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Kreis Viersen
Neues Kreisarchiv wird in Viersen gebaut

Kreis Viersen: Neues Kreisarchiv wird in Viersen gebaut
FOTO: IvonneW/istockphoto
Kreis Viersen. Der Kreistag stimmte gestern Abend der Grundlagenvereinbarung mit der Stadt Viersen zu. Das Stadtarchiv geht ins Kreisarchiv über Von Birgitta Ronge

So lebhaft, wie es in den vergangenen Monaten in Sitzungen der Stadträte und des Kreistags zuging, so lebhaft ging es auch gestern Abend im Viersener Forum zu. Dort hatte der Kreistag drei Entscheidungen zu treffen: Wollen wir, dass mit Mitteln aus dem Kommunalinvestitionsförderungsprogramm ein neues Kreisarchiv gebaut wird? Wollen wir die Grundlagenvereinbarung mit der Stadt Viersen akzeptieren? Wollen wir, dass das neue Kreisarchiv in Viersen steht?

Ja. Mehrheitlich fasste der Kreistag die Beschlüsse in geheimer Abstimmung, nachdem Hans-Willy Trost von der FDP den Antrag dazu gestellt hatte. Für den grundsätzlichen Beschluss, ein neues, zentrales Kreisarchiv zu bauen, votierten von 51 Stimmberechtigten 44, es gab zwei Nein-Stimmen und zwei Enthaltungen. Um die Sitzung nicht weiter in die Länge zu ziehen, beantragte Thomas Paschmanns für die CDU, über die anderen beiden Punkte erneut geheim, aber in einem Gang abzustimmen. 29 Kreistagsmitglieder votierten für die Grundlagenvereinbarung mit der Stadt Viersen und den Standort Viersen, 16 stimmten mit Nein. Es gab sechs Enthaltungen.

Den Beschlüssen ging eine intensive Diskussion voraus, in der die Fraktionen noch einmal ihre Positionen darlegten. Michael Aach (CDU) betonte, Viersen sei als Standort für das neue Kreisarchiv gut geeignet - nicht nur, weil Viersen die Kreisstadt sei, sondern auch, weil die Stadt für Bürger der übrigen Kommunen gut zu erreichen sei. Auch Jürgen Heinen (Grüne) erklärte, wie wichtig die Erreichbarkeit sei. Dem Argument konnte der Vorsitzende des Kreiskulturausschusses, Hans Kettler (SPD), nicht folgen: Nach dem Besuch im LVR-Archiv in Pulheim sei man doch sehr desillusioniert gewesen. Letztlich werde das Archiv eine große Lagerhalle sein - für zehn Kilometer Regalfläche, klimatisiert und am besten ohne Fenster. "Das wird ein Klotz in der Landschaft", stellte Kettler klar Auch die zentrale Lage hinterfrage er: Zähle das Archiv 1000 Besucher im Jahr, seien das etwa vier pro Öffnungstag, "und da kommen auch welche mit dem Auto". René Heesen (Grüne) sah das anders. Er erklärte, auch als Kempener halte er den Viersen für den besten Standort. "Wir wollen nicht nur zentral im Kreis bauen, sondern auch innenstadtnah - und nicht am Kempener Außenring." Christoph Saßen (Linke) erklärte, seine Fraktion werde dem Archivneubau nicht zustimmen: Die friedlichste und beste Lösung sei es doch, die Stadtarchive in den Städten zu lassen.

Kritik musste Landrat Andreas Coenen (CDU) einstecken. Hans Smolenaers (SPD) fühlte sich unzureichend informiert: "Und jetzt kommen Sie vor der letzten Kreiskulturausschusssitzung mit drei Alternativ-Vorschlägen um die Ecke! Das habe ich noch nicht erlebt", sagte er. Der Landrat lasse die Kreistagsmitglieder im Unklaren, was der Neubau kosten werde - "fünf Millionen plus X". Jürgen Heinen verteidigte die Kreisverwaltung: Die habe getan, was sie könne - könne aber nichts für ihre Verhandlungspartner. Und man müsse den Beschluss von heute als Absichtserklärung verstehen. Alles weitere werde folgen. Hans-Willy Trost warnte: "Wir kaufen die Katze im Sack und sollen dem Landrat einen Persilschein ausstellen, ohne auch nur annähernd die Kosten zu kennen." Kreisdirektor Ingo Schabrich beruhigte: Die offenen Fragen würden beantwortet, sobald man wisse, wer mitmache. Doch bislang habe nur eine Stadt geantwortet: Viersen.

Quelle: RP
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