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Schwalmtal
Neues in der Traumland-Galerie

Schwalmtal: Neues in der Traumland-Galerie
Im ehemaligen Stall hat Horst Kordes seine Traumland-Galerie eingerichtet. Dort zeigt der gebürtige Österreicher, dessen Arbeit von Friedensreich Hundertwasser geprägt wurde, die Ausstellung "Tic-Tac — The Time". FOTO: Birgitta Ronge
Schwalmtal. Der Künstler Horst Kordes, einst ein Freund von Friedensreich Hundertwasser, greift in seinen Bildern alte Mythen der Menschheit auf. Auf einem alten Vierkanthof in Lüttelforst zeigt er am Wochenende neue Arbeiten Von Birgitta Ronge

Auf einem alten Vierkanthof im beschaulichen Lüttelforst hat Horst Kordes ein Reich der Farben geschaffen. Dort arbeitet und wohnt der Künstler, Jahrgang 1958, und dorthin kehrt er von Ausstellungen in den USA oder in China zurück, um Erfahrungen, Eindrücke und Gefühle in Bilder umzusetzen. Der 59-Jährige wuchs in Österreich auf. Dort lernte er als junger Mann den Maler Friedensreich Hundertwasser kennen, dessen Werk prägend für seine Arbeit werden sollte. Quer durch Europa führte Kordes' Weg nach Düsseldorf, wo er seine heutige Frau Karina Clemens kennenlernte. Vor sieben Jahren fand er schließlich mit ihr den alten Hof am Lousberg - und blieb.

Filigrane Linien münden in Worten und Symbolen. FOTO: Ronge Birgitta

Von den Reisen durch den Raum, durch die Zeit, erzählt Kordes in seinen Bildern, die er am Wochenende in einer Ausstellung präsentiert. Unter dem Titel "Tic-Tac - The Time" greift er die alten Mythen der Menschheit auf und verwandelt sie, typisch für Kordes, in neue Geschichten von explosiver Farbigkeit. In seinen Arbeiten lässt Kordes römische Feldherrn und griechische Göttinnen auftreten oder gibt eigentlich gesichtslosen Schachfiguren ein Gesicht, um sie vom Spiel des Lebens erzählen zu lassen. Schlicht in Schwarz-Weiß hingegen ist "Melody of Modern Art": Ein Krieger, bewaffnet mit Pfeil und Bogen, trägt am Körper eine Botschaft. "Hört auf zu malen", steht da.

Wie diese augenzwinkernde Forderung versteckt Kordes häufig Worte und Symbole, die ihm wichtig sind, in seinen Bildern. Zwischen Acrylfarben und Pigmenten und unzähligen feinen Linien muss der Betrachter sehr genau hinschauen, um sie zu entdecken. Die Linien bringt der Wahl-Lüttelforster nicht mit einem Stift, sondern mit dem Pinsel auf. Wenn er im Atelier male, sei er wie in Trance, sagte Kordes einmal - die feinen Linien erscheinen wie eine meditative Arbeit, für die viel Geduld vonnöten ist. "Das kann man nicht kopieren, das ist mein Stil", betont der Künstler. "Ich habe schon als Kind so filigrane Sachen gemacht."

Masken und Mythen prägen die neuen Arbeiten von Horst Kordes. FOTO: Ronge Birgitta

Für die Ausstellung am Wochenende verwandelt das Paar den ehemaligen Stall wieder in eine Galerie. Wo früher die Tiere standen, haben Kordes und Clemens die "Traumland-Galerie" eingerichtet, die vor kurzem noch so bunt war wie die Bilder selbst. Nun sind die Wände hell gestrichen, damit die Bilder besser zur Geltung kommen. An den Stallwänden hängen bereits die großformatigen Leinwände, eine weitere, dreidimensionale Malfläche hat Kordes mit ausgedienten Schaufensterpuppen hinzugewonnen: Wie auf den Bildern schlängeln sich auch hier feine Linien über die Körper, die in Farbe und Symbolen Geschichten erzählen. So wachsen beispielsweise einem Torso üppige Blumen aus dem Kopf. "Natur und Mensch sind eine Einheit, die man nicht verlieren darf", sagt Clemens. "Der Mensch braucht die Natur. Deshalb sind wir auch hergezogen nach Lüttelforst, in die Natur."

So fand Kordes auch zum Ausstellungstitel "Tic-Tac - The Time": "Die Uhr tickt, nicht nur für uns Menschen, sondern für die ganze Erde. Und wir können nicht flüchten, wir haben nur diese eine." Mit seiner Botschaft hält der Künstler nicht hinterm Berg: "Die Menschen sollten aufwachen, nachdenken über die Erde", fordert Kordes. Das bedeute auch, nicht still zu sein. "Eine Frechheit, aus dem Klimaschutzabkommen auszusteigen", urteilt Kordes über die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump. Der Künstler selbst will aufrütteln: "Ich war immer schon so, und ich glaube, es gibt viele junge Leute auf der Welt, die ebenso denken. Aber niemand hört ihnen zu, niemand nimmt sie ernst. Jetzt habe ich ein Alter erreicht, in dem man mir zuhört und mich ernst nimmt."

Quelle: RP
 
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