| 00.00 Uhr

Niederkrüchten
Niederkrüchtener kaufen viel außerorts

Niederkrüchten. Geringe Kaufkraftbindung und eine zunehmende Konzentration im Gewerbegebiet Dam macht es dem innörtlichen Einzelhandel schwer. Ein Gutachten empfiehlt neben Edeka in Elmpt einen weiteren Supermarkt in Alt-Niederkrüchten Von Jochen Smets

Die Kaufkraft der gut 15.000 Einwohner der Gemeinde Niederkrüchten summiert sich aktuell auf 87,9 Millionen Euro pro Jahr. Ein stattliches Sümmchen, von dem die Einheimischen allerdings weniger als die Hälfte in ihrer Heimatgemeinde lassen. 43 Millionen Euro geben Niederkrüchtener Bürger an Niederkrüchtener Ladentheken aus. Der Rest - 44,9 Millionen Euro - fließt ab in umliegende Gemeinden und Städte. Demgegenüber kommen nur sechs Millionen Euro als Kaufkraftzufluss von außen herein. Dies ist ein Befund des 2014 erstmals vorgelegten und nun fortgeschriebenen Einzelhandels- und Zentrenkonzepts, das Timo Grebe von der Stadt- und Regionalplanung Dr. Jansen GmbH aus Köln jetzt im Planungsausschuss vorstellte.

Aktuell gibt es in der Gemeinde auf insgesamt 11.400 Quadratmeter Verkaufsfläche 52 Betriebe des Ladeneinzelhandels und des Ladenhandwerks - vom Blumenladen bis zum Schuhgeschäft, vom Fahrradhandel bis zur Drogerie, von der Bäckerei bis zum Lebensmitteldiscounter. Der Gesamtumsatz über alle Sparten hinweg betrug im Geschäftsjahr 2015 rund 49 Millionen Euro - ein Plus von 4,3 Millionen Euro gegenüber dem Jahr 2012.

Allerdings zeigt die aktuelle Studie, dass sich eine Unwucht zu Ungunsten der Zentren Elmpt und Niederkrüchten noch verstärkt hat: Der Anteil der beiden Hauptorte der Gemeinde am Gesamtumsatz erreicht jeweils nicht einmal mehr ein Viertel. Konkret sind es 23,4 Prozent in Elmpt (11,5 Millionen Euro) und 23,2 Prozent in Niederkrüchten (11,4 Millionen). 2012 waren es noch 24,7 beziehungsweise 28,5 Prozent gewesen. Stattdessen verlagern sich die Kundenströme und damit auch die Umsätze noch mehr ins Gewerbegebiet Dam. Dort stieg der Umsatzanteil in den letzten drei Jahren von 45,6 Prozent auf 52,2 Prozent. Dies hängt auch mit der Neuansiedlung eines Bekleidungs- und Schuhmarkts samt Bäckereifiliale und Blumengeschäft zusammen. Zusammen mit den vorhandenen Discountern Aldi und Lidl, einem Drogeriefachmarkt, einem Getränkehandel sowie einem Fahrradhandel hat sich hier auf überschaubarem Raum eine richtige kleine Einkaufsmeile entwickelt.

Darum gehört es zu den zentralen Empfehlungen des Konzepts, weitere Ansiedlungen mit so genannten "nahversorgungs- und zentrenrelevanten Sortimenten" in Dam zu unterbinden, um ein Ausbluten der Ortskerne zu verhindern. Als Steuerungsinstrument soll die "Niederkrüchtener Liste" dienen. Sie weist Warengruppen aus, für die es Einzelhandelsentwicklungen nur noch in den Orten und nicht mehr auf der grünen Wiese geben soll.

Der Neubau eines Edeka-Markts im Heineland dürfte dazu beitragen, wieder mehr Kaufkraft in Elmpt zu binden. Vor diesem Hintergrund lautete die "dringende Empfehlung" von Grebe, auch in Alt-Niederkrüchten im Bereich des Standorts Hochstraße/Brempter Weg (Alt-Standorte Kaiser's und Netto) einen Lebensmittel-Vollsortimenter anzusiedeln. Dies könne auch zur Stabilisierung des Laden-Einzelhandels auf der Mittelstraße beitragen.

Seit dem Frühjahr 2016 gibt es einen Vorvertrag zwischen der Raiffeisen-Warengenossenschaft (RWG) Schwalm-Nette, die mit ihrem Niederkrüchtener Raiffeisen-Markt ins Gewerbegebiet Dam umziehen will, und einem Investor, der am bisherigen Raiffeisen-Standort einen Vollsortimenter errichten möchte. Die Verhandlungen laufen noch, wie RWG-Geschäftsführer Bernd Wolfs auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Niederkrüchten: Niederkrüchtener kaufen viel außerorts


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.