnmacht der Bürger wird immer wieder deutlich. Allerdings auch die des Bürgermeisters. "Für die Flüchtlinge wird alles getan. Was tun Sie für die Bürger?", muss er sich fragen lassen. So viele Angebote kann er nicht machen: "Wir haben eine Aufgabe zu lösen - und wir müssen", sagt Gellen.

Die Diskussion wird weitergehen. Die Bürger kündigen an, alle Schritte ausschöpfen zu wollen. "Wir geben nicht auf", sagt ein Anwohner.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Brüggen: Nachbarn gegen Flüchtlingsunterkunft


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.