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Niederkrüchten
Neue Orgel wird Pfingsten eingeweiht

Niederkrüchten. Am Pfingstmontag erklingt die neue Orgel in der Niederkrüchtener Pfarrkirche St. Bartholomäus erstmals öffentlich. 370.000 Euro wurden gespendet Von Jochen Smets

Die Basspfeife ist körperlich zu spüren. Noch bevor der Ton im Ohr ankommt, geht er als sanfte Vibration buchstäblich unter die Haut. Man muss kein Musik-Kenner sein, um sich von diesem Instrument faszinieren zu lassen. Diese Orgel ist gewaltig, aber doch elegant. Sie ist dominant, aber sie spielt sich nicht auf. Sie kann donnern, aber auch flüstern.

Schon die Optik ist beeindruckend: Bis unter das Deckengewölbe der Kirche strebt die imposante Konstruktion, die Orgelbauer Martin Scholz erdacht und perfekt umgesetzt hat. Mit ihrer schlanken Erscheinung und mehreren bogenhaften Elementen greift sie spielerisch die Architektur des Kirchenschiffs auf. Sie schmiegt sich um einen der mächtigen Pfeiler und rückt damit in die Mitte der Kirche. Das war das Ziel, sagt Pastor Alexander Schweikert: "Wir wollten die Kirchenmusik, die in St. Bartholomäus schon immer eine große Rolle gespielt hat, neu in den Mittelpunkt stellen." Zudem ist die neue Orgel an ihrem Standort das verbindende Element zwischen der alten Kirche von 1485 und dem Erweiterungsbau aus dem Jahr 1910. Und musikalisch? "Meine Erwartungen sind übertroffen worden", schwärmt Niederkrüchtens Kirchenmusiker Volker Mertens. Mit ihrer warmen, weichen Klangfarbe habe das Instrument einen französischen Einschlag. "Es ist ein großes Geschenk für mich, eine solche Orgel zu spielen", sagt der Musikprofi.

22 klingende Register mit 900 Pfeifen - die größte fünfeinhalb Meter lang und die kleinste sieben Millimeter kurz - hat Mertens zur Verfügung. Im Grunde ist das ein ganzes Orchester in einem Instrument. Das reicht von sanften, geigenähnlichen Tönen bis hin zum triumphalen Schmettern der optisch wie akustisch herausstechenden Horizontaltrompeten. Highlight ist ein Gong, dem sich meditative, fast asiatisch anmutende Klänge entlocken lassen.

Scholz hat die Orgel perfekt auf die Akustik des Raumes abgestimmt, denn: Sie soll den Zuhörer beeindrucken, aber nicht wegpusten. Beim Hörerlebnis spielt die zentrale Position der Orgel eine entscheidende Rolle, erklärt Mertens: Weil der Kirchenbau der Resonanzkörper ist, sitzen die Zuhörer sozusagen mitten im Klang.

Wie sich das anhört und anfühlt, werden Kirchenbesucher erstmals am Pfingstmontag erleben. Dann steht die Orgel im Zentrum eines großen Festtages in und um St. Bartholomäus. Um 10.15 Uhr beginnt das Pontifikalamt, in dem Weihbischof Karl Borsch die neue Orgel weihen wird. Bis zur Weihe-Zeremonie wird in der Kirche "a cappella" gesungen. Unmittelbar nach der Weihe wird die Orgel erstmals öffentlich erklingen: Mertens spielt das Stück "Grand Choeur Dialogue" von Eugene Gigout.

Nach dem Pontifikalamt feiert die Pfarrgemeinde ein großes Fest rund um die Kirche. Und um 17 Uhr spielt der Aachener Dom-Organist Professor Michael Hoppe ein Konzert auf dem neuen Instrument. Auch jenseits kirchlicher Anlässe wird die Orgel in Zukunft zu hören sein: Regelmäßige Konzerte und Orgel-Meditationen sind fest geplant.

Quelle: RP
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