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Dures Kückemanns
Nervus appus

Viersen. Mein Neffe Thomas Oliver war beim Arzt. Er hatte Schmerzen im linken Arm und im rechten Handgelenk. Der Arm ließ sich nicht mehr strecken und in der linken Hand traten Gefühlsstörungen vom Daumen über den Zeige- bis zum Mittelfinger auf. "Ich habe das iSyndrom", erzählte Thomas Oliver, als er dick bandagiert an Arm und Hand zu mir kam. Dann schob er mir sein Schlaufon herüber. Ursache sei die Überlastung des Weichteilgewebes seitlich der Wirbelsäule und in Fortsetzung der Armnerven Radialis, Medianus und Ulnaris. Im linken Arm sei der Karpaltunnel irgendwie verstopft, und die Gefühllosigkeit der drei Finger in der rechten Hand gehe auf Abnutzungserscheinungen des Nervus medianus zurück.

"Mein Gott, Junge, wie kommst du in so jungen Jahren an ein Krankheitsbild, das dem Sanierungsgutachten der Leverkusener Brücke ähnelt?" fragte ich besorgt. Ich bin fachlich im Bilde, weil die Männerselbsthilfegruppe Schmaxbruch unlängst die Baustelle der Bahnbrücke in Breyell-Felderend besichtigt hat. Sie hat jetzt den Antrag an die Stadt Nettetal und die DB gestellt, sie in ihrer unvollendeten Form unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Das Drunterherfahren erleben die nächsten Generationen sowieso nicht mehr.

Thomas Oliver stöhnte auch, ich weiß nicht ob aus Schmerz oder aus Weltschmerz. Er ist in dem Alter, in dem vieles zusammenkommt. Verstanden habe ich, dass er smart, dynamisch und hipp sein wollte. Das geht so. Man nimmt sein Schlaufon und reist damit in den Schlaufonladen. Da verkaufen sie Apps. Es gibt eine App, mit der kann man sein Schlaufon zum Ventilator umfunktionieren und Kerzen ausblasen. Oder man lädt einen Knopf herunter und misst, wie lange man einen Finger drauf halten kann. Bubble wrap ist überhaupt der Hammer. Wer Thermofolienblasen gerne platzen lässt, hat hier stets ein Objekt zum Drücken in der Hand.

Nein, sagte Thomas Oliver, er hat vergeblich die neue Viersen-App gesucht. Wahrscheinlich sei sie im App-Laden schon ausverkauft, weil Herr Küppers doch gesagt habe, dass Viersen jetzt auch in der ersten Liga mitmache und er den Nagel auf den Kopf getroffen habe. Jedenfalls hat Thomas Oliver solange auf seinem Schlaufon rumgetippt, dass er zum Arzt musste. Leider, sagt Thomas Oliver, versage sein Nervus ulnaris im Arm auch den Dienst. Dadurch habe er eine Faustschlussschwäche. Ich finde, da hat einer aber richtig Glück gehabt.

Bis zum nächsten Mal

Quelle: RP
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